Der zweite Band von Emil Sax' 'Die Verkehrsmittel in Volks- und Staatswirthschaft' (Wien 1879) ist ganz den Eisenbahnen gewidmet. Sax untersucht zuerst, wie die Dampflocomotion Wirthschaft und Gesellschaft umgestaltet: Transportverbilligung, Preisnivellierung landwirthschaftlicher Produkte, Verschiebung der Thünenschen Productenzonen, Wirkungen auf Grundrente, Bergbau, Industrie und Handel. Ein zweiter Abschnitt behandelt die Verwaltung des Eisenbahnwesens und begründet ausführlich, weshalb die Eisenbahn der reinen Privatwirthschaft entzogen und als Gegenstand der Gemeinwirthschaft zu fassen sei; er widerlegt dabei die verschiedenen Spielarten der Concurrenztheorie und die Streitfrage Staats- gegen Privatbahnen. Der dritte Abschnitt entwickelt die Oekonomik von Anlage und Betrieb, einschliesslich Tarifwesen, Werthtarifirung und Differentialtarifen. Der vierte gibt einen Ueberblick der Entwicklungsgeschichte des Bahnwesens in den massgebenden Staaten. Die Darstellung argumentiert deductiv aus den im ersten Bande aufgestellten allgemeinen Gesetzen des Verkehres und stützt sich durchgehend auf statistisches Material und zeitgenössische Fachliteratur.
Das Werk ist der erste Teil von Julius v. Gans-Ludassys dreiteiligem System der wirtschaftlichen Energie und behandelt die ökonomistische Methodologie, also die Frage, wie ökonomische Erkenntnis überhaupt möglich ist. Der Verfasser fasst die Ökonomik als selbstständige, von der Philosophie abzulösende Wissenschaft und begründet sie auf dem Prinzip der Zweckmäßigkeit, das er wirtschaftliche Energie nennt. In zwölf Kapiteln entwickelt er den Aufbau aus der Philosophie, eine kritische Geschichte der methodologischen Schulen (Rationalismus, Empirismus, Historismus, exact-realistische Richtung) und arbeitet die ökonomische Erscheinung, den Begriff, das Urteil, das Schließen, das Gesetz, das Entwicklungsgesetz, das Prinzip und die Systematik durch. Gegen rein abstrakte wie rein empirische Verfahren setzt er einen rationellen Empirismus und grenzt sich ausdrücklich von Menger, Eisenhart, Dilthey und Wagner ab, an deren Arbeiten er anknüpft. Jena 1893.
Die Schrift untersucht Entstehung und Existenzbedingungen von Kleingewerbe und Hausindustrie in Österreich und ist in zwei Teile gegliedert. Der Allgemeine Teil zeichnet nach, wie sich aus Hausfleiß, Lohnwerk und Handwerk unter kaufmännisch-kapitalistischer Leitung die Verlagsindustrie entwickelt: derivativ aus bestehenden Betriebsformen oder originär neu angesetzt, auf dem Land wie in der Stadt. Schwiedland beschreibt die Abhängigkeit der verlegten Meister und Sitzgesellen vom Verleger und die Bedrängnis des selbständigen Kleinmeisters durch Fabrik, Handel und eigene Kapitallosigkeit. Der Besondere Teil ist eine Monographie über die Wiener Muscheldrechsler (Perlmutter-Knopfindustrie): Rohstoff, rechtliche Verfassung des Handwerks, Konjunkturen und Krisen seit der Mac-Kinley-Bill, die Lage der Meister, Lehrlinge und Gesellen sowie die Hausindustrie. Die Argumentation stützt sich auf amtliche Berichte, Enquêten und statistische Tabellen aus Wien, Berlin und Paris. Erschienen 1894 bei Duncker und Humblot in Leipzig.
Frank Fetter prüft in dieser 1894 erschienenen Hallenser Dissertation das Bevölkerungsprincip von Thomas Robert Malthus und stellt ihm eine eigene, voluntaristische Bevölkerungslehre gegenüber. Der erste Abschnitt ist eine begriffliche Kritik: Fetter zeigt, dass Malthus die Schlüsselwörter „Tendenz“, „Bevölkerung“ und „Princip“ mehrdeutig gebraucht und dadurch einen psychologischen Trieb unzulässig mit einer messbaren Zahl von Menschen vergleicht; die geometrische und arithmetische Progression sowie der Satz, die Bevölkerung stehe stets auf dem Niveau der Nahrungsmittel, werden zurückgewiesen. Der zweite Abschnitt wertet Statistik mehrerer Länder zu Ehezahl, Heiratsalter und Kinderzahl aus und führt die geringere Kinderzahl wohlhabenderer Schichten auf Vorsicht und Lebensansprüche statt auf physiologische Ursachen zurück. Im dritten Abschnitt deutet Fetter die Volksbewegung als Resultante vieler produzierender und konsumierender Gruppen, deren Verhalten vom „Standard of life“ und von Motiven des Willens bestimmt wird, und leitet praktische Maßregeln ab: allgemeine Bildung, Förderung freiwilliger Sparkassen, breitere Eigentumsverteilung. Methodisch wendet er die Grenznutzenlehre auf die Bevölkerungsfrage an und wendet sich gegen das „eherne Lohngesetz“ wie gegen den Fatalismus des Malthusianismus.
The Exploitation of Theories of Value in the Discussion of the Standard of Deferred Payments, Annals of the American Academy of Political and Social Science
Eugen von Boehm-Bawerk prueft in dieser 1896 erschienenen Streitschrift, ob der posthum veroeffentlichte dritte Band von Marx' Kapital den im ersten Band angekuendigten Widerspruch aufloest: dass sich Waren einerseits nach ihrer verkoerperten Arbeit tauschen, andererseits gleich grosse Kapitale gleichen Profit abwerfen. Boehm-Bawerk referiert zunaechst die Marxsche Wert- und Mehrwertlehre sowie die Theorie der Produktionspreise, dann zerlegt er vier Argumente, mit denen Marx die fortdauernde Geltung des Wertgesetzes behauptet, und kommt zum Schluss, der dritte Band verleugne den ersten. Im vierten Abschnitt fuehrt er den Irrtum auf eine rein dialektische, von Erfahrung und psychologischer Analyse abgeschnittene Ableitung des Arbeitswertsatzes zurueck. Ein Schlussabschnitt setzt sich kritisch mit Werner Sombarts Rettungsversuch auseinander, der den Marxschen Wert als blosse gedankliche Tatsache deutet.
Promemoria ueber die Errichtung einer Handelshochschule in Wien zu dauernder Erinnnerung an das diesjährige Regierungs-Jubiläum seiner K. u. K. Apostolischen Majestät des Kaisers Franz Joseph I. 1898.
„Der goldene Boden“ ist ein Wiener Volksstück in vier Acten von Julius von Gans-Ludassy, erschienen 1902 im Wiener Verlag; die Aufführung wurde laut Vorwort von der Wiener Censur mehrfach untersagt. Es zeichnet das Elend der Heimarbeit im Schneidergewerbe: Der verarmte Witwer Peter Wimmer schlägt sich als Stückschneider durch, während der aufgestiegene Zuschneider Tichtl ihm zugleich eine Heirat mit der älteren Agnes einfädelt und seine Tochter Leni verführt. Um Tichtls Geschäftsführer-Posten kreist eine Intrige, an deren Ende die Fabriksinhaberin Brandstätter erstochen wird; der eifersüchtige Spindelmann ist der Täter, doch der Verdacht fällt auf Tichtl. Wimmer, der die Wahrheit kennt und durch ein Schwurversprechen gebunden ist, ringt zwischen Rache, Mitleid mit der Tochter und Gewissen. Das Stück verhandelt soziale Ausbeutung, Ehre und Armut im Milieu der Wiener Vorstadt.
The Improvement of Our System of Township Poor Relief (Report of the committee on public relief of the poor in Indiana, Frank A. Fetter, Chairman). Indiana State Board of Charities Bulletin
Die Schrift untersucht die wirtschaftliche und soziale Lage der Verlags- oder Hausindustrie und fragt, mit welchen Mitteln der Gesetzgebung, der Selbsthilfe und der Verwaltung die Lage der Heimarbeiter gebessert werden kann. Einleitend bestimmt Schwiedland Entstehung, Formen und Begriff der Verlagsarbeit und schildert die begünstigte Stellung des Verlegers gegenüber Handwerksmeister und Fabrikant. Der Hauptteil erörtert in zwölf Abschnitten einzelne Massnahmen: Registrierung, Ausdehnung der Zwangsversicherung, Sanitätspolizei, Lizenzierung der Arbeitsstätten, Organisation der Arbeiter, Arbeiterschutz, Abschaffung der Heimarbeit, Einschränkung des Absatzes, Arbeitsnachweis, Zentralwerkstätten, Einwanderungsbeschränkung und verbindliche Mindestlöhne. Dabei zieht der Verfasser fortlaufend Erfahrungen aus England, der Schweiz, Nordamerika und besonders den australischen Kolonien Victoria und Neuseeland heran und prüft ihre Übertragbarkeit auf Österreich. Anhänge bringen statistische Übersichten, eine Übersicht der Spezialgesetzgebung und eine Darstellung der Zentralwerkstätten.
Subsidies—by the Committee on the Division of Work between Public and Private Charities, Frank A. Fetter, Chairman, National Conference of Charities and Corrections Proceedings
Die 1902 als Wiener staatswissenschaftliche Dissertation erschienene Arbeit zeichnet die Entwicklung des gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisses in Galizien vom Anfall des Landes an Österreich bei der ersten Teilung Polens (1772) bis zur Grundentlastung (1848) nach. Mises rekonstruiert zunächst die ländliche Verfassung des polnischen Galizien (Untertänigkeit, Grundobrigkeit, Besitzrechte, Frondienste) und kontrastiert die Untätigkeit des polnischen Staates mit dem eingreifenden österreichischen. Den Kern bildet die Darstellung der theresianischen und josefinischen Reformen, der Aufhebung der Leibeigenschaft, der Robotpatente und der gescheiterten Steuer- und Urbarialregulierung von 1789, gefolgt von der Reaktion in nachjosefinischer Zeit. Breit behandelt werden der Bauernaufstand von 1846 und die schließlich 1848 verfügte Aufhebung aller Roboten. Die Untersuchung stützt sich durchgängig auf Archivakten und zeitgenössische Gesetzgebung; in der Schlussbetrachtung deutet Mises die Bauernbefreiung nicht naturrechtlich, sondern als Folge einer mit der Bevölkerungsvermehrung unvereinbar gewordenen Wirtschaftsverfassung.
Eugen Schwiedland behandelt in dieser Wiener Schrift von 1902 die Frage, wie weibliche Heimarbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert werden koennen. Ausgangspunkt ist die Frauenarbeits-Enquête von 1896, deren Missstaende sichtbar wurden, ohne dass praktische Folgen daraus gezogen wurden. Schwiedland legt dar, warum gerade Heimarbeiterinnen besonders schwer zu organisieren sind: Zudrang zur Beschaeftigung, Last der Familie, Rueckhalt am Lohn des Mannes und geringe Qualifikation der Arbeit. Da Selbsthilfe und Sozialdemokratie hier versagen, erwaegt er zwei Wege der Hilfe von aussen: gesetzlichen Zwang (unter Berufung auf Brentano und die deutsche Gewerbeordnung) sowie buergerliche gesellschaftliche Hilfe. Als Vorbild beschreibt er ausfuehrlich einen Berliner Fachverein der Heimarbeiterinnen mit knapp 1000 Mitgliedern samt Rechtsschutz, Sparkasse, Naehmaschinen-Bezug und geselligen Versammlungen. Abschliessend empfiehlt er, einen aehnlichen neutralen Gewerkverein fuer Wien zu gruenden.
Die Nationaloekonomie als Unterrichtsgegenstand an den oesterreichischen Handelslehranstalten. Ein Beitrag zur Pädagogik und Methodik der Nationaloekonomie
Bessere Leut' ist eine Wiener Dialektkomoedie in drei Akten von Julius v. Gans-Ludassy und Alexander Engel, erschienen 1904 im Wiener Verlag. Im Mittelpunkt steht die verarmte Familie Dobler, die nach aussen den Schein buergerlicher Wohlhabenheit wahrt, waehrend der entlassene Buchhalter Anton Dobler, seine ehrgeizige Frau Betti und der arbeitsscheue Sohn Toni von Kredit, Pump und Schwindel leben. Das Stueck stellt diesem Milieu die Tochter Martha gegenueber, die sich weigert, aus Berechnung zu heiraten, ehrliche Arbeit als Klavierlehrerin sucht und am Ende den kleinen Beamten Etthofer aus Zuneigung bekommt. Eine zweite Handlung verfolgt den Werkfuehrer Zernitz, dessen erwartete Erbschaft sich als Luftschloss erweist, sowie Tonis Intrige um die Nichte Paula. Die Komoedie verhandelt im Dialog Standesduenkel, Geld und Anstaendigkeit; der Titel 'bessere Leut'' ist ironisch gemeint.
Frank A. Fetters "The Principles of Economics" (1905) ist ein einfuehrendes Lehrbuch, das die gesamte oekonomische Theorie auf einer subjektiven Wertlehre aufbaut: alle Werte werden auf das psychische Einkommen, die unmittelbare Beduerfnisbefriedigung, zurueckgefuehrt. Aus Grenznutzen, Nachfrage und Tausch entwickelt Fetter Schritt fuer Schritt eine einheitliche Verteilungstheorie und ordnet Rente, Kapitalisierung, Zins (Time-value), Lohn und Unternehmergewinn diesem Prinzip unter. Das Werk gliedert sich in drei Teile: den Wert materieller Dinge, den Wert menschlicher Dienste und die sozialen Aspekte des Wertes (Eigentum, Verteilung, Geld, Steuern, Aussenhandel, Monopole, staatliche Regulierung). Laut Vorwort entstand der Text aus Vorlesungen an der Cornell University und zielt auf eine durchgaengig subjektive Analyse statt der ueberlieferten Mischung objektiver und subjektiver Wertbegriffe; ein Anhang mit Fragen und bibliografischen Notizen begleitet die 57 Kapitel.
Sammelbesprechung von Ludwig von Mises über die jüngere Literatur zu Geld- und Bankwesen, erschienen um 1908 in einer wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschrift. Mises referiert und bewertet 41 deutsch-, englisch- und französischsprachige Titel, geordnet nach Themenfeldern: zuerst zwei geldtheoretische Arbeiten (Hoffmanns Dogmengeschichte der Geldwerttheorien, Kemmerers quantitätstheoretischer Neuaufbau), dann Schriften zum deutschen Geldmarkt und zur Reichsbank, zur österreichischen und schweizerischen Bankfrage sowie Monographien zu Einzelfragen wie dem Geldsystem Luxemburgs und den französischen Kolonialbanken. Wiederkehrend prüft er die Stichhaltigkeit der Geldwert- und Währungstheorien, würdigt Materialfülle und Methodik und grenzt sich gegen Goldwährungsdoktrin und inflationistische Vorschläge ab. Die Knappsche staatliche Geldtheorie und die Frage der Barzahlungen ziehen sich als Bezugspunkte durch die Besprechung.
Ludwig von Mises untersucht, ob Österreich-Ungarn die Barzahlungen, also die gesetzliche Pflicht der österreichisch-ungarischen Bank zur Einlösung ihrer Noten in Gold, formell aufnehmen solle. Seine zentrale These: wirtschaftlich bestehe die Goldwährung längst, denn die Bank gebe seit 1896 jederzeit freiwillig Gold und auf Gold lautende Devisen ab und halte die Wechselkurse zwischen den Goldpunkten stabil. Eine gesetzliche Regelung würde diesen Zustand nur rechtlich anerkennen, an der Politik der Bank nichts ändern. Mises widerlegt die herrschende Ansicht, der niedrige Wiener Diskontsatz beruhe auf der Suspension der Barzahlungen, und führt ihn auf das Fehlen kurzfristiger Auslandsverschuldung und auf die geringe inländische Anlagetätigkeit zurück. Er setzt sich kritisch mit Georg Friedrich Knapps Staatlicher Theorie des Geldes auseinander und behandelt zuletzt den Bankstreit mit Ungarn. Die in acht Abschnitte gegliederte Arbeit erschien in Schmollers Jahrbuch und wurde Ende 1908 abgeschlossen.
Ludwig von Mises antwortet auf Walther Federns Entgegnung und verteidigt seine These, dass die Oesterreichisch-Ungarische Bank dem Markt jederzeit Devisen zu einem Kurs unter dem oberen Goldpunkt zur Verfuegung stellt, also faktisch in Devisen barzahlt. Federns Behauptung, die Bank verweigere zeitweilig die Devisenabgabe an Zinsfussarbitrageure, weist Mises als tatsachenwidrig zurueck: Das einzige Abwehrmittel der Bank gegen Goldabfluesse sei die Erhoehung des Eskomptesatzes. Argumentiert wird empirisch anhand der Kursverlaeufe der Devise Deutsche Bankplaetze seit 1896, der Annexionskrise 1908/09 und der Krise von 1907, gestuetzt auf Aeusserungen des Gouverneurs von Bilinski und Berichte der Wiener Boersenkammer. Der Text steht im Zusammenhang mit der zeitgenoessischen Debatte um Knapps staatliche Theorie des Geldes und die Vorteile einer isolierten Waehrung.
Schumpeter entwickelt eine rein oekonomische Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung: die Kraft, die das Wirtschaftssystem aus sich selbst heraus veraendert, geht vom Unternehmer aus, der neue Kombinationen von Produktionsmitteln durchsetzt (neues Gut, neue Methode, neuer Markt, neue Bezugsquelle, neue Organisation). Das erste Kapitel zeichnet den statischen Kreislauf einer im Gleichgewicht ruhenden Wirtschaft, in dem aller Produktwert auf Arbeit und Boden zurueckgeht und weder Unternehmergewinn noch Zins entstehen. Die folgenden Kapitel behandeln das Grundphaenomen der Entwicklung, Kredit und Kapital als Kaufkraftschaffung, den Unternehmergewinn als Kostenueberschuss, den Kapitalzins als Agio gegenwaertiger ueber kuenftige Kaufkraft und schliesslich den Konjunkturzyklus, dessen Aufschwung und Depression aus dem scharenweisen Auftreten der Unternehmer erklaert werden. Schumpeter trennt durchgehend Statik und Dynamik und setzt seinen Ansatz in Beziehung zu Walras und Marx.
Source Book in Economics, herausgegeben von Frank A. Fetter (The Century Co., New York, 1912), ist ein Lesebuch mit ausgewählten Primärquellen, zusammengestellt für wirtschaftswissenschaftliche Lehrveranstaltungen an Hochschulen als Begleitband zu Fetters Principles of Economics. Der Band versammelt dreiundvierzig nummerierte Auszüge, gegliedert in sieben Teile: Märkte und Preise; Vermögen und seine Verwendung; Kapital und Investition; Arbeit und Bevölkerung; Kosten, Gewinne und Monopol; private Einkommen und soziale Wohlfahrt; sowie Staat und Industrie. Jeder Auszug beginnt mit einer kurzen redaktionellen Anmerkung und gibt einen Ausschnitt aus einem Regierungsbericht (Tariff Board, Interstate Commerce Commission, Commissioner of Corporations, the Mint, the Comptroller of the Currency), einer wissenschaftlichen Studie oder einem klassischen Autor wie Herbert Spencer und Henry Maine wieder. Ziel ist es, konkretes Tatsachenmaterial und amtliche Befunde neben die im Lehrbuch behandelten theoretischen Fragen zu stellen; behandelt werden Tausch, Rente, Bodenwerte, Löhne, Einwanderung, Monopol, Geld, Bankwesen und Eisenbahnregulierung.
Ludwig von Mises untersucht eine oesterreichische Regierungsvorlage von 1911, die die Gebuehren auf Versicherungs-, Leibrenten- und Versorgungsvertraege neu ordnen soll. Er stellt dar, dass das geltende Gebuehrenrecht aus dem provisorischen Gesetz von 1850 unuebersichtlich und sozialpolitisch verkehrt geworden ist, weil es wirtschaftlich Schwaechere prozentual hoeher belastet. Der Entwurf ersetzt die Vielzahl bisheriger Stempel- und Einzelgebuehren durch zwei Prozentgebuehren auf eingehende Praemien und ausbezahlte Schadenssummen, was Mises gebuehrentechnisch als Fortschritt anerkennt. Zugleich kritisiert er die starke Erhoehung der Gebuehrenlast, die Sonderbehandlung der Policendarlehen, die Ermessensfreiheit des Finanzministeriums beim Auslandsgeschaeft und vergleicht die Saetze mit der niedrigeren preussischen Versicherungsbesteuerung. Er ordnet die Vorlage in die fiskalische Lage des Staatshaushalts und die parteipolitischen Kraefteverhaeltnisse im Abgeordnetenhaus ein.
Kurze Rezension von Ludwig von Mises ueber Otto Heyns Schrift "Erfordernisse des Geldes" (Leipzig 1912). Mises wuerdigt Heyns Beitraege zur Geldtheorie, sieht in der vorliegenden Skizze aber den Grundfehler von Heyns Methode besonders deutlich: Heyn weiche dem Kernproblem der Geldtheorie, den Bestimmungsgruenden der Kaufkraft des Geldes, systematisch aus. Referiert wird Heyns These, dass im gewoehnlichen Warenverkehr niemand auf die Geldmenge Ruecksicht nehme und Aenderungen der Geldmenge unmittelbar nur den Zins, insbesondere den Diskont, beeinflussten, waehrend der Tauschwert des Geldes nur mittelbar betroffen sei. Mises haelt dem entgegen, dass solche Saetze der herrschenden Lehre und den Tatsachen der Quantitaetstheorie widersprechen und eine eingehende Begruendung verlangt haetten, die Heyn schuldig bleibe.
Kurze Rezension von Ludwig von Mises zu Paul Stiassnys Monographie »Der oesterreichische Staatsbankerott von 1811« (Wien und Leipzig 1912). Mises kritisiert, dass der Verfasser nur 43 Seiten der eigentlichen Darstellung widme, eine vorangestellte theoretisierende Abhandlung »zum Probleme des Zettelstaates« Widerspruch errege und der Rest des Buches aus dem woertlichen Abdruck von Patenten und Akten bestehe. Eine solche Arbeit haette vor zwei Jahrzehnten womoeglich Beifall gefunden, doch der inzwischen strengere wissenschaftliche Massstab der Wirtschaftsgeschichte lasse sie nicht mehr gelten. Mises verweist auf Beers »Finanzen Oesterreichs im XIX. Jahrhundert«, das trotz aller Maengel besser ueber die Katastrophe von 1811 orientiere, und stuft Stiassnys Schrift als blosse Gelegenheitsschrift zum hundertjaehrigen Jubilaeum des Bankerotts ein.
Ludwig von Mises bespricht Andreas Walthers methodologische Studie "Geldwert in der Geschichte" (1912), einen Versuch, die preisgeschichtliche Arbeitsweise fuer die historischen Disziplinen zu begruenden. Mises wuerdigt die Untersuchung als scharfsinnig und literaturkundig und hebt hervor, dass Walther an die von Wieser verfeinerte Budgetmethode anknuepft. Als Ziel der Preisgeschichte gelte die Gewinnung einer lebendigen Anschauung vom sozialen Gebrauchswert historischer Preisangaben, nicht deren Umrechnung in heutiges Geld. Kritisch sieht Mises Walthers Versuch, Skalen sozialer Schichtung und "Normalbudgets" aufzustellen: der Begriff des Normalen sei fuer den Historiker unanwendbar, und Konzessionen an die in Historikerkreisen herrschende Auffassung gingen zu weit. Trotz dieser Einwaende empfiehlt Mises die Arbeit Statistikern und Historikern nachdruecklich zur Lektuere.
"Der Sonnenstaat" ist ein 1904 im Wiener Verlag erschienenes Drama in fünf Akten von Julius v. Gans-Ludassy, geschrieben in Blankversen. Im Zentrum steht der ehemalige Hofnarr Jean Marot, der als verkappter Anführer eines Aufstands den schwachen König Leo zwingt, einen kommunistisch organisierten "Sonnenstaat" mit aufgehobenem Privateigentum, abgeschafftem Erbrecht, verstaatlichter Kindererziehung und aufgelöster Ehe zu unterzeichnen. Über die folgenden Akte zeigt das Stück, wie dieser Zwangsstaat an Mangelwirtschaft, Bürokratie, Korruption und der Unzufriedenheit des Volkes scheitert, während der Kanzler Reinhart ihn gegenspielerisch unterhöhlt. Die Handlung mündet in Marots Sturz, Verurteilung wegen Hochverrats und Tod auf dem Schafott, kurz bevor die zur Regentin aufgestiegene Königin Regine seine Begnadigung ausspricht. Das Werk verhandelt in dramatischer Form den Konflikt zwischen utopischem Gleichheitsversprechen und individueller Freiheit.
Frank A. Fetters "Economic Principles" (The Century Co., New York 1915) ist der erste Band eines zweibaendigen Lehrwerks und entwickelt eine einheitliche Werttheorie der Verteilung unter den Bedingungen des modernen Preissystems. Wert, Rente, Lohn und Zins werden, wie der Autor im Vorwort zu seinen "Principles of Economics" (1904) anknuepft, als verschiedene Auspraegungen derselben allgemeinen Prinzipien behandelt statt als getrennte, je eigenen Gesetzen folgende Phaenomene. Der Aufbau fuehrt vom Verhaeltnis von Wahl, Bewertung und Wert ueber Tausch, Preis und Konkurrenz zu Rente, Lohn, Zeitpraeferenz und Kapitalisierung, Unternehmensgewinn und schliesslich zu dynamischen Veraenderungen wie Bevoelkerung, abnehmenden Ertraegen und dem Verhaeltnis von Werttheorie und sozialer Wohlfahrt. Die Darstellung argumentiert in sechs Teilen mit 39 nummerierten Kapiteln, illustriert weitgehend an zeitgenoessischen amerikanischen Verhaeltnissen, und grenzt sich ausdruecklich von der aelteren, in den College-Lehrbuechern konventionalisierten Analyse ab.
Carl Mengers Nachruf auf Eugen von Böhm-Bawerk (1851 bis 1914), erschienen 1915 im Almanach der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien und hier um Anmerkungen aus Schumpeter-Texten erweitert. Der erste Teil zeichnet den Lebensweg nach: Studium in Wien, Habilitation 1880, Lehrstuhl in Innsbruck, mehrfaches Amt als österreichischer Finanzminister, zuletzt Präsident der Akademie. Der zweite Teil würdigt das wissenschaftliche Werk, von der Erstlingsschrift über Rechte und Verhältnisse über die Theorie des Güterwertes bis zum Hauptwerk Geschichte und Theorie des Kapitalzinses. Menger fasst die positive Zinstheorie knapp zusammen (psychologische und technische Gründe für den Vorzug gegenwärtiger vor künftigen Gütern) und ordnet die teils heftige internationale Kritik ein, ohne Böhm-Bawerks Bedeutung dadurch geschmälert zu sehen.
Modern Economic Problems (1926) ist der zweite Band von Frank A. Fetters Lehrbuch der Volkswirtschaftslehre und behandelt angewandte wirtschaftspolitische Fragen der Vereinigten Staaten, während der erste Band Wert- und Verteilungstheorie darstellt. In sechs Teilen mit 35 Kapiteln erörtert Fetter Geld und Preise (Ursprung des Geldes, Quantitätstheorie, fiduziäres und politisches Papiergeld, Goldstandard), Banken und Versicherung (Federal Reserve Act, Krisen, Lebensversicherung), Zoll und Besteuerung, Löhne und Arbeit (Gewerkschaften, Mindestlohn, Sozialversicherung, Einwanderung), die öffentliche Politik gegenüber der Privatwirtschaft (Landwirtschaft, Transport, Monopol) sowie Privateigentum und Sozialismus. Jedes Kapitel ist in nummerierte Paragraphen gegliedert und schließt mit einer Literaturliste; zahlreiche Tabellen und Diagramme illustrieren die Statistiken. Die revidierte Auflage arbeitet ausdrücklich die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs ein. Fetter schreibt aus der Sicht der "welfare economics" und grenzt sich von der reinen "price economics" ab.
Frank A. Fetters "Manual of References and Exercises in Economics" (Band I, The Century Co., 1916) ist ein Begleit-Arbeitsheft zum ersten Band seines Lehrbuchs "Economic Principles". Es ordnet jedem der 39 Lehrbuch-Kapitel einen Apparat aus zwei Teilen zu: eine kommentierte Auswahl an Literatur (Quellenwerke, Zeitschriftenaufsaetze und die Sammelbaende Materials, Readings und Source Book) sowie eine Reihe von Uebungsfragen und Rechenaufgaben. Die Themen folgen dem Aufbau der Preis- und Verteilungstheorie: Wahl und Wert, Markt und Preisbildung, Konkurrenz und Monopol, Rente, Lohn, Zeitpraeferenz und Kapitalisierung, Bevoelkerung sowie Maschinen und Arbeit. Im Vorwort betont Fetter, dass die Aufgaben weniger das Gedaechtnis pruefen als Beobachtung und klares Denken schulen sollen, und dass arithmetischen Uebungen der Vorzug gegeben wurde.
Frank A. Fetters "Manual of References and Exercises in Economics" (Band II, 1917) ist ein Begleitheft zu seinem Lehrbuch "Modern Economic Problems". Es gliedert den Stoff in 31 Kapitel, von den materiellen Ressourcen der Nation ueber Geld, Banken, Krisen, Versicherung, Aussenhandel, Zoelle und Steuern bis zu Arbeit, Bevoelkerung, Eisenbahn, Monopol, oeffentlichem Eigentum und Sozialismus. Jedes Kapitel bietet eine kommentierte Literaturliste mit Verweisen auf zeitgenoessische Quellen (Jevons, Fisher, Taussig, Phillips, das Source Book) und darauf eine Reihe von Studienfragen und Rechenaufgaben. Die Aufgaben reichen von begrifflichen Fragen ueber Bilanz- und Indexzahlen-Berechnungen bis zu Faellen zum komparativen Vorteil. Das Vorwort nennt Princeton-Kollegen sowie Stanley E. Howard als Mitwirkende und verweist auf aeltere, seit 1904 fortentwickelte Aufgabenlisten. Das Heft dient dem Selbststudium und der Klassenarbeit, nicht der zusammenhaengenden Darstellung der Theorie.
Ludwig von Mises legt in dieser 1918 in Wien erschienenen Schrift dar, wie die Kosten des Ersten Weltkriegs volkswirtschaftlich getragen und auf die Buerger verteilt werden. Seine Kernthese: Ein Krieg laesst sich nur mit gegenwaertigen Guetern fuehren, nicht das Geld entscheidet, sondern die vorhandenen Sachgueter, und die Lasten traegt stets die gegenwaertige Generation, nicht die kuenftige. Mises unterscheidet drei Wege der Staatsfinanzierung (entschaedigungslose Beschlagnahme, Steuern, Anleihen) und begruendet, warum die Anleihenfinanzierung keine Beguenstigung der Kapitalisten und keine Ueberwaelzung auf spaetere Geschlechter ist. Gegen die Sorge vor einem Staatsbankrott haelt er, dass Oesterreich-Ungarn seine Kriegsschulden im Inland aufgenommen hat und vor allem kleine Sparer betroffen waeren, anders als im angefuehrten russischen Fall. Als ernste Gefahr benennt er die Geldentwertung durch Notenvermehrung, vor der auch Pfandbriefe, Hypotheken und Realitaeten keinen sicheren Schutz boeten, und wirbt damit fuer die Zeichnung der Kriegsanleihe.
Ludwig Mises legt in diesem Zeitungsaufsatz dar, dass eine Vermehrung der Geldmenge die Preise aller Güter und Dienstleistungen steigen lässt und dass keine wirtschaftspolitische Maßnahme dieses Steigen aufhalten kann. Das Steigen der Inlandspreise und das Steigen der Kurse des ausländischen Geldes seien zwei Seiten derselben Erscheinung: der Valutenkurs richte sich nach der Kaufkraft des inländischen Geldes, nicht nach der Zahlungsbilanz, weil Ein- und Ausfuhr in erster Linie von den Preisen abhängen. Daraus folgert er, dass weder Preistreibereiverordnungen noch eine staatliche Devisenzentrale die Entwertung der Krone bremsen können; manche Eingriffe wie der Zwang zur Devisenablieferung wirkten sogar wie ein Ausfuhrzoll. Die einzige Abhilfe sei die Sanierung des Staatshaushaltes, damit der Staat auf die Notenpresse verzichten kann; andernfalls drohe wie bei den französischen Assignaten der völlige Verfall des Geldwertes.
Ludwig von Mises bespricht 1918 Walter Huths Studie ueber die Entwicklung der deutschen und franzoesischen Grossbanken im Zusammenhang mit der jeweiligen Volkswirtschaft. Huth stellt, angeregt durch Adolf Webers Unterscheidung von Depositen- und Spekulationsbanken, das deutsche und franzoesische Bankwesen vergleichend gegenueber und gibt der gemischten Bankwirtschaft den Vorzug vor der arbeitsteiligen. Mises wertet die Arbeit als fleissig und materialreich, kritisiert aber zwei Maengel: die Beschraenkung auf gedrucktes Material und den apologetischen Charakter, der die Studie zur Verteidigungsschrift des deutschen Systems werden lasse. Vor allem vermisst er die Einsicht, dass die Verschiedenheit beider Banktypen weniger banktechnisch als aus der Struktur von Industrie und Handel zu erklaeren sei. Das Schlusskapitel ueber die Folgen des Weltkriegs nennt er verfrueht.
Ludwig Mises würdigt in diesem kurzen Nachruf den österreichischen Industriellen und Nationalökonomen Richard Lieben. Im Zentrum steht Liebens wissenschaftliches Hauptwerk, die gemeinsam mit seinem Schwager Rudolf Auspitz verfassten „Untersuchungen über die Theorie des Preises“ (vor dreißig Jahren erschienen), das mit analytischer Methode und graphischer Darstellung arbeitet und deshalb erst langsam Anerkennung fand. Mises ordnet Auspitz und Lieben nicht der österreichischen Schule zu, sondern stellt sie wegen ihrer mathematischen Methode neben Walras und Jevons. Daneben hebt er Liebens kleinere Schriften zu Währungsfragen hervor, seinen Einsatz für eine Sound-Money-Politik gegen inflationistische Lehren und seine Beiträge zur Valutaenquete von 1892. Der Text schließt mit dem Hinweis auf ein Augenleiden, das Lieben in seinen letzten Jahren die eigene Arbeit verwehrte.
Ludwig Mises antwortet auf einen Artikel des Finanzrates Dr. Franz Bartsch und verteidigt die These, dass die Entwertung der Krone durch die Inflation, also die Vermehrung der Noten, verursacht ist und nicht durch eine ungünstige Zahlungsbilanz. Bartsch vertritt nach Mises die Zahlungsbilanztheorie; einen vermittelnden Standpunkt zwischen beiden Lehren bestreitet Mises. Anhand mehrerer Beispiele aus Bartschs Text (Importrisiko, Exportzwang der Devisenzentrale, Käse- und Uhreneinfuhr) argumentiert er, dass die Devisenverordnungen ihren Zweck verfehlen und vom Geist des Merkantilismus geprägt sind. Auch die Notenpresse zur Versorgung der Bevölkerung weist er zurück: Inflation vermehrt den Gütervorrat nicht, sondern wirkt wie eine Steuer, die Einkommen und Vermögen der Inländer umverteilt. Wer die Währung sanieren wolle, müsse die Zahlungsbilanzlehre bekämpfen und die Inflation beenden.
Ludwig Mises analysiert in diesem 1919 im Neuen Wiener Tagblatt erschienenen Artikel die Schieflage der direkten Besteuerung zwischen Stadt und Land im Nachkriegsoesterreich. Seine zentrale These: Der laendliche Grundbesitz trage durch feste, von der Geldentwertung ausgehoehlte Ertragssteuersaetze faktisch immer weniger bei, waehrend die staedtisch-gewerbliche Bevoelkerung ueber die Besteuerung scheinbarer, inflationsbedingter Kriegsgewinne ausgepresst werde. Mises zeigt, wie die Buchhaltung bei sinkendem Geldwert reine Geldausdrucks-Veraenderungen als Gewinn ausweist, und kritisiert die Naturalaufbringung als finanztechnischen Rueckschritt. Er fordert, die Bodenrente als einzigen natuerlichen Reichtum des Landes zur Besteuerung heranzuziehen und die Waldbesteuerung dem Bestimmtheitsgrundsatz folgend zu inkamerieren. Der Text verbindet steuerpolitische Diagnose mit waehrungstheoretischer Argumentation.
Ludwig Mises plädiert in diesem kurzen wirtschaftspolitischen Artikel für die Wiedereinführung eines regelrechten börsenmässigen Termin- und Kassageschäfts in Valuten und Devisen sowie für die Aufhebung der Devisenzentrale in Wien. Ausgangspunkt ist die fortschreitende Entwertung der Krone: Importeure, die Waren auf Kredit aus dem Ausland beziehen und im Inland gegen Krone verkaufen, tragen ein kaum tragbares Valutarisiko, und ohne funktionierenden Terminmarkt fehlt ihnen die Möglichkeit, sich abzusichern. Mises argumentiert, dass die bestehenden Devisenbeschränkungen das Gegenteil ihres Zwecks bewirken und nur als Teil des Systems der Kriegs- und Übergangswirtschaft festgehalten werden. Er betont die gewachsene Bedeutung Wiens als Handelsplatz zwischen Ost und West und schliesst mit dem Hinweis, dass alle Massnahmen wirkungslos bleiben, solange die Inflation durch immer neue Noten fortgesetzt wird.
Ludwig Mises untersucht 1919, wie das Geldwesen Deutsch-Oesterreichs an das des Deutschen Reiches angeschlossen werden soll, falls der politische Anschluss zustande kommt. Seine zentrale These: Der politische Anschluss zieht den waehrungspolitischen zwingend nach sich, eine eigenstaendige Krone laesst sich neben einer gemeinsamen Politik nicht halten. Mises zeichnet zunaechst die Geschichte der oesterreichischen Waehrung nach (Wiener Muenzverein 1857, Valutaregulierung 1892, Kriegsinflation) und entwickelt dann zwei Wege zur Vereinheitlichung: die blosse Uebernahme der Markwaehrung durch eine eigene deutsch-oesterreichische Notenbank oder die volle Einbeziehung in die deutsche Reichsbank; das Modell zweier Kartellbanken verwirft er. Breiten Raum nehmen die staatsfinanzielle Vorbedingung (das Reich uebernimmt einen Teil der oesterreichischen Kriegsschuld) und die Festsetzung der Umrechnungsrelation zwischen Krone und Mark ein, die sich nach der Kaufkraft, nicht nach der Vorkriegsparitaet richten muesse. Mises schliesst, dass die Waehrungsgemeinschaft nur taugt, wenn beide Staaten auf jede weitere Inflation verzichten.
Ludwig Mises reagiert auf eine Kopenhagener Meldung, wonach die Sowjetregierung das Geld abgeschafft und durch befristete Zahlungsanweisungen der staatlichen Warenabgabestellen ersetzt habe. Er deutet den Schritt als weiteren, durch den Zwang der Verhaeltnisse erzwungenen Versuch, der galoppierenden Entwertung des Rubels zu begegnen, und zieht Parallelen zu den Assignaten der franzoesischen Revolution und zum Kontinentalgeld der Vereinigten Staaten. Im Kern argumentiert er, dass im rein sozialistischen Gemeinwesen, in dem die Produktionsmittel als res extra commercium keinen Geldpreis tragen, keine wirtschaftliche Kalkulation moeglich ist: ohne Wirtschaftsrechnung kein Wirtschaften, und weder Statistik noch Naturalrechnung noch Rechnung in Arbeitsstunden koennen diese Luecke schliessen. Der Text verweist auf Stourm als Geschichtsschreiber der revolutionaeren Finanzpolitik sowie auf Lenins Forderung nach buergerlicher Rechnungslegung und bezeichnet die Kalkulationsfrage als Haupt- und Grundproblem des Sozialismus.
Ludwig von Mises wuerdigt anlaesslich des achtzigsten Geburtstags Carl Mengers dessen Werk und Wirkung auf die Nationaloekonomie. Er zeichnet nach, wie die Wissenschaft um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts an einem toten Punkt stand und wie um 1871 Menger in Oesterreich, Jevons in England und Leon Walras in der Schweiz unabhaengig voneinander die Wertlehre auf den subjektiven Gebrauchswert der Gueter stellten. Mengers 'Grundsaetze der Volkswirtschaftslehre' werden als das Buch beschrieben, das die Disziplin umwaelzte und auf das alle spaetere Arbeit aufbaut. Der Text verweist auf die 'Untersuchungen ueber die Methode der Sozialwissenschaften' von 1883, auf Mengers Beitraege zum Waehrungsproblem und auf Wieser und Boehm-Bawerk als die weiteren Hauptvertreter der oesterreichischen Schule. Abschliessend ordnet Mises Mengers Lebenswerk einen unvergaenglichen Rang in der Geschichte der Sozialwissenschaften zu.
Mises kommentiert den dramatischen Verfall der mitteleuropäischen Valuten Ende Januar 1920 und führt die Kursstürze von Krone, Reichsmark und tschechischer Krone ausschließlich auf die fortgesetzte Inflationspolitik der am Krieg beteiligten Staaten zurück. Mit Verweis auf das nordamerikanische Kontinentalgeld von 1781 und die französischen Assignaten von 1796 warnt er, daß bei unveränderter Politik der Zusammenbruch der Währungen bis zum Nullpunkt unausweichlich werde, mit ungleich schwereren Folgen als damals, weil Mitteleuropa industrialisiert sei. Den scharfen Rückgang der Reichsmark erklärt er aus den Inflationslehren von Knapp und Bendixen sowie aus Bendixens Vorschlag, die deutschen Kriegsanleihen durch hundert Milliarden neuer Banknoten einzulösen, während die Erzbergerschen Steuergesetze die deutsche Industrie zugleich lähmten. Er verbindet die Währungsfrage mit der Gefahr eines bolschewistischen Umsturzes und fordert eine Revision der Verträge von Versailles und Saint-Germain. Für Deutschösterreich zieht er den Schluß, daß nur die sofortige Einstellung der Inflation den Staatsbankrott noch abwenden könne.
Ludwig von Mises argumentiert, dass eine sozialistische Wirtschaftsordnung, die das Sondereigentum an den Produktionsmitteln aufhebt, keine rationale Wirtschaftsrechnung mehr durchführen kann. Ohne Markt für Produktivgüter bilden sich keine Geldpreise für diese Güter, und ohne solche Preise lassen sich Aufwand und Ertrag konkurrierender Produktionswege nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Mises grenzt die Geldrechnung gegen subjektiven Gebrauchswert, Naturalrechnung und die Arbeitswerttheorie ab und zeigt, warum keine dieser Alternativen die Rechenfunktion des Geldes ersetzen kann. In Abschnitt IV verbindet er das Rechenproblem mit dem Fehlen unternehmerischer Verantwortung und Initiative im verstaatlichten Betrieb. Im fünften Abschnitt prüft er die zeitgenössischen marxistischen Programme von Otto Bauer und Lenin und hält ihnen vor, das Kernproblem der Wirtschaftsrechnung gar nicht zu sehen. Der Text schließt mit der Feststellung, dass rationelle Wirtschaft im sozialistischen Gemeinwesen unmöglich ist, was für sich genommen weder für noch gegen den Sozialismus entscheide.
Ludwig Mises untersucht in diesem 1921 in der „Neuen Freien Presse" erschienenen Aufsatz die Rechtsansprüche der Inhaber von Banknoten der Oesterreichisch-ungarischen Bank im Zuge ihrer Liquidation nach dem Staatsvertrag von Saint-Germain. Seine zentrale These: Die Kriegsnoten waren materiell Staatsnoten, nur formell durch die Bank ausgegeben, weshalb den Noteninhabern kein Anspruch über den Umtausch in das neue gesetzliche Zahlungsmittel zum jeweiligen Kurswert hinaus zusteht. Eine darüber hinausgehende Vergütung wäre ein unverhofftes Geschenk an gerade jene, die von der Geldentwertung profitiert haben, und würde die durch den Kursverfall Geschädigten nicht erreichen. Mises kritisiert besonders Punkt 9 des Artikels 206, der den präsentierenden Nachfolgestaaten ein gleiches Recht auf das gesamte Aktivum der Bank einräumt, als währungstheoretisch unbegründete Extrabonifikation, die zudem die Rechte der übrigen Gläubiger und der Aktionäre verletzt.
Ludwig Mises wendet sich in diesem kurzen wirtschaftspolitischen Aufsatz gegen den vom Wiener Magistrat ausgearbeiteten Entwurf einer Wiener Luxuswarenabgabe. Seine zentrale These: Eine solche Abgabe träfe vor allem die Wiener Luxus- und Finalindustrie, deren Absatz zu einem großen Teil über den Detailhandel an vorübergehend in Wien weilende Ausländer erfolgt. Anders als bei einer normalen Konsumsteuer ließe sich die Belastung nicht auf diese ausländischen Käufer überwälzen, da diese ihre Aufträge einfach der Konkurrenz im Ausland zuwenden könnten. Mises verweist auf das deutsche Umsatzsteuergesetz vom 24. Dezember 1919, das Ausfuhren ausnimmt, und auf die tschechoslowakische Luxusabgabe, die er als wirtschaftliche Kampfmaßnahme gegen Wien als Handelsstadt deutet. Da eine Steuerbefreiung für ausländische Käufer praktisch nicht durchführbar sei, erweise sich der ganze Gedanke der Abgabe für Wien als undurchführbar und gefährde Geschäftsleute, Angestellte und Arbeiter der Luxusbranche.
Ludwig von Mises entwirft in diesem kurzen Essay aus der österreichischen Inflationszeit ein wirtschaftspolitisches Programm zur Stabilisierung von Krone und Wiener Wirtschaft. Seine Grundthese: Die objektiven Voraussetzungen für eine Blüte Österreichs sind gegeben, doch die verfehlte Politik zehrt am Bestand früherer freier Wirtschaftsjahrzehnte. Die fortschreitende Entwertung der Krone führt er auf die Banknoteninflation zurück, die nur durch Beseitigung des Staatsdefizits zu stoppen sei, vor allem durch Privatisierung der öffentlichen Betriebe und Abbau der Lebensmittelaktion. In fünfzehn durchnummerierten Punkten fordert er Stabilisierung des Geldwerts statt Preisabbau, Freigabe des Valutahandels, Aufhebung aller Einfuhrverbote und Verkehrserschwerungen sowie Freihandel und Steuerbegünstigungen für industrielle Neuanlagen. Mises richtet das Programm an einen Politiker, der ihn darum ersucht hatte, und schließt skeptisch, dass kaum eine Partei zur Durchführung bereit sei, hofft aber, das Vernünftige werde sich durchsetzen.
Mises argumentiert gegen die verbreitete Forderung, die als Geldknappheit empfundene Lage durch weitere Notenausgabe zu lindern. Geldknappheit, verstanden als Steigen des kurzfristigen Zinssatzes, lasse sich nicht durch Vermehrung der Geldmenge beheben: eine groessere Geldmenge hebe nur Preise und Loehne, nicht aber senke sie den Zins. Im Gegenteil treibe die erwartete Geldentwertung die Zinsen hinauf, weil Glaeubiger eine Kaufkraftpraemie verlangen. Den Mangel an Noten im taeglichen Verkehr deutet Mises als Erscheinung weit fortgeschrittener Inflation, in der Panikkaeufe eine kuenftige Entwertung vorwegnehmen. Als einziges Mittel nennt er die Einstellung der Notenpresse; jede weitere Ausweitung des Umlaufs verschaerfe das Missverhaeltnis und drohe den Zusammenbruch des Geldsystems herbeizufuehren.
Ludwig von Mises bespricht die dritte Auflage von William F. Spaldings 'Eastern Exchange, Currency and Finance' (London 1920) und empfiehlt das Werk der deutschen Leserschaft. Anlass ist nach Mises ein verbreitetes Missverstehen des Gold Exchange Standard in der deutschen Währungsliteratur: Er wendet sich gegen Georg Friedrich Knapp und dessen Schüler, die die österreichisch-ungarische Goldkernwährungspolitik falsch deuteten und übersahen, dass diese der in Britisch-Indien befolgten Politik des Gold Exchange Standard entspricht, welche an Ricardos 'Proposals for an Economical and Secure Currency' (1816) anknüpft. Spaldings Darstellung der Währungsverhältnisse Indiens, Chinas, Japans und weiterer asiatischer Gebiete sei besonders wertvoll für die schwer zugängliche Kriegs- und Nachkriegszeit. Über das Geldwesen hinaus behandelt das Buch laut Mises auch Handelsorganisation und Zollwesen und tauge so als Handbuch für Ökonomen wie für den praktischen Kaufmann.
Ludwig Mises blickt in diesem Gedenkblatt auf die oesterreichische Waehrungsenquetekommission zurueck, die im Maerz 1892 in Wien unter Finanzminister Steinbach und Sektionschef Boehm-Bawerk tagte. Er schildert das damalige Problem: nicht fortschreitende Geldentwertung, sondern Geldwertsteigerung trieb zur Valutaregulierung, die Oesterreich-Ungarn eine an Ricardos Ideen orientierte Goldkernwaehrung (Gold Exchange Standard) brachte. Mises stellt die Lage von 1892 der Gegenwart gegenueber, in der zuerst das Budgetdefizit ohne Notenpresse gedeckt werden muesse, bevor das Waehrungsproblem loesbar sei. Er referiert die Debatte zwischen leichtem und schwerem Gulden und Benedikts Plaedoyer fuer den Momentkurs. Als zentrale Lehre haelt er fest, dass nicht die Ungunst der Zahlungsbilanz, sondern allein die Inflation der Wertbestaendigkeit des Geldes gefaehrlich wird.
Kurze Buchbesprechung Ludwig Mises' zu Hugo C. M. Wendels Studie "The Evolution of Industrial Freedom in Prussia, 1840-1849" (New York University Press, 1921). Mises charakterisiert die Arbeit als knappen, auf gedrucktem Material beruhenden Ueberblick ueber jenen Abschnitt der preussischen Gewerbegeschichte, der mit dem Sieg der zuenftlerischen Ideen in der Notverordnung vom 9. Februar 1849 endete. Er ordnet den Wert der Untersuchung nach Lesergruppen: dem deutschen Leser biete sie kaum Neues, dem amerikanischen dagegen einen Einblick in die ihm fremde Welt der gewerblichen Mittelstandspolitik. Als Schwaeche benennt er, dass die geistesgeschichtlichen Grundlagen der mittelalterlichen Wirtschaftsverfassung unberuecksichtigt bleiben. Die Rezension schliesst mit Ort (Wien) und Verfasserangabe und behandelt damit Gewerbefreiheit, Zunftwesen und Mittelstandspolitik im Preussen des Vormaerz.
Ludwig Mises untersucht in diesem 1923 abgeschlossenen Aufsatz die geldtheoretische Seite der Waehrungsstabilisierung, ausgehend von der Hyperinflation im Deutschen Reich und in Oesterreich nach dem Ersten Weltkrieg. Die zentrale These: fortschreitende Geldentwertung ist nie ein zwangslaeufiges Ergebnis der wirtschaftlichen Lage, sondern stets Folge inflationistischer Politik, naemlich der Deckung staatlicher Ausgaben durch Notenausgabe. Mises beschreibt den moeglichen Zusammenbruch einer Papierwaehrung, fordert als erste Reformbedingung die Stilllegung der Notenpresse und die Rueckkehr zum Golde und argumentiert gegen die Zahlungsbilanztheorie sowie gegen die Vorstellung, Devisenbewirtschaftung koenne den Verfall aufhalten. Er behandelt das Argument des bedingten Inflationismus, die Reparationszahlungen des Versailler Vertrags und entwirft Grundzuege einer neuen, an Gold gebundenen Geldverfassung. Stuetzend zieht er historische Faelle heran, die amerikanische continental currency (1781) und die franzoesischen Mandats territoriaux (1796). Abschliessend deutet er den Inflationismus als ideologisches Problem, verbunden mit Etatismus und Sozialismus.
Ludwig Mises bespricht Waldemar Mitscherlichs 'Der Nationalismus Westeuropas' (Leipzig 1920). Im Zentrum steht die Unterscheidung zwischen Nationalitaet, der Tatsache nationaler Verschiedenheit der Menschen, und Nationalismus, der Wirksamkeit bestimmter Ideologien, die dieser Verschiedenheit eine Bedeutung fuer das soziale Verhalten beilegen. Mises argumentiert, dass die Vernachlaessigung dieser Unterscheidung dazu gefuehrt habe, das Kriterium der Nation anderswo als in der Sprachgemeinschaft zu suchen, und verweist auf Arndt, Jakob Grimm und Wilhelm Scherer. Mitscherlichs Werk wuerdigt er als vor allem geschichtlich orientierten Versuch, das Werden des westeuropaeischen Nationalismus genetisch zu erklaeren, kritisiert aber die Vernachlaessigung des oekonomischen Problems, besonders der Verbindung von Nationalismus und Protektionismus, und das daraus folgende Ideal einer autarken Unionwirtschaft.
Ludwig Mises bespricht in diesem kurzen Zeitungsartikel das Buch „Der Selbstmord eines Volkes, Wirtschaft in Österreich“ von Siegfried Strakosch und nimmt es zum Anlass einer eigenen Diagnose der österreichischen Wirtschaftslage. Seine zentrale These: Das Grundübel sei die faktische Herrschaft der sozialistischen Ideen und der Sozialdemokratie, die eine Sanierung des Staatshaushalts verhindere, solange Staatsbetriebe nicht abgestossen und der Achtstundentag nicht angetastet würden. Mises argumentiert, die sozialistische Finanzpolitik laufe auf Verzehr und Zerstörung von Produktivkapital hinaus, und zieht eine historische Parallele zur Finanzpolitik der Jakobiner, die er ueber ein laengeres Stourm-Zitat als reine Ausbeutung der Gegenwart auf Kosten der Zukunft schildert. Der Text schliesst mit Strakoschs Mahnung zur vollständigen Umkehr.
Ludwig Mises wuerdigt in diesem kurzen Essay die politische Wirksamkeit Wilhelm Rosenbergs, eines Volkswirts und Juristen, dessen Bedeutung Mises in seinem Eintreten fuer ein oesterreichisches Selbsthilfeprogramm nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie sieht. Mises schildert die Lage des nach Saint-Germain als nicht lebensfaehig geltenden Staates, der seine Hoffnung allein auf den verbotenen Anschluss an Deutschland und auf Auslandkredite setzte, waehrend innenpolitische Reformen unterblieben. Vor dem drohenden Waehrungszusammenbruch im Herbst 1921 trat Rosenberg, ein Schueler Carl Mengers und Gegner des Inflationismus, als Privatmann neben Finanzminister Guertler. Sein Programm verlangte den Abbau der Lebensmittelzuschuesse, das Ende der Notenpresse und die Beseitigung des Budgetdefizits, bevor Kredite sinnvoll seien. Mises stellt diesen Erfolg gegen die feindselige Aufnahme bei den zeitgenoessischen 'Sanierungsgegnern' und schliesst mit einem persoenlichen Nachruf auf Rosenberg als Fuehrer des wirtschaftlichen Wiederaufbaus.
Ludwig Mises würdigt in diesem Nachruf zum zehnten Todestag Eugen von Böhm-Bawerk als Gelehrten, Lehrer und Staatsmann. Er zeichnet dessen wissenschaftlichen Werdegang nach: vom frühen Referat über den Kapitalzins 1876 über die Vorarbeiten der 1880er Jahre bis zur „Positiven Theorie des Kapitals“ von 1889, dem Hauptwerk der Zinslehre. Mises betont die internationale Anerkennung der Lehre Böhm-Bawerks und das lange ausbleibende Verständnis im Deutschen Reich gegenüber der „österreichischen Schule“. Anlass des Textes ist eine von Franz X. Weiß herausgegebene Sammlung der kleinen Schriften Böhm-Bawerks (1924). Ausführlich zitiert Mises Böhms späte Äußerungen zur passiven Handelsbilanz und zur Sparsamkeit der öffentlichen Haushalte, die er als hellsichtige Diagnose der österreichischen Staatsfinanzen liest.
Der Vortrag verteidigt die Goldwährung gegen Vorschläge, sie durch ein staatlich gelenktes oder auf Indexzahlen gestütztes Geldwesen zu ersetzen. Mises betrachtet die Inflations- und die Deflationspolitik der Nachkriegsjahre als praktisch wie theoretisch widerlegt und sieht den entscheidenden Vorzug des Goldes darin, daß seine Wertbewegung von Regierungseingriffen unabhängig bleibt. Den Kern der Argumentation bildet die Kritik am Indexzahlensystem: die Auswahl und Gewichtung der Waren, die Wahl des Mittelwertes und die ständige Verschiebung des Konsums machten eine exakte Messung des Geldwertes unmöglich. Daran anschließend erörtert er die Goldkernwährung mit Devisendeckung sowie die Pläne von Keynes und Irving Fisher und weist beide zurück. Das Ergebnis: die Wahl bestehe nur zwischen Goldwährung und manipulierter Währung, und das Gold sei zwar keine ideale, unter den gegebenen Verhältnissen aber die bestmögliche Lösung, deren Wiedereinführung internationale Vereinbarungen erfordere.
Ludwig Mises bespricht die sechste Auflage von Karl Helfferichs Standardwerk "Das Geld" (1903 erstmals erschienen). Mises wuerdigt Helfferich als geldtheoretischen und waehrungspolitischen Nachfolger Ludwig Bambergers, der die deutsche Goldwaehrung gegen Bimetallisten und Inflationisten verteidigt habe. Den entscheidenden Bruch verortet er bereits zwischen erster und zweiter Auflage: Helfferich sei dem Bann von Georg Friedrich Knapps staatlicher Geldtheorie verfallen und habe in einem fuer Mises unhaltbaren Eklektizismus Bamberger und Knapp zu vereinen gesucht. Als zweiten Mangel nennt er die vollstaendige Ausserachtlassung der auslaendischen wie der deutschen geldtheoretischen Literatur. Den bleibenden Wert des Buches sieht Mises in seinen geldgeschichtlichen und statistischen Ausfuehrungen, waehrend es in theoretischer Hinsicht nicht befriedige.
Ludwig Mises behandelt in diesem Vortrag von 1924 die Frage, ob die Goldwaehrung als Grundlage des internationalen Geldwesens beibehalten oder durch ein staatlich gelenktes Papiergeldsystem ersetzt werden soll. Nach einer Abrechnung mit Inflations- und Deflationspolitik der Nachkriegsjahre verteidigt er das Gold als Schutz gegen Regierungseingriffe in die Geldwertgestaltung. Den Kern bildet eine Kritik der Indexzahlwaehrung: Mises zeigt an praktischen und prinzipiellen Schwierigkeiten der Preisindex-Berechnung (Warenauswahl, Gewichtung, Wahl des Mittelwerts), dass kein Index den Geldwert eindeutig messen kann. Er setzt sich mit den Reformplaenen von Keynes und Irving Fisher auseinander und mit der Goldkernwaehrung, bei der die Reserve in Golddevisen statt in effektivem Gold gehalten wird. Sein Fazit: Die Goldwaehrung ist nicht ideal, aber unter den gegebenen Verhaeltnissen die bestmoegliche, weil die Alternative dauernde Interessentenkaempfe um den Geldwert bedeutet.
Ludwig Mises bespricht Gustav Seibts Gelegenheitsschrift 'Deutschlands kranke Wirtschaft und ihre Wiederherstellung' (Bonn 1923), die der Bonner Statistik-Professor zum 1. Dezember 1922 vorgelegt hatte. Mises würdigt, dass die Schrift den landläufigen Irrlehren der zeitgenössischen Wirtschaftspolitik entschieden entgegentritt: Seibt baut auf geldtheoretischen Ausführungen auf, entwickelt die Quantitätstheorie und verwirft die Zahlungsbilanztheorie der Devisenkurse, um darauf die Kritik an den herrschenden Anschauungen über Ausverkauf, Kapitalsverzehrung, Unterproduktion, Mieterschutz, Steuerpolitik und Reparationen zu gründen. Das Reformprogramm gipfelt in den Forderungen 'Stillegung der Notenpresse' und 'Zurück zur freien Wirtschaft'. Mises hält fest, dass Seibts Warnung vor dem Zusammenbruch des deutschen Geldwesens sich bewahrheitet hat, dass man ihn jedoch ebensowenig gehört habe wie andere Mahner, und empfiehlt die Schrift als klare, allgemein verständliche Einführung in die theoretischen Probleme der deutschen Wirtschaftspolitik.
Ludwig von Mises sammelt in diesem Band von 1929 fuenf Abhandlungen zur Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsideologie der Gegenwart, ergaenzt um den Aufsatz "Verstaatlichung des Kredits?". Die Leitthese: zwischen einer auf Sondereigentum an den Produktionsmitteln beruhenden und einer auf Gemeineigentum beruhenden Ordnung gibt es keine dauerhaft tragfaehige dritte Form. Der Interventionismus, der das Sondereigentum durch obrigkeitliche Eingriffe nur regulieren statt aufheben will, sei in sich widerspruechlich: isolierte Eingriffe wie Preistaxen oder Mindestloehne verfehlten ihren Zweck und zwaengen den Staat schrittweise zur vollen Vergesellschaftung. Mises argumentiert nationaloekonomisch und setzt sich kritisch mit Kathedersozialismus, historischer Schule (Schmoller, Brentano, Herkner), mit J. M. Clark sowie mit Sombarts Verhaeltnis zum Marxismus auseinander. Der angehaengte Aufsatz prueft Deumers Vorschlag eines staatlichen Kreditmonopols und dessen buerokratische Folgen.
Ludwig Mises liefert ein Geleitwort zu Fritz Machlups Monographie ueber die Goldkernwaehrung (gold exchange standard) und umreisst dabei zugleich den Gegenstand des Buches. Er zeichnet nach, wie sich aus der deutschen Muenzreform von 1871 bis 1873 ueber die indische Waehrungsreform der 1890er Jahre eine Goldwaehrung ohne effektiven Goldumlauf herausbildete, deren gedanklicher Ursprung bei Ricardos Schrift von 1816 liegt. Mises beschreibt die Vorteile dieser Verfassung (geringerer Goldbedarf, zinstragende Devisenreserven) und ihren kritischen Punkt: nicht alle Laender koennen ihre Reserve zugleich in Golddevisen halten. Er ordnet die Frage in die Nachkriegsdebatte ein, grenzt sich von Vorschlaegen Irving Fishers und Keynes' ab und wuerdigt Machlups dogmengeschichtliche und systematische Darstellung samt der erstmaligen deutschen Uebersetzung des Ricardoschen Waehrungsplanes im Anhang.
Ludwig Mises verteidigt in diesem Aufsatz der Reihe „Der Volkswirt" die Goldwährung gegen zeitgenössische Vorschläge einer staatlich gesteuerten Geldordnung. Sein zentrales Argument: Der Vorzug des Goldes liegt nicht in einem vermeintlichen Wert „an sich", sondern darin, dass Vermehrung und Verminderung der Goldmenge politischen Einflüssen entzogen sind und unter dem Gesetz der Rentabilität des Bergbaues stehen. Gegen die von Keynes, Josiah Stamp und Irving Fisher vertretenen Pläne einer auf Indexzahlen gestützten Währung wendet er zwei Einwände: Kaufkraftveränderungen lassen sich nicht eindeutig messen, und die Wirkung einer Geldmengenänderung auf die Preise ist nicht proportional und nicht vorhersehbar. Ein indexgebundenes Geld würde die Geldwertgestaltung zum Gegenstand politischer Kämpfe machen. Mises führt den Preisanstieg der vorangegangenen Jahrzehnte weniger auf die Goldförderung zurück als auf die bewusste Vermehrung ungedeckter Umlaufmittel.
Die stenographische Niederschrift versammelt Ludwig von Mises' Diskussionsbeiträge bei der Stuttgarter Tagung des Vereins für Sozialpolitik (1924) zur theoretischen und ökonomisch-technischen Seite des Währungsproblems. Mises hält der skeptischen Auffassung, Theorie bleibe folgenlos, entgegen, daß gerade die staatliche Geldtheorie und die Ablehnung der Quantitätstheorie die Inflationspolitik der Kriegs- und Nachkriegsjahre ermöglicht hätten. Er deutet die Stabilisierung als Übergang zur Gold- beziehungsweise Dollarkernwährung, weist die Sorge vor einer durch Anleihezuflüsse importierten Inflation zurück und warnt davor, die effektive Noteneinlösung durch banktechnische Kunstgriffe oder Devisenverordnungen zu unterhöhlen. Dogmenhistorisch hält er fest, die Gegnerschaft gegen die Quantitätstheorie sei nicht deutschen Ursprungs, sondern mit der Banking-Theorie nach Deutschland importiert worden. In den Repliken setzt er sich mit Bortkiewicz, Spitzmüller und Bernhard auseinander und beschreibt seinen eigenen Einfluß auf die österreichische Währungspolitik als auf literarische Arbeit und Vorträge beschränkt.
Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart. Erfolgreiche Mittel der Geschaefts-Personen und Ideenreklame aus allen Zeiten und Laendern [mit Erwin Paneth]
Ludwig Mises bespricht die mehrbändige Sammlung 'Papers relating to Political Economy', in der F. Y. Edgeworth seine über Jahrzehnte verstreut im Economic Journal erschienenen Abhandlungen und Kritiken erstmals gebündelt vorlegt. Mises ordnet Edgeworth als einen der führenden englischen Nationalökonomen der Jahrhundertwende ein und referiert den Aufbau der drei Bände: Wert und Verteilung, Monopol- und Geldtheorie, internationaler Handel, Besteuerung, mathematische Nationalökonomie sowie Buchbesprechungen. Im Zentrum steht Edgeworths zurückhaltende Bewertung der mathematischen Methode, die Mises ausdrücklich teilt und mit zwei englischen Originalzitaten belegt. Er hält fest, dass ein beträchtlicher Teil der Arbeiten beim Erscheinen Neues brachte, heute aber überholt ist, und würdigt Edgeworth vor allem als kritischen Kopf, dem das Aufspüren von Problemen mehr liege als deren Lösung.
Das Vorwort von Ludwig von Mises (Wien, 5. Jaenner 1926) leitet Siegfried Strakoschs Kritik am neuen Agrarprogramm der oesterreichischen Sozialdemokratie ein. Mises deutet dieses Programm als Versuch, einen grossen Teil der Land- und Forstwirtschaft in einen Zuschussbetrieb umzuwandeln: Enteignung und Verstaatlichung von Grossgrundbesitz und Forsten, obwohl die Bundesbetriebe nach seiner Darstellung durchweg mit Defiziten arbeiten. Er argumentiert, das Programm verspreche der laendlichen Waehlerschaft Aufwendungen aus oeffentlichen Mitteln, ohne deren Finanzierung zu benennen, und ziele allein auf Stimmengewinn. Strakosch, von Mises als erfolgreicher Landwirt sowie als Naturforscher und volkswirtschaftlicher Schriftsteller vorgestellt, pruefe das Programm im Einzelnen. Mises hofft, dessen sachliche Darlegung oeffne den Lesern die Augen ueber die Gefahr einer Durchfuehrung.
Rezension zu: Rüdiger von der Goltz, Die Theorie der Wechselkurse in Deutschland während der Jahre 1914 bis 1922 verglichen mit Goschens Theorie von 1854
Wiedergabe eines Vortrags von Ludwig von Mises vom 17. Dezember 1926 vor dem Hauptverband der Industrie Oesterreichs. Mises argumentiert, dass Europa von den Vereinigten Staaten weder politisch noch wirtschaftspolitisch die Loesung seiner Nachkriegsprobleme erwarten duerfe. Er zeichnet den Wandel der USA vom Kapitalimporteur zum groessten Weltglaeubiger nach dem Weltkrieg nach und belegt ihn mit Zahlen der amerikanischen Zahlungs- und Handelsbilanz fuer die Jahre 1925 und 1926. Den inneren Widerspruch sieht er im Hochschutzzoll: Als Glaeubigerland koennten die USA die Zinsen ihrer Schuldner nur ueber Warenimporte hereinbekommen, waehrend die Zollpolitik ebendiese Importe fernhalte. Mises schliesst, dass die USA zwar Kapital, aber nicht die politischen und ideologischen Grundlagen des Wiederaufbaus liefern koennten, diese muessten von Europa selbst ausgehen.
Ludwig von Mises rezensiert den ersten, englisch-deutschen Teil von Hereward T. Prices »Volkswirtschaftliches Wörterbuch« (Springer, 1926). Er begrüßt das Vorhaben als Antwort auf ein länger empfundenes Bedürfnis, kritisiert die Ausführung aber scharf. Bemängelt werden sowohl Lücken (etwa Behaviorism, Institutionalism, Birmingham Currency School) als auch überflüssige Alltagsbegriffe und vor allem ungenaue oder falsche Erklärungen von Fachausdrücken. An Beispielen wie hoard, acquisitive society, Banking Principle, residual claimant und invisible imports zeigt Mises, wie die Einträge präziser hätten gefasst werden müssen, und verweist auf einschlägige Literatur und seine eigene Übersetzung in »Die Gemeinwirtschaft«. Trotz der Einwände hält er das Buch bereits in der vorliegenden Form für einen brauchbaren Behelf und erwartet Verbesserungen in künftigen Auflagen.
Ludwig von Mises bespricht John Maynard Keynes' 1926 als Berliner Vortrag gehaltene Schrift "Das Ende des Laissez-Faire". Keynes kritisiert Liberalismus und Kapitalismus, verwirft das freie Sondereigentum an den Produktionsmitteln, lehnt aber zugleich den Sozialismus ab und empfiehlt als Mittelweg ein durch gesellschaftliche Kontrolle reguliertes Sondereigentum, ausgeuebt durch halbautonome Koerperschaften im Rahmen des Staates. Mises haelt diesen Vorschlag fuer nichts Neues, sondern fuer das laengst gaengige Programm der offiziellen Wissenschaft. Sein Haupteinwand richtet sich gegen den Titel: Keynes spreche nur vom "Laissez faire", verschweige aber das "laissez passer", also die Freizuegigkeit von Menschen und Guetern. Gerade weil die Welt seit Jahrzehnten nicht mehr nach dieser Maxime regiert werde, sieht Mises Krieg, Massenelend und Diktatur als Folgen des herrschenden Antiliberalismus, nicht des Liberalismus.
Ludwig von Mises bespricht die von Robert Michels und Ernst Ackermann herausgegebenen "Neuen Briefe ueber Grundrente, Rentenprinzip und soziale Frage an Schumacher" von Carl Rodbertus-Jagetzow (Karlsruhe 1926, Verlag G. Braun), erster Band der "Bibliothek der Soziologie und Politik". Die von Theophil Kozak gesammelten Briefe behandeln laut Mises das landwirtschaftliche Kreditwesen, das Rentenprinzip sowie die soziale Frage und weitere politische und nationaloekonomische Themen; ueberliefert sind nur die Briefe Rodbertus', nicht die Schumachers. Mises hebt den rund 150 Seiten starken Anhang mit teils ungedruckten Belegstuecken und besonders die Einleitung Michels' ("Rodbertus und sein Kreis") hervor, die das aeltere Werk Dietzels ueber Rodbertus ablöse. Er wertet die Ausgabe als interessanten Beitrag sowohl zu Rodbertus' Lehren als auch zur deutschen Geschichte nach der Reichsgruendung.
Ludwig von Mises bespricht Eduard Heimanns Schrift "Die sittliche Idee des Klassenkampfes und die Entartung des Kapitalismus" (Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Reihe "Schriften zur Zeit", 1926). Mises unterscheidet zwei Teile des Buches: Im ersten begruende Heimann aus marxistisch und religioes gefaerbter Sicht den Klassenkampf als sittlichen Wert, was Mises als utilitaristische und mit dem Evangelium schwer vereinbare Beweisfuehrung kritisiert. Den zweiten Teil, der den Kapitalismus wegen Inflation, Zoellen und Kartellen verwirft, nimmt Mises als oekonomisch relevant ernst. Er widerspricht Heimanns Schuldzuweisung an die Unternehmer und deutet die beklagten Missstaende stattdessen als notwendige Folgen einer von allen Schichten getragenen interventionistischen Politik. Die Rezension verortet Heimanns Diagnose damit im Rahmen der kathedersozialistischen und protektionistischen Tradition, die Mises ablehnt.
Ludwig von Mises ordnet in diesem kurzen programmatischen Text die Geldtheorie in die Entwicklung der theoretischen Nationaloekonomie ein. Er teilt deren Geschichte in eine klassische, objektivistische Periode (Hume, Smith, Ricardo, Malthus, Say) und die seit etwa 1870 wirkende subjektivistische Richtung (Gossen, Menger, Walras, Jevons). Seine zentrale These: Die subjektivistische Schule habe ihre Wertlehre lange nicht auf das Geld angewandt, dies aber in den zwei Jahrzehnten vor Abfassung nachgeholt, indem sie ueber die blosse Quantitaetstheorie hinaus die Bildung des urspruenglichen Geldwertes mit dem Grenznutzenprinzip erklaerte. Daran schliesst er die Banktheorie in der Nachfolge Wicksells und die Konjunkturtheorie an. Mises betont die Kontinuitaet zur klassischen Lehre, verweist auf seine "Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel" und auf die Bedeutung der Erkenntnis, dass Wirtschaftsrechnung nur als Geldrechnung moeglich ist.
Ludwig von Mises beschreibt 1928 den Stand von Waehrung und Staatsfinanzen der Republik Oesterreich. Ausgangspunkt ist die 1922 von Bundeskanzler Seipel eingeleitete Sanierung: Verzicht auf die Notenpresse, Ausgleich des Staatshaushalts und Festlegung des Goldwertes der Krone, abgesetzt gegen die Inflationspolitik der Nachkriegsjahre unter Renner. Mises schildert die gelungene Stabilisierung, die Einfuehrung von Schilling und Groschen 1924 und die an das Bankgesetz gebundene Emissionspolitik der Oesterreichischen Nationalbank. Anhand des Bundesvoranschlags 1928 analysiert er Steuerertraege, Monopole und die defizitaeren oeffentlichen Unternehmungen, vor allem Bundesbahnen, Post und Forste. Den groessten Reformbedarf sieht er bei den kostspieligen Laender- und Gemeindeverwaltungen und der kommunalsozialistischen Politik Wiens. Sein Fazit: die Stabilisierung ist geglueckt, die kuenftige Aufgabe ist produktionspolitisch, vor allem der Abbau der direkten Steuern.
Der Band versammelt sechs wirtschaftspolitische Abhandlungen von Ludwig von Mises, die 1929 unter dem Titel "Kritik des Interventionismus" bei Gustav Fischer erschienen; die Neuauflage von 1976 fügt eine Einführung von F. A. Hayek und den Aufsatz "Verstaatlichung des Kredits?" hinzu. Mises argumentiert, dass es zwischen Sondereigentum und Gemeineigentum an den Produktionsmitteln keinen dauerhaften dritten Weg gibt: der isolierte staatliche Eingriff in Preise, Löhne und Produktion verfehle stets das von seinen Urhebern verfolgte Ziel und treibe folgerichtig entweder zur Aufhebung der Eingriffe oder zum Sozialismus. Die Texte setzen sich kritisch mit der deutschen historischen Schule, dem Kathedersozialismus (Schmoller, Brentano), der Lohntheorie der Gewerkschaften, mit Sombart sowie mit Schmalenbachs These der "gebundenen Wirtschaft" auseinander. Die abschließenden Stücke behandeln die Theorie der Preistaxen und die Verstaatlichung des Kreditwesens.
Ludwig von Mises bespricht den ersten Band von Ernst Grünfelds „Handbuch des Genossenschaftswesens" (1928), der den volkswirtschaftlichen und soziologischen Fragen gewidmet ist. Mises hält fest, dass die einst hochgesteckten wirtschaftspolitischen Erwartungen an Konsum-, Produktiv- und landwirtschaftliche Genossenschaften, den Kapitalismus zu überwinden, sich nicht erfüllt haben, der Genossenschaft als Unternehmensform aber ein bleibendes Betätigungsfeld zugewachsen sei. Im Zentrum seiner Besprechung steht der soziologische Abschnitt (Seiten 42 bis 49): Mises bemängelt, dass Grünfeld die Rolle der Genossenschaften im Dienste politischer, religiöser, kultureller und nationaler Ideen ausspare, obwohl gerade diese außerwirtschaftliche Funktion das Genossenschaftswesen zu einer einheitlichen Erscheinung mache. Insgesamt würdigt er das Werk als vortreffliche Leistung.
Ludwig Mises gibt in diesem Zeitungsartikel von 1929 einen knappen Überblick über das Werk der von Carl Menger begründeten Österreichischen Schule der Nationalökonomie, verfasst zur Enthüllung des Menger-Denkmals an der Wiener Universität. Mises zeichnet den Weg von den Klassikern (Hume, Smith, Ricardo) über den Methodenstreit gegen die deutsche historische Schule bis zu Mengers Lösung der Wertantinomie durch die Grenznutzenlehre nach. Er erläutert die subjektive Wertlehre, die Zurechnung der Preise höherer Güter auf die Konsumentenbewertung und nennt Mitstreiter und Nachfolger: Böhm-Bawerk, Wieser, Jevons, Walras, Gossen, Clark. Der Schlussteil deutet die Krisen- und Inflationserfahrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre als Bestätigung der von der historischen Schule verschmähten Theorie und sieht das Werk Mengers zur Grundlage der modernen Nationalökonomie geworden.
Mises stellt den Interventionismus als drittes Wirtschaftssystem zwischen Kapitalismus und Sozialismus dar und argumentiert, dass es als eigenständiges, dauerhaftes System nicht bestehen kann. Sein Mittel ist der isolierte obrigkeitliche Eingriff, ein einzelner Befehl, der die Verwendung der Produktionsmittel gegen die Marktlage erzwingt, ohne die gesamte Produktion sozialistisch zu lenken. Am Beispiel des gesetzlichen Höchstpreises führt Mises vor, wie ein solcher Eingriff sein eigenes Ziel verfehlt: Der Preis unter dem Marktpreis lässt die Ware vom Markt verschwinden und zwingt die Obrigkeit zu immer weiteren Eingriffen, von Verkaufszwang über Rationierung bis zur Festsetzung aller Preise und Löhne. Daraus folgt für ihn die Alternative entweder Kapitalismus oder Sozialismus, ein Mittelding gebe es nicht. Der Schluss begründet, warum der Liberalismus die Eingriffe nicht aus Staatsfeindschaft, sondern aus Einsicht in ihre Zweckwidrigkeit ablehnt.
Die menschliche Gesellschaft in ihren ethno-soziologischen Grundlagen, Band 2: Werden, Wandel und Gestaltung von Familie, Verwandtschaft und Bünden im Lichte der Völkerforschung
Ludwig von Mises analysiert 1931 die bankpolitischen Lehren der damaligen Bankenkrisis und macht die enge Verflechtung der deutschen und oesterreichischen Banken mit der Industrie als zentrale Schwaeche aus. Anders als englische und amerikanische Banken, die als reine Bankiers fremde Gelder verliehen, seien die deutschen Banken zu Industriekonzernen geworden, womit die kritische Pruefung der Kreditwuerdigkeit als Regulator des Geldmarktes weggefallen sei. Mises fordert als dringendste Reform die Loesung der Bank-Konzern-Verbindung, eine staerkere Differenzierung der Zinssaetze nach Fristigkeit, die langfristige Anlage von Spareinlagen zur Minderung der Run-Gefahr und mehr Transparenz in den Bankausweisen. Die Geheimniskraemerei der Banken habe sich als besonders schaedlich erwiesen; oeffentliche Kontrolle sei fuer die Sicherheit eines Instituts unentbehrlich. Der Text liest sich als wirtschaftspolitischer Kommentar zur akuten Krise dreier in Wien und Berlin gescheiterter Grossbanken.
Ludwig Mises verteidigt in diesem Zeitungsartikel von 1931 die Goldwährung gegen ihre Gegner. Seine zentrale These: Die Goldwährung entzieht die Kaufkraft der Geldeinheit dem Zugriff wechselnder geldpolitischer Auffassungen und sichert stabile Valuten- und Devisenkurse. Mises arbeitet die Einwände der Goldwährungs-Gegner nacheinander ab: den Vorwurf zu starker Preissteigerung (Irving Fisher), den Wunsch nach Inflation, die behauptete Verteuerung des Zinsfußes und das Argument der ungünstigen Zahlungsbilanz. Er führt jeden Einwand auf den Versuch zurück, den Zinsfuß durch Krediterweiterung künstlich zu senken, was über einen Scheinaufschwung zwangsläufig in Krise und Währungszusammenbruch münde. Die Konzentration des Goldes in den USA und Frankreich deutet er als Folge dieser Politik anderer Länder. Sein Fazit: Die Politik hat nur die Wahl zwischen Goldwährung und Inflation; auch das ärmste Land kann und muss am Gold festhalten, weil erst dieses die Heranziehung ausländischen Kapitals ermöglicht.
Mises argumentiert gegen die Deutung, die schwere Wirtschaftskrise beweise das Versagen des Kapitalismus. Nicht das kapitalistische System habe versagt, sondern die antikapitalistische Politik aus Interventionismus, Etatismus und Sozialismus. Den Markt versteht er als Regulator der Produktion: durch Waren-, Lohn- und Zinspreise bringt er Angebot und Nachfrage zur Deckung. Staatliche Eingriffe wie Zoelle, Kartelle, gewerkschaftlich ueberhoehte Loehne und Arbeitslosenunterstuetzung unterbinden diese Funktion und erzeugen Dauerarbeitslosigkeit, Unverkaeuflichkeit und Kapitalaufzehrung. Der Text deutet Begriffe wie Unverkaeuflichkeit und Arbeitslosigkeit als Preiserscheinungen um. Als Beleg fuer den Vormarsch dieser Politik nennt Mises Sidney Webb und die Kathedersozialisten. Sein Schluss: nur mehr Arbeit und neue Kapitalbildung, also die Abkehr von der seit Jahrzehnten herrschenden antikapitalistischen Politik, fuehren aus der Krise.
Die menschliche Gesellschaft in ihren ethno-soziologischen Grundlagen, Band 3: Werden, Wandel und Gestaltung der Wirtschaft im Lichte der Völkerforschung
Ludwig Mises bespricht in diesem kurzen Text die 1931/32 unter Federführung von Sir William Beveridge an der London School of Economics entstandene Kampfschrift gegen die britischen Schutzzölle, die als deutsche Ausgabe unter dem Titel "Zölle, Lehrbuch des internationalen Handels" (übertragen von Friedrich Thalmann, Verlag Julius Springer) erschien. Anlass ist Großbritanniens Abkehr von der liberalen Wirtschaftspolitik und der Übergang zum Protektionismus. Mises referiert, wie die Autoren sämtliche Argumente der Schutzzöllner prüfen und widerlegen und dabei bis zu den Ursachen der Weltwirtschaftskrise vordringen. Im Zentrum steht die These, dass jeder Eingriff in den Markt- und Preismechanismus die auf Sondereigentum an den Produktionsmitteln beruhende Wirtschaftsordnung stört, weil nur Preisveränderungen Angebot und Nachfrage anpassen. Die Starrheit von Geldlöhnen und Zinssätzen, so Mises, habe die Anpassung verhindert und münde über Protektionismus und Inflation schließlich im Ruf nach Planwirtschaft.
Der Aufsatz wendet sich gegen die nach der Weltwirtschaftskrise verbreitete These, der Kapitalismus habe versagt und der Uebergang zum Sozialismus sei unausweichlich. Mises haelt dem entgegen, dass nicht der Kapitalismus, sondern der Interventionismus und der Staats- und Kommunalsozialismus gescheitert seien: die Krise sei die voraussehbare Folge einer seit Jahrzehnten antikapitalistischen und antiliberalen Politik. Argumentiert wird in drei Abschnitten, ausgehend von der Entdeckung der Marktgesetze durch die Gesellschaftswissenschaft (Hume, Adam Smith) ueber die Wirkung staatlicher Eingriffe bis zur Lage des Unternehmers im interventionistischen Staat, in dem "Beziehungen" zur Politik wichtiger werden als guenstige Produktion. Mises grenzt die liberale Lehre gegen Marxismus und Interventionismus ab und schliesst, die Funktionsstoerung des Marktes durch Preis-, Lohn- und Zinseingriffe fuehre zwangslaeufig zur Krise.
Ludwig von Mises argumentiert, dass das Geld kein Sonderfall ausserhalb der allgemeinen Wert- und Preislehre ist, sondern sich vollstaendig in sie einfuegt. Ausgangspunkt ist die von Knies vorgeschlagene Dreiteilung der wirtschaftlichen Gueter in Produktions-, Genuss- und Tauschmittel. Der Text wendet sich gegen die Auffassung, der Geldwert sei „imaginaer“ oder bloss konventionell, und fuehrt die subjektivistische Wertlehre bis auf John Law zurueck. In fuenf Abschnitten behandelt Mises den wertbildenden Gelddienst, das Verhaeltnis von Geldvorrat und Geldbedarf samt Kritik am Begriff der Umlaufsgeschwindigkeit, die Geldwertveraenderungen und die Quantitaetstheorie, das Geldsurrogat (Geldzertifikat gegen Umlaufsmittel) sowie die Geldrechnung und das Scheinproblem der „Wertstabilitaet“. Durchgehend stellt er die individualistische Marktbetrachtung der von ihm kritisierten gesamtwirtschaftlichen Verkehrsgleichung gegenueber.
Ludwig von Mises untersucht, ob die theoretische Einsicht in die Ursachen des Konjunkturwechsels künftig zu geringeren Schwankungen führt, und verneint das mit einem wirtschaftspolitischen, nicht theoretischen Argument. Ausgangspunkt ist die von ihm als herrschend bezeichnete Zirkulationskredittheorie, der zufolge die den Aufschwung auslösende Kreditausweitung stets vom Wunsch nach billigem Geld getragen ist. Mises argumentiert, dass eine bloß angekündigt befristete Krediterweiterung folgenlos bleiben muss, weil Unternehmer sich nur bei dauerhaft erwarteten niedrigen Zinsen auf neue Geschäfte einlassen. Er führt die Dauer der gegenwärtigen Krise auf starre Löhne und Preisstützungen zurück und mahnt, die Lehren der älteren Currency-Schule nicht zu unterschätzen. Als ungelöstes Problem benennt er die Wirkungen sinkender Preise und die Frage, ob Fortschritt und Kapitalbildung nur auf inflatorischem Wege möglich seien.
Mises skizziert die Entstehung und Reichweite der österreichischen Schule der Nationalökonomie und stellt sie in den Zusammenhang der wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn. Ausgangspunkt ist die klassische Nationalökonomie von Hume, Smith und Ricardo, die das Problem der Preisbildung nicht lösen konnte, weil ihr die Wertparadoxie zwischen nützlichen und teuren Gütern widerstand. Carl Menger habe diese Antinomie mit dem Grenznutzen überwunden: bewertet wird nicht die Gütergattung, sondern die konkrete Teilquantität nach der zuletzt befriedigten Bedürfnisregung. Aus den subjektiven Wertschätzungen der Konsumenten leitet die Zurechnungstheorie die Preise der Produktionsmittel, Löhne, Zins und Unternehmergewinn ab. Mises zeichnet die Wirkung der Lehre durch Böhm-Bawerk, Wieser sowie durch Jevons, Walras und Clark nach. Sein Anlass ist praktisch: die Männer, die Österreichs und Ungarns wirtschaftspolitische Verhandlungen führten, seien aus Mengers Schule hervorgegangen, sodass beide Länder auf denselben theoretischen Grundlagen aufbauen.
Die Schrift ist die von Ludwig von Mises verfasste Vorrede zur englischen Ausgabe seiner Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel (London, Jonathan Cape, uebersetzt unter Mitwirkung von Lionel Robbins). Mises deutet die Waehrungs- und Bankpolitik der fruehen 1930er Jahre als Fortsetzung derselben Grundprobleme, die schon die Rueckkehr Grossbritanniens zur alten Goldparitaet des Pfundes und die amerikanische prosperity der Jahre 1926 bis 1929 bestimmt hatten. Er argumentiert, dass die Wirtschaftskrise nicht der Goldwaehrung anzulasten sei, sondern der vorangegangenen Kreditausweitung sowie dem politischen Versuch, Loehne und Preise durch Herabsetzung des Goldgehalts der Waehrungseinheit zu stabilisieren. Gegen die Idee einer indexgestuetzten Manipulation der Kaufkraft wendet er ein, dass jede Berechnungsmethode bestimmte Interessen beguenstige und die Geldwertgestaltung damit zum Spielball der Politik werde. Devisenbewirtschaftung und einseitig verfuegte Zahlungsverbote haetten den internationalen Kreditverkehr nahezu zum Erliegen gebracht.
Carl Mengers gesammelte kleinere Schriften zur Methode und Geschichte der Volkswirtschaftslehre (Collected Works, Band III, LSE-Reprint 1935) versammeln zehn zwischen 1884 und 1915 erschienene Arbeiten. Den Kern bilden Mengers Interventionen im Methodenstreit gegen Gustav Schmoller, vor allem die in sechzehn Briefen verfasste Streitschrift „Die Irrthümer des Historismus in der deutschen Nationalökonomie“, in der er die Trennung von theoretischer, praktischer und historischer Forschung verteidigt und den Historismus als Einseitigkeit zurückweist. Eine ausführliche Rezension von Schönbergs „Handbuch der politischen Oekonomie“ sowie die Abhandlungen „Zur Theorie des Kapitals“ und „Grundzüge einer Klassifikation der Wirtschaftswissenschaften“ entwickeln Mengers Begriff der exacten Nationalökonomie, seinen Realbegriff des Kapitals und seine Systematik der Wirtschaftswissenschaften. Den Abschluss bilden fünf biographische Aufsätze über Friedrich List, Lorenz von Stein, Wilhelm Roscher, John Stuart Mill und Eugen von Böhm-Bawerk.
Die menschliche Gesellschaft in ihren ethno-soziologischen Grundlagen, Band 4: Werden, Wandel und Gestaltung von Staat und Kultur im Lichte der Völkerforschung
Der Band versammelt Carl Mengers Schriften zur Geldtheorie und zur österreichisch-ungarischen Währungsreform; er bildet den vierten Band der von der London School of Economics 1936 besorgten Gesammelten Werke. Den theoretischen Kern bildet der Artikel „Geld“ aus dem Handwörterbuch der Staatswissenschaften (1909), der den Ursprung allgemein gebräuchlicher Tauschmittel aus der unterschiedlichen Marktgängigkeit der Güter erklärt und das Geld als Ware bestimmt, deren Eigenart in ihrer Tauschvermittlungsfunktion liegt. Die übrigen Arbeiten behandeln die Valutareform von 1892: die Kaufkraft des Silberguldens, die Frage der Relation beim Übergang zur Goldwährung, die Gefahr eines Goldagios sowie Mengers Aussagen vor der Währungs-Enquête-Kommission. Menger argumentiert gegen eine zu schwere Goldkrone und für einen „gerechten Gulden“ ohne Vermögensverschiebung. Ein vollständiges Verzeichnis von Mengers Schriften beschliesst den Band.
Diese Untersuchung geht der Frage nach, warum die Notenausgabe zu einer Ausnahme von den Laissez-faire-Prinzipien wurde und warum man dem Zentralbankwesen den Vorzug vor einem freien Bankwesen mit Wettbewerb in der Notenausgabe gab. Das Buch, ursprünglich eine 1935 unter Friedrich Hayek an der London School of Economics verfasste Dissertation, zeichnet zunächst die Bankengeschichte Englands, Schottlands, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und Deutschlands nach und zeigt, wie Monopole in der Notenausgabe weitgehend aus politischen Motiven und den Erfordernissen der Staatsfinanzen entstanden. Anschließend behandelt es die theoretischen Debatten des neunzehnten Jahrhunderts in jedem dieser Länder und ordnet die Autoren nach ihrer Haltung zur Currency- und zur Banking-Schule sowie zur Frage des Zentralbankwesens gegenüber dem freien Bankwesen. Ein abschließendes Kapitel prüft die wichtigsten Argumente für das Zentralbankwesen erneut, darunter Bankenzusammenbrüche, konjunkturelle Instabilität, den Kreditgeber letzter Instanz, eine rationale Geldpolitik und internationale Zusammenarbeit. Ein Anhang arbeitet den Clearing-Mechanismus anhand von Rechenbeispielen durch.
Ludwig von Mises bespricht den abschließenden vierten Band der von der London School of Economics veranstalteten und von F. A. von Hayek herausgegebenen Gesamtausgabe der Schriften Carl Mengers, der dessen Arbeiten zur Geldtheorie und Währungspolitik vereinigt. Genannt werden Mengers zusammenfassende Geldtheorie von 1909 für das Handwörterbuch der Staatswissenschaften, seine Aufsätze zur österreichischen Valutaregulierung und seine Aussagen in der Valutenenquete von 1892, ergänzt um ein Verzeichnis der Schriften Mengers. Mises betont, dass nichts in dem über 300 Seiten starken Band sachlich veraltet sei, und führt als aktuelles Beispiel die Debatte um die Valutaregulierung von 1892 an, in der Menger zur Gruppe der Befürworter einer Stabilisierung des augenblicklichen Guldenwertes zählte. Den Abschluss bildet ein längeres Zitat aus Mengers Argumenten gegen eine Abwertung, in dem er den „kleinen Gulden" als Ausbeutung des kleinen Mannes zurückweist und einen gerechten, weder Gläubiger noch Schuldner begünstigenden Gulden fordert.
Ludwig von Mises argumentiert in diesem Essay, dass wirtschaftlicher und politischer Liberalismus aus einer Wurzel stammen und nur gemeinsam Bestand haben. Die auf Sondereigentum beruhende Marktwirtschaft deutet er als demokratische Ordnung: Eigentum sei das Ergebnis eines täglich erneuerten Plebiszits der Konsumenten, in dem jeder Groschen einen Stimmzettel darstellt. Dem entspreche in der Staatsverfassung die politische Demokratie. Die Paradoxie der Gegenwart liege darin, dass die vom Liberalismus geschaffene Demokratie sich gegen die Wirtschaftsfreiheit entschieden habe und mit Interventionismus, Etatismus und Sozialismus zugleich die politische Demokratie und die bürgerlichen Freiheitsrechte untergrabe, hin zur Diktatur. Im zweiten Teil bespricht Mises William E. Rappards Buch L'individu et l'état dans l'évolution constitutionnelle de la Suisse, das diese Entwicklung am Beispiel der Schweiz von 1848 und 1874 bis zur Etatismus-Krise der Gegenwart nachzeichnet.
Gottfried Haberlers „Prosperity and Depression“ entstand als erster Schritt einer vom Voelkerbund veranlassten Untersuchung der Ursachen wiederkehrender Wirtschaftskrisen. Das Werk verfolgt zwei Ziele: Teil I ordnet und prueft die vorhandenen Konjunkturtheorien systematisch (rein monetaere Theorie, monetaere und nicht-monetaere Ueberinvestitionstheorien, das Akzelerationsprinzip, Kosten- und Ueberschuldungstheorien, Unterkonsumtions-, psychologische und Ernte-Theorien sowie neuere Diskussionen um Keynes), Teil II entwickelt daraus eine synthetische Darstellung von Wesen und Ursachen des Konjunkturzyklus. Haberler ordnet die Theorien nach Aufschwung, oberem Wendepunkt, Abschwung und unterem Wendepunkt und arbeitet das Zusammenspiel endogener und exogener Kraefte heraus. Die hier vorliegende dritte Ausgabe ergaenzt einen Teil III, der Multiplikator, Akzelerationsprinzip, den Ricardo-Effekt Hayeks sowie Preis- und Lohnstarrheit behandelt. Leitend ist die These, dass viele scheinbare Theoriegegensaetze auf unterschiedliche Terminologie zurueckgehen.
Super-National Organization Held No Way to Peace: Radical Change in Political Mentalities and Social and Economic Ideologies Viewed as Necessary in Order to Eradicate Economic Nationalism
Ludwig von Mises analysiert in diesem 1944 bei Yale University Press erschienenen Werk Aufstieg und Wesen des deutschen Nationalsozialismus und ordnet ihn in eine breitere Kritik des Etatismus ein. Seine zentrale These: Nazismus ist kein Sonderweg deutscher Mentalitaet, sondern die radikale Anwendung von Interventionismus und Sozialismus auf die Lage einer dicht besiedelten Nation, die ohne Importe nicht auskommt und deshalb Lebensraum erobern will. Mises zeichnet den Niedergang des deutschen Liberalismus, den Triumph des Militarismus und die Wandlung von Pan-Germanismus zu Nazismus nach und behandelt Etatismus, Nationalismus, Protektionismus, Autarkie und Antisemitismus als zusammenhaengende Phaenomene. Er argumentiert, dass dauerhafter Friede nur in einer freien Marktwirtschaft moeglich ist, in der keine oekonomischen Kriegsursachen bestehen, und kritisiert zeitgenoessische Plaene fuer Weltplanung, Foederation und Voelkerbund als untauglich, solange die Nationen am Etatismus festhalten.
In "Bureaucracy" (1944) untersucht Ludwig von Mises die Ausbreitung bürokratischer Verwaltung als Symptom des Übergangs von der Marktwirtschaft zur staatlichen Lenkung. Seine Leitthese: Bürokratie ist nicht an sich schlecht, sondern die notwendige Methode überall dort, wo der Erfolg sich nicht in Geld berechnen lässt. Mises stellt zwei Organisationsprinzipien gegenüber, das gewinnorientierte Management des Unternehmers, das durch Wirtschaftsrechnung und die Souveränität der Konsumenten gesteuert wird, und das an Vorschriften gebundene bürokratische Management öffentlicher Ämter. Aus diesem Gegensatz leitet er ab, dass private Betriebe erst durch staatliche Eingriffe bürokratisch erstarren und dass sozialistische Planung mangels Marktpreisen rechnerisch undurchführbar bleibt. Spätere Kapitel behandeln die psychologischen und politischen Folgen, etwa die deutsche Jugendbewegung, die Auslese des Diktators und den Verfall des kritischen Sinns. Beispiele stammen vor allem aus Deutschland, Frankreich, Russland und den USA der New-Deal-Ära.
In diesem Aufsatz, der in der Sammlung "Money, Method, and the Market Process" (Geld, Methode und der Marktprozess) wiederabgedruckt wurde, untersucht Ludwig von Mises die Genossenschaftsbewegung und bestreitet deren Anspruch, eine eigenständige, überlegene Weise der Organisation des Wirtschaftslebens zu sein. Er argumentiert, dass das ehrgeizige ursprüngliche Programm, die Produktivgenossenschaften von Owen, King und Lassalle, die das Lohnsystem abschaffen sollten, vollständig scheiterte und nur die Konsumgenossenschaften sowie die Bezugs- und Absatzgenossenschaften der Landwirte übrig ließ. Mises hält dem entgegen, dass die kapitalistische Marktwirtschaft selbst gesellschaftliche Kooperation unter der Arbeitsteilung ist und dass die nach Gewinn strebenden privaten Unternehmen, nicht die Genossenschaften, die wirtschaftliche Verbesserung vorantreiben. Er hält fest, dass Genossenschaften über ihren Kosten verkaufen, wie jedes andere Unternehmen Gewinn erzielen und sich vor allem durch Steuerbefreiungen, billige Kredite und andere staatliche Privilegien halten, nicht durch überlegene Effizienz. Die abschließenden Abschnitte behandeln die politischen und monopolistischen Bestrebungen der Bewegung und kommen zu dem Schluss, dass Genossenschaften nur ohne solche Privilegien zu rechtfertigen sind.
Human Action ist Ludwig von Mises' umfassende Darstellung der Oekonomie als Teil einer allgemeinen Handlungswissenschaft, die er Praxeologie nennt. Ausgangspunkt ist, dass menschliches Handeln zweckgerichtetes Verhalten ist: Der handelnde Mensch tauscht einen weniger befriedigenden Zustand gegen einen befriedigenderen ein. Aus dieser Kategorie des Handelns leitet Mises rein deduktiv die Lehrsaetze ab, von Wert, Praeferenz und Grenznutzen ueber Geld, Zins, Kapital und Unternehmergewinn bis zur Konjunkturtheorie. Das Werk ist in sieben Teile gegliedert und entfaltet die Katallaktik, die Theorie der Marktgesellschaft, im Kontrast zu Sozialismus und Interventionismus, deren Folgen es analysiert. Zentrales Argument gegen die sozialistische Planwirtschaft ist die Unmoeglichkeit rationaler Wirtschaftsrechnung ohne Marktpreise. Methodisch grenzt Mises die apriorische Praxeologie scharf gegen Historismus, Positivismus und Polylogismus ab.
Ludwig von Mises bestimmt in diesem Aufsatz Gewinn und Verlust als Ergebnis unternehmerischer Voraussicht im Marktprozess: Profit entsteht, wo ein Unternehmer kuenftige Preise richtiger einschaetzt als andere und Produktionsfaktoren unter ihrem spaeteren Wert erwirbt, Verlust aus dem umgekehrten Fehlurteil. Teil A entwickelt die oekonomische Natur von Gewinn und Verlust, ihre soziale Funktion als Lenkungsinstrument der Konsumenten und ihre Berechnung. Teil B widerlegt die Verurteilung des Profits: das Gleichheitsargument, die Armutsthese, die moralische Verdammung des Gewinnstrebens und die statische Denkweise der mathematischen Oekonomen. Teil C stellt die Alternative als Entweder-oder von Kapitalismus und Sozialismus dar, da ein drittes System ohne unternehmerischen Gewinn und Verlust nicht moeglich sei. Der Text bezieht sich auf Marx, Engels und Lenin als Gegenpositionen und setzt sich mit der Logikerin L. Susan Stebbing auseinander.
Des Menschengeistes Erwachen, Wachsen und Irren: Versuch e. Paläopsychologie von Naturvölkern mit Einschluss d. archaischen Stufe u.d. allgemein menschl. Züge
Die von Bettina Bien Greaves herausgegebene Aufsatzsammlung versammelt siebzehn Reden und Artikel von Ludwig von Mises aus den Jahren 1945 bis 1965, geordnet in vier Teile: freier Markt gegen staatliche Planung, Geld und Inflation, Mises als Kritiker von Inflationismus und Sozialismus, sowie Ideen. Leitthese ist, dass es keine dritte Ordnung zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus gibt: Interventionismus (Preiskontrollen, Mindestlöhne, Kreditexpansion, progressive Besteuerung) verfehle die angestrebten Ziele und treibe schrittweise in die Planwirtschaft des deutschen „Zwangswirtschaft“-Musters. Mises führt steigende Reallöhne und Wohlstand allein auf die Pro-Kopf-Kapitalakkumulation zurück und kritisiert Keynes, Say's Law und die Fehldeutung der Inflation als bloßer Preisanstieg. Der längste Beitrag, „Profit and Loss“, deutet Unternehmergewinn als Ergebnis richtiger Antizipation künftiger Marktlagen und als Steuerungsmechanismus zugunsten der Konsumenten.
Der Text ist ein 1955 in Volkmar Muthesius' Monatsblaettern wiederabgedruckter Brief von Ludwig von Mises zum Kartell- und Monopolproblem, eingeleitet durch eine redaktionelle Notiz des Herausgebers. Mises stimmt dem Nachdruck seiner Ausfuehrungen aus dem Liberalismus-Buch von 1927 zu, verweist fuer die vollstaendige Behandlung aber auf sein Werk Human Action. Seine zentrale These: ohne staatliche Eingriffe gaebe es kein nennenswertes Monopolproblem, denn die Politik bekaempfe rhetorisch die Kartelle, schaffe zugleich aber durch Schutzzoelle, Devisenbeschraenkungen und internationale Abkommen erst deren Voraussetzungen. Als Beleg fuehrt er die amerikanische Anti-Trust-Praxis gegen big business und eine Untersuchung gegen eine Lebensmittelkette an. Er fordert, aufrichtige Monopolgegner sollten zunaechst alle zwangswirtschaftlichen Massnahmen beseitigen.
Ludwig M. Lachmanns 'Capital and Its Structure' (1956) entwickelt eine morphologische Theorie des Kapitals, die mit der Annahme bricht, Kapital sei eine homogene, in Geld messbare Groesse. Lachmanns Ausgangspunkt ist die Heterogenitaet der Kapitalgueter: weil jedes Gut nur begrenzt verwendbar ist (multiple specificity) und Gueter komplementaer kombiniert werden muessen, bilden die Produktionsplaene der Unternehmer Kapitalkombinationen, deren Gesamtheit die Kapitalstruktur einer Gesellschaft ist. In einer Welt unerwarteten Wandels werden diese Kombinationen staendig aufgeloest und neu gebildet (capital regrouping). Methodisch stuetzt sich das Buch auf Prozessanalyse statt Gleichgewichtsanalyse und auf eine subjektivistische Theorie der Erwartungen. In den Anwendungskapiteln deutet Lachmann Boehm-Bawerks 'Umwegproduktion' als Theorem ueber wirtschaftlichen Fortschritt um, untersucht die Asset-Struktur (Plan-, Kontroll- und Portfolio-Struktur) und prueft die Konjunkturtheorie, wobei er den Hicksschen Ansatz mit der Oesterreichischen Theorie der industriellen Fluktuationen verknuepft. Das Buch erschien in der Reihe 'Studies in Economic Theory'.
In diesem Essay von 1956 untersucht Ludwig von Mises, warum der Kapitalismus trotz seiner materiellen Erfolge von vielen, besonders von Intellektuellen, leidenschaftlich abgelehnt wird. Mises fuehrt diese Ablehnung psychologisch auf das Ressentiment zurueck: In einer Gesellschaft der Gleichheit vor dem Gesetz wird Erfolg dem eigenen Verdienst zugeschrieben, weshalb das Scheitern als persoenliche Kraenkung empfunden und auf einen Suendenbock, das Marktsystem, projiziert wird. Er entfaltet das Argument entlang konkreter Gruppen (frustrierte Ambitionen, Intellektuelle, Angestellte, die untaetigen Erben oder "Cousins", Broadway und Hollywood) und prueft dann die Sozialphilosophie des gewoehnlichen Mannes, die Stellung der Literatur unter dem Kapitalismus sowie die nichtoekonomischen Einwaende (Glueck, Materialismus, Gerechtigkeit, Freiheit). Mises grenzt sich scharf gegen Marx, die Sozialisten und einen seiner Ansicht nach scheinhaften Antikommunismus ab und stellt dem die marktwirtschaftliche Ordnung als einzige Grundlage von Wohlstand und Freiheit gegenueber.
"Theory and History" (Theorie und Geschichte, 1957) ist Ludwig von Mises’ methodologisches Hauptwerk, hier eingeleitet durch ein Vorwort von Murray N. Rothbard aus dem Jahr 1985. Seine zentrale These ist der methodologische Dualismus: Weil der Mensch zielgerichtet handelt und sich von Ideen leiten lässt, können die Wissenschaften vom menschlichen Handeln nicht nach dem Vorbild der experimentellen Naturwissenschaften gestaltet werden. Ausgehend von dieser Prämisse unterscheidet Mises die Praxeologie, die apriorische Theorie des Handelns, deren am weitesten entwickelter Zweig die Ökonomie ist, von der Geschichte und der Thymologie, dem Verstehen individueller Wertungen. Das Buch gliedert sich in vier Teile: Werturteile, Determinismus und Materialismus (mit einer ausführlichen Kritik des Marxschen dialektischen Materialismus), die erkenntnistheoretischen Probleme der Geschichte und die philosophischen Deutungen des Geschichtsverlaufs. Durchgängig argumentiert Mises gegen Positivismus, Behaviorismus, Historismus und Szientismus und verteidigt die Autonomie der Wissenschaften vom menschlichen Handeln gegen Versuche, sie auf die Methoden der Physik zu reduzieren.
Programmatischer Essay von Ludwig von Mises ueber den Interventionismus als wirtschaftspolitisches Programm zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Mises bestreitet, dass der Interventionismus eine dauerhafte dritte Loesung darstellt: staatliche Eingriffe in Preise, Loehne, Zins und Kredit erzeugten Folgeprobleme, die weitere Eingriffe erzwaengen, bis am Ende vollstaendiger Sozialismus stehe. Argumentiert wird entlang der Marktwirtschaft als Konsumentensouveraenitaet, der monetaeren Konjunkturtheorie (Kreditausweitung fuehrt zwangslaeufig zur Krise) und der Rolle des Privateigentums fuer die wirtschaftliche und kulturelle Bluete des Westens. Mises stuetzt sich auf Engels' Zusatz zum Kommunistischen Manifest, wonach interventionistische Massnahmen weitere Eingriffe in die alte Gesellschaftsordnung noetig machen, und grenzt den klassischen Liberalismus vom amerikanischen Wortgebrauch ab. Den Abschluss bildet eine Reihe von Motto-Zitaten zu Staat und Gesetz.
Implications of the European Common Market and Free Trade Area Project for United States Foreign Economic Policy, in Compendium of Papers on United States Foreign Trade Policy
An Economic Review of the Patent System (1958) ist Fritz Machlups fuer den Patent-Unterausschuss des US-Senats verfasste Studie Nr. 15. Sie traegt mehr als ein Jahrhundert oekonomischer Beitraege zum Patentwesen zusammen und ordnet sie systematisch statt chronologisch. Ein historischer Teil zeichnet Ausbreitung, antipatentliche Bewegung (1850–1873) und den spaeteren Sieg der Patentbefuerworter nach; ein institutioneller Teil behandelt Schutzvoraussetzungen, Missbrauch des Patentmonopols, Zwangslizenzen und internationale Patentbeziehungen. Den groessten Raum nimmt die oekonomische Theorie ein: Machlup prueft die vier klassischen Rechtfertigungen (Naturrecht, Belohnung durch Monopol, Monopolgewinn-Anreiz, Tausch gegen Offenlegung) und arbeitet mit den Begriffen privater und sozialer Kosten und Werte. Sein Fazit ist bewusst offen: auf Basis des damaligen Wissens lasse sich weder die Einfuehrung noch die Abschaffung des Patentsystems eindeutig begruenden; verlaesslicher seien nur Urteile ueber graduelle Reformen.
Der Lexikon-Artikel „Markt“ von Ludwig von Mises bestimmt den Markt als den Prozess, durch den in der arbeitsteiligen Wirtschaft die Erzeugung an den dringendsten Beduerfnissen der Verbraucher ausgerichtet wird. Leitthese ist die Souveraenitaet der Verbraucher: Gewinn und Verlust lenken die Verfuegung ueber die Produktionsmittel in die Haende derer, die sie am zweckmaessigsten im Dienste der Verbraucher nutzen. In sechs Abschnitten behandelt Mises den Marktprozess, Monopol und Wettbewerb, die Spekulation als Grundzug allen Wirtschaftens, die Einheit aller Teilmaerkte (Effektenboerse, Arbeitsmarkt), Gewinn und Verlust als Anpassungserscheinung gegenueber dem stationaeren Gleichgewicht sowie die Ungleichheit von Einkommen und Vermoegen als Ergebnis des Verbraucherverhaltens. Er grenzt sich gegen interventionistische und sozialistische Positionen ab und setzt sich mit Keynes’ Vollbeschaeftigungspolitik und mit Forderungen des „Kommunistischen Manifests“ auseinander. Den Abschluss bildet ein Literaturverzeichnis.
Mises rekonstruiert die geistesgeschichtlichen Ursachen der deutschen Hyperinflation von 1923. Seine These: Die Katastrophe war keine Folge unglücklicher Umstände, sondern die praktische Anwendung währungspolitischer Lehren, wie sie Lexis, Knapp und Bendixen im Kaiserreich formuliert hatten. Den Kern bildet ein autobiografischer Rückblick auf seine Auseinandersetzungen mit Vertretern der Historischen Schule und des Vereins für Sozialpolitik in den Vorkriegsjahren. Mises gibt deren Einwände gegen Böhm-Bawerks Zinstheorie und gegen seine eigene Geldlehre wieder: die Ablehnung der Quantitätstheorie, das Misstrauen gegen die Goldwährung, das Ideal der finanziellen Kriegsbereitschaft. Er schildert, wie diese Positionen jede monetäre Erklärung der Markentwertung als lächerlich abtaten. Den Bezugsrahmen liefern die im Text genannten Gegenspieler Schmoller, Wagner und Brentano sowie Max Webers Kampf um die Wertfreiheit der Nationalökonomie.
Ludwig von Mises bestimmt den wirtschaftlichen Liberalismus als die auf Sondereigentum an den Produktionsmitteln beruhende Marktwirtschaft, in der die kaufenden Verbraucher ueber Menge und Beschaffenheit der Gueter entscheiden. Der Text begruendet den Liberalismus aus der Nationaloekonomie: Arbeitsteilung loese den biologischen Kampf aller gegen alle in gesellschaftlichen Wettbewerb auf und schaffe eine Harmonie der richtig verstandenen Interessen. In sechs Abschnitten behandelt Mises das Verhaeltnis von Liberalismus und Wissenschaft, Aufstieg und Niedergang der liberalen Bewegung seit England und Schottland, die Frage der Sonderinteressen, den Vorrang des Verbrauchs samt einer Kritik der behoerdlichen Preisfestsetzung, den Freihandel und die gescheiterten Versuche einer Erneuerung. Gegen Sozialismus und Interventionismus argumentiert er, dass deren Eingriffe zweckwidrig seien und schrittweise in die volle Planwirtschaft fuehrten. Den echten Neuliberalismus verbindet er mit Nationaloekonomen wie Cannan, Einaudi, Hayek und Roepke.
Essay von Hans F. Sennholz, Übersetzung seines Buches "Money and Freedom" (Geld und Freiheit, 1985), das die These vertritt, dass das staatliche Geldmonopol in Verbindung mit den Gesetzen des Zwangskurses die letzte Ursache der Inflation und der wirtschaftlichen Desintegration ist. Der erste Teil untersucht das Federal-Reserve-System der Vereinigten Staaten, seine Abhängigkeit von der politischen Macht und seine Rolle als Zentralbank der Welt. Der zweite Teil kritisiert die Lösungen, die er für falsch hält: die keynesianische Nachfragesteuerung, die monetäre Regel der Monetaristen um Milton Friedman, die Vorschläge der 'Supply-Sider' (Mundell, Laffer, Wanniski, Kemp) und die Lehren des Sozialkredits. Der dritte Teil verteidigt den Goldstandard und schlägt als Endziel die monetäre Freiheit vor: eine Parallelwährung, das freie Bankwesen und die Abschaffung des Geldmonopols und des Zwangskurses.
Ludwig von Mises argumentiert in diesem Essay gegen die Lehre von der angeborenen Gleichheit aller Menschen und trennt sie scharf vom naturrechtlichen Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz. Menschen seien von Geburt an verschieden begabt; entscheidend sei, wie eine Gesellschaft mit dieser Ungleichheit umgeht. In der Marktwirtschaft, so die zentrale These, koennen die Faehigeren ihre Ueberlegenheit nur nutzen, indem sie den Konsumenten dienen, waehrend vorkapitalistische und sozialistische Ordnungen die Massen den Wenigen unterwerfen. Mises wendet sich gegen die Verachtung des einfachen Mannes in der Werbe- und Konsumkritik, gegen die Nivellierung des Bildungswesens und gegen den Mystizismus der Mehrheitsherrschaft. Belegt mit Marx, Trotzki und David Hume verteidigt er die repraesentative Regierung nicht als Ausdruck natuerlicher Gleichheit, sondern als friedliches Mittel des Herrschaftswechsels. Den Wandel weg vom Sozialismus benennt er als Aufgabe der heranwachsenden Generation.
Ludwig von Mises argumentiert, dass wirtschaftlicher Fortschritt allein aus reichlicherer Kapitalausstattung pro Kopf folgt und kritisiert die juengere "Lehre vom Wachstum". Diese entlehne der Biologie den Begriff des Wachstums und stelle wirtschaftliche Besserung als geheimnisvollen, der menschlichen Einwirkung entzogenen Vorgang dar. Mises liest die Wachstumslehre als neue Phase im Kampf gegen Sparen und Kapitalbildung, in der Tradition von Tugan-Baranovsky, Lederer, Foster und Catchings sowie Keynes, und als Mittel, das Versagen der sowjetischen Wirtschaftspolitik mittels fragwuerdiger Wachstumsquoten zu verschleiern. Er verweist auf die Bevoelkerungszunahme, die in Geld gemessenen Nationalprodukte und die Rolle auslaendischer Kapitalanlage bei der Ausbreitung westlicher Zivilisation. Der Essay schliesst mit der These, dass nur fortschreitende Vermehrung der verfuegbaren Kapitalgueter die Ziele der Wirtschaftspolitik erreichen lasse.
Amerika und die europäische Integration: Einige grundsätzliche Bemerkungen, in Aussenwirtschafts: Zeitschrift für Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Ludwig von Mises legt in diesem Spaetwerk (1962) die erkenntnistheoretischen Grundlagen der Wissenschaften vom menschlichen Handeln dar und wendet sich gegen den logischen Positivismus. Zentrale These: es gibt einen unueberbrueckbaren Dualismus zwischen den Naturwissenschaften, die Kausalitaet und Regelmaessigkeit untersuchen, und den Handlungswissenschaften, deren Grundkategorie die Finalitaet ist, das auf Zwecke gerichtete Handeln. Mises entfaltet die Kategorie des Handelns als apriorische Basis der Praxeologie und Geschichte und grenzt diese gegen Mathematik, Geometrie und Physik ab. Er kritisiert Materialismus, dialektischen Materialismus marxscher Praegung, Behaviorismus, die Statistik-als-Gesetz-Deutung sowie den makrooekonomischen und kollektivistischen Ansatz. Die abschliessenden Kapitel deuten den Positivismus als geistige Wurzel des Totalitarismus und der Krise der westlichen Zivilisation. Argumentiert wird durchgehend deduktiv aus der Handlungskategorie; das Werk versteht sich laut Vorwort als Ergaenzung zu Mises’ "Human Action" und "Theory and History".
"Man, Economy, and State" (Der Mensch, die Wirtschaft und der Staat) ist Murray N. Rothbards systematische Abhandlung zur ökonomischen Theorie, hier vorgelegt in der Scholar's Edition, die auch den Begleitband "Power and Market" (Macht und Markt) einschließt. Ausgehend vom Handlungsaxiom und zwei Hilfspostulaten leitet Rothbard das gesamte Lehrgebäude der Ökonomik Schritt für Schritt ab und führt von der Crusoe-Ökonomie und dem Naturaltausch über den indirekten Tausch, die Preisbildung der Konsumgüter, eine integrierte Theorie der Produktion, des Kapitals und des Zinses sowie die Faktorpreisbildung bis zum Unternehmertum. Er vertritt eine reine Zeitpräferenztheorie des Zinses, die er mit Frank Fetters Rententheorie verbindet, verwirft die vorherrschende kurzfristige Theorie der Unternehmung und legt dar, dass ein Monopolpreis allein aus einem staatlich gewährten Privileg entstehen kann. Die abschließenden Kapitel wenden die praxeologische Analyse auf die Zwangsintervention an: Preiskontrolle, Besteuerung, Inflation, Konjunkturzyklen und Staatsausgaben. Das Buch enthält eine wissenschaftliche Einleitung, Rothbards Vorwort, einen umfangreichen Fußnotenapparat und eine vollständige Bibliographie.
Fritz Machlups Studie von 1962 misst erstmals systematisch den oekonomischen Umfang der Wissensproduktion in den USA. Machlup fasst "Wissen" sehr weit (alles, was jemand weiss) und "Produktion von Wissen" als jede Taetigkeit, durch die jemand etwas zuvor Unbekanntes lernt, womit Schaffen, Vermitteln und Verteilen zusammenfallen. Nach einer begrifflichen Klaerung (Kapitel I-III) schaetzt er die Aufwendungen fuenf grosser Wissensindustrien: Bildung, Forschung und Entwicklung, Kommunikationsmedien (Druck, Film, Rundfunk, Telefon, Post), Informationsmaschinen und Informationsdienste. Gestuetzt auf 84 statistische Tabellen ermittelt er fuer 1958 Wissensausgaben von rund 29 Prozent des bereinigten Bruttosozialprodukts und zeigt, dass dieser Anteil seit 1900 stark gewachsen ist. Das Schlusskapitel verfolgt parallel den Wandel der Berufsstruktur hin zu wissensproduzierender Arbeit. Methodisch verbindet das Werk volkswirtschaftliche Gesamtrechnung mit einer Klassifikation von Wissensarten und schliesst mit einem Vorschlag zur Schulreform.
Israel M. Kirzners „Market Theory and the Price System“ ist ein 1963 erschienenes Lehrbuch der mittleren Preistheorie fuer den Hochschulunterricht. Sein Leitgedanke ist, den Markt als Prozess der Anpassung zu begreifen: Marktteilnehmer richten ihre Plaene fortlaufend an den Handlungen der anderen aus, und Gleichgewichtszustaende erscheinen nicht als Selbstzweck, sondern als Grenzfaelle, in denen der Marktprozess zur Ruhe kommt. Aufbauend auf Konsum- und Nutzentheorie entwickelt das Buch in dreizehn Kapiteln die Theorie von Nachfrage, Produktion, Kosten und Angebot, die Bestimmung von Produkt- und Faktorpreisen, den allgemeinen Marktprozess sowie Monopol, Wettbewerb und die Allokation der Ressourcen ueber das Preissystem; ein Appendix behandelt mehrperiodische Planung. Der Darstellung liegt eine bewusst geringe Beachtung der vollkommenen Konkurrenz zugrunde. Kirzner verweist im Vorwort auf seine Schuld gegenueber Mises, Boehm-Bawerk, Menger und Wicksteed und widmet das Werk Ludwig von Mises.
In dieser kurzen Monografie, erstmals 1963 erschienen und hier in der sechsten Auflage des Mises Institute (2024), erläutert Murray N. Rothbard den Ursprung und die Funktion des Geldes sowie die Folgen der staatlichen Kontrolle darüber. Der erste Teil leitet das Geld aus dem freien Markt ab: als das absatzfähigste Gut, das im indirekten Tausch ausgewählt und nach Gewicht gehandelt wird, mit privater Münzprägung und Vollreserve-Lagerhaltung. Rothbard legt dar, dass jede beliebige Geldmenge ausreicht und dass Inflation, definiert als nicht durch den Metallbestand gedeckte Geldsubstitute, lediglich Vermögen umverteilt. Der zweite Teil zeichnet nach, wie sich der Staat der Münzstätte bemächtigt, die Münze verschlechtert, das Greshamsche Gesetz ausnutzt, Zentralbanken errichtet und schließlich den Goldstandard aufgibt. Ein dritter Teil, der für die Auflage von 1974 hinzugefügt wurde, schildert den monetären Zusammenbruch des Westens in neun Phasen, vom klassischen Goldstandard bis zu den schwankenden Fiat-Währungen nach 1973. Vorworte von Patrick Newman und Jörg Guido Hülsmann sowie ein Nachwort von Joseph T. Salerno umrahmen den Text.
Ludwig von Mises portraitiert den oesterreichischen Industriellen, Landwirt und Agrarpolitiker Siegfried von Strakosch (1867-1933), Mitinhaber der Hohenauer Zuckerfabrik. Der biographische Essay verbindet Strakoschs Lebensweg, vom Eintritt in die Tuchindustrie ueber naturwissenschaftliche Studien in Wien bis zu wirtschaftspolitischem Einfluss, mit einer Darstellung seines agrarpolitischen Denkens. Im Zentrum steht Strakoschs Position zum Agrarschutzzoll: Er deutete ihn nicht als Dauereinrichtung, sondern als Uebergangs- und Erziehungszoll, und sah in jeder weiteren Schutzmassnahme zugunsten der Landwirtschaft einen Schritt zum Sozialismus. Mises referiert Strakoschs Buecher, darunter Amerikanische Landwirtschaft, Das Agrarproblem im Neuen Europa und Der Selbstmord eines Volkes (1922), und stellt ihn als Vertreter des Wiener Grossbuergertums der Franz-Joseph-Zeit dar. Eine abschliessende Literatur-Notiz verweist auf den Privatdruck der Witwe Wally von Strakosch.
Ludwig von Mises argumentiert, dass Sondereigentum an Produktionsmitteln in der Marktwirtschaft nicht aus Gewalt und Aneignung folgt, sondern aus dem Dienst am Verbraucher. Er stellt die herrschaftliche Wirtschaftsordnung, in der Grundherren von keinem Markt abhaengig waren, der Marktwirtschaft gegenueber, in der die Verbraucher in einem staendigen Plebiszit entscheiden, wer ueber die Produktionsmittel verfuegt. Eigentum erscheint so als gesellschaftliche Funktion, die taeglich neu erworben werden muss. Mises leitet daraus die Wurzeln der modernen Freiheits- und Buergerrechte ab: ohne Marktwirtschaft seien gesetzliche Garantien von Presse- oder Versammlungsfreiheit wertlos. Im letzten Abschnitt wendet er sich gegen die These, die Werbung mache den Verbraucher wehrlos, und verweist dabei auf Vance Packards "The Hidden Persuaders". Der Text kuendigt einen Folgeaufsatz ueber Monopole an.
Ludwig von Mises argumentiert, dass die Zukunft des Dollars untrennbar mit der Zukunft der demokratisch-republikanischen Staatsform verbunden ist. Seine These: Der Wohlfahrtsstaat lässt sich nicht aus Steuern allein finanzieren und ist deshalb auf fortgesetzte Inflation angewiesen. Mises zeigt am amerikanischen Wahlsystem, wie Kandidaten den Wählern Leistungen ohne sichtbare Kosten versprechen (something for nothing) und das Budgetdefizit zum Dauerzustand wird. Er belegt die Geldpolitik mit Zitaten von Keynes, Beardsley Ruml und A. B. Lerner und deutet Inflation als bewussten Betrug, den nur eine umlaufende Goldmünzenwährung (Goldwährung der Bamberger Art) durch das Greshamsche Gesetz rasch aufdecken würde. Der Text bezieht klar Position gegen Defizitfinanzierung und die als liberal und fortschrittlich auftretende Politik der Zwangswirtschaft und schließt, dass Demokratie und Parlamentarismus auf Dauer ohne Goldwährung nicht bestehen können.
As Assessment of the Current Relevance of the Theory of Comparative Advantage to Agricultural Production and Trade, in International Journal of Agrarian Affairs
Recueil d'etudes de Jacques Rueff (Payot, 1966) consacre au probleme des balances de paiements. La these centrale est que, hors inflation ou gold-exchange-standard, la balance des paiements d'un pays tend automatiquement vers l'equilibre par le jeu des prix, des changes et du taux d'escompte, et non par l'action des gouvernements. Rueff oppose cette analyse a la theorie de Keynes, selon laquelle existerait un « niveau naturel » des exportations difficile a modifier. La premiere partie rassemble des faits historiques (balances commerciales francaise et allemande de 1870 a 1931, reparations, deficit americain des annees 1960, rarete du dollar) presentes comme preuves d'un mecanisme regulateur. La deuxieme partie ebauche une theorie monetaire fondee sur la difference entre encaisses effectives et encaisses desirees, le role du credit et de l'escompte. L'auteur conclut que seule une regulation monetaire efficace, non la planification, peut retablir l'equilibre des reglements internationaux.
Ludwig von Mises argumentiert, dass die behauptete unaufhaltsame Tendenz des Kapitalismus zur Monopolbildung eine Fehldeutung ist. Auf einem freien, von staatlichen Eingriffen ungestoerten Markt entstehe ein vom Wettbewerbspreis abweichender Monopolpreis nur in seltenen Ausnahmen (Mises nennt Diamanten und Quecksilber). Tatsaechlich, so seine These, schaffen erst die Regierungen Monopole: durch Zoelle, die nationale Kartelle ermoeglichen, durch unmittelbare Monopolpreisgesetzgebung und durch zwischenstaatliche Rohstoffabkommen. Als Belege fuehrt er die amerikanische Farmgesetzgebung, die widerspruechliche Antitrustpolitik der USA und das internationale Kaffee-Uebereinkommen an, dessen Quotensystem er als staatlich erzwungenes Weltkartell deutet. Der Aufsatz schliesst mit der Gegenueberstellung von politischer Mehrheitsdemokratie und der Konsumentensouveraenitaet des Marktes.
Ludwig von Mises argumentiert, dass in der freien Marktwirtschaft der Verbraucher souveraen ist: Der Wettbewerb zwingt jede Produktion an die Stelle, an der sie die dringendsten Wuensche der Verbraucher befriedigt. Der Monopolpreis ist die einzige Ausnahme von dieser Regel, tritt aber nur bei einer bestimmten Gestaltung der Nachfragekurve und selten auf. Die zentrale These des Aufsatzes ist, dass nicht der freie Markt, sondern die Regierungen die Monopolpreisbildung ermoeglichen, durch Einfuhrzoelle, Kartellschutz, Patent- und Urheberrecht, Agrarpreisstuetzung und Abkommen wie das internationale Kaffeeuebereinkommen. Mises stellt dies der marxistischen Verelendungsfabel gegenueber, die durch die Lehre von der monopolistischen Verdraengung des Wettbewerbs abgeloest worden sei, und kritisiert, dass die amerikanische Anti-Trust-Politik die Monopoldiagnose Moskaus teilt. Als Gegenmittel nennt er die Beseitigung jeder Einfuhrbeschraenkung.
Gottfried Haberler legt in dieser 1960 von der American Enterprise Association herausgegebenen Studie eine systematische Analyse der Inflation vor. Er definiert Inflation als anhaltenden Preisanstieg, grenzt sie von Deflation und Depression ab und unterscheidet kriechende, trabende und galoppierende sowie offene und unterdrueckte Inflation. Kern der Argumentation ist die These, dass keine ernste, anhaltende Inflation ohne eine starke Ausweitung der Geldmenge auftritt, weshalb Nachfragesog (demand pull) grundlegender sei als Kostendruck (cost push); zugleich wertet er den gewerkschaftlichen Lohndruck als eigenstaendigen, die Inflation beschleunigenden Faktor. Er prueft konkurrierende Deutungen der US-Inflation von 1955 bis 1958 (Hansen, Selden, Galbraith, Means) und verwirft die Theorie der administrierten Preise. Den Schluss bilden Folgen der Inflation, ihr Verhaeltnis zu Wachstum und Konjunktur, das US-Zahlungsbilanzdefizit sowie wirtschaftspolitische Empfehlungen aus Geld-, Fiskal- und Wettbewerbspolitik.
ohne Titel), in: What’s Past Is Prologue. A Commemorative Evening to the Foundation for Economic Education on the Occasion of Leonard Read’s Seventieth Birthday
Ludwig von Mises zeichnet die Entstehung und das geistige Umfeld der Österreichischen Schule der Nationalökonomie nach, ausgehend von Carl Mengers "Grundsätze" (1871) und den frühen Mitstreitern Böhm-Bawerk und Wieser. Der Essay schildert die akademischen Bedingungen an den österreichischen Universitäten, das liberale Klima der Habsburger Verfassung von 1867 und die institutionelle Sonderrolle der Privat-Dozenten. Den Kern bildet der Methodenstreit: der Konflikt der österreichischen Ökonomen mit der deutschen Historischen Schule um Gustav von Schmoller, die die Möglichkeit allgemeingültiger ökonomischer Theoreme bestritt. Mises verbindet diese methodologische Auseinandersetzung mit der politischen Entwicklung Deutschlands, die er von Schmollers Sozialpolitik über Werner Sombart bis zum Nationalsozialismus durchzieht. Abschließend ordnet er die "Austrian School" als national fehlbenanntes, längst in die allgemeine Ökonomie eingegangenes Kapitel der Theoriegeschichte ein.
Power and Market analysiert mit den Mitteln der praxeologischen Oekonomie die Wirkungen staatlicher Eingriffe in Markt und Gesellschaft. Murray N. Rothbard ordnet jede Form der Intervention drei Typen zu: autistische, binaere und triangulaere Eingriffe, und zeigt fuer jeden, dass er den Nutzen der Beteiligten mindert und Ressourcen fehllenkt. Im ersten Kapitel argumentiert er, dass selbst Verteidigungs- und Rechtsleistungen marktlich erbracht werden koennten, sodass der Staat ueberfluessig sei. Die Mittelkapitel behandeln Preiskontrollen, Monopolprivilegien (Lizenzen, Zoelle, Patente, Konservierungsgesetze), die Inzidenz und Wirkung von Steuern sowie Staatsausgaben. Das vorletzte Kapitel kritisiert antimarktliche Ethiken (Gleichheit, Sicherheit, Naechstenliebe per Zwang) als teils widerspruechlich. Das Werk, urspruenglich als Schlussteil von Man, Economy, and State verfasst, erschien zuerst 1970; diese vierte Auflage enthaelt ein Vorwort von Edward P. Stringham.
Dieses Lehrbuch entwickelt eine Theorie der Unternehmung, des Entscheidungszentrums, das entscheidet, was produziert werden soll, in welchen Mengen und durch welche Kombination von Inputs. Shackle legt zunächst das orthodoxe Instrumentarium der Maximierung unter vollständigem Wissen dar: die Messung der Produktion, Leontief-Input-Output-Matrizen, Produktionsfunktionen, Kosten- und Erlöskurven sowie die erstmals von Cournot formulierte Bedingung, dass die Grenzkosten dem Grenzerlös gleich sind. Anschließend wendet er sich seinem zentralen Thema zu, der Entscheidung unter Unsicherheit. Da Investitionen langlebige Ausrüstung an eine unerkennbare Zukunft binden, kann sich der Unternehmer nicht auf die Wahrscheinlichkeit verlassen, die wiederholbare Experimente voraussetzt. Stattdessen schlägt Shackle die potenzielle Überraschung, die Ascendancy und die Fokuswerte vor und wendet sie auf die Diskontierung, den Umfang der Investition, die Kreditaufnahme, die interdependente Entscheidungsfindung im Duopol und das von Edgeworth analysierte Verhandeln an. Ein abschließendes Kapitel fügt die daraus resultierenden Begriffe von Gewinn und Gleichgewicht zu einem einheitlichen Schema zusammen.
The International Monetary System: Some Recent Developments and Disscussions, in Approaches to Greater Flexibility of Exchange Rates, The Bürgerstock Papers
Drei Essays, in denen Ludwig Lachmann vernachlässigte Teile von Max Webers Werk für eine praxeologische Theorie des Handelns und der Institutionen neu bewertet. Der erste Essay argumentiert, dass Webers Idealtypus zu weit gefasst ist, um als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften zu dienen, und schlägt vor, ihn durch den Plan zu ersetzen: Das Handeln bezieht seinen Sinn aus dem Entwurf, den der Handelnde im Kopf trägt, was das Verstehen zu einer beobachtbaren, vergleichenden Untersuchung macht statt zu einer Intuition. Der zweite Essay entwickelt, auf Grundlagen von Weber und Menger, eine allgemeine Theorie der Institutionen, unterscheidet entworfene von nicht entworfenen und grundlegende von sekundären Institutionen und behandelt die Spannung zwischen Kohärenz und Flexibilität. Der dritte Essay wendet dieses Schema auf Webers politisches Denken an, auf sein Plädoyer für eine parlamentarische Regierung und auf seine Deutung des hohenzollernschen Deutschland und der Weimarer Republik. Lachmann war Professor für Nationalökonomie an der University of the Witwatersrand.
Murray N. Rothbards Essay argumentiert, dass Bildung ein individueller, lebenslanger Selbstentwicklungsprozess ist und dass staatlicher Schulzwang diesem Wesen widerspricht. Da Menschen in Begabung, Tempo und Interessen stark verschieden sind, sei Einzelunterricht durch die Eltern das Ideal, waehrend der staatlich verordnete Einheitsunterricht alle Kinder in eine uniforme Form presse. Der erste Teil entfaltet diese individualistische Bildungstheorie und die Grundfrage, ob Eltern oder Staat ueber das Kind verfuegen. Der zweite und dritte Teil liefern eine historische Darstellung des Schulzwangs: von der Reformation (Luther, Calvin) ueber Preussen, Frankreich und England bis zu Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus sowie der Entwicklung in den USA von Neuengland bis zur "progressive education". Rothbard stuetzt sich auf Spencer, Isabel Paterson und Ludwig von Mises und deutet staatliche Schulbildung als Werkzeug der Vereinheitlichung und Gehorsamserziehung. Herausgegeben vom Ludwig von Mises Institute (1999), mit einem Vorwort von Kevin Ryan.
Ludwig M. Lachmann untersucht in diesem 1973 erschienenen Hobart Paper des Institute of Economic Affairs den methodischen Streit der makrooekonomischen Kapital- und Wachstumstheorie. Seine zentrale These: Beide grossen Lager, die neoricardianische 'Cambridge'-Schule (Robinson, Sraffa, Kaldor) und die neoklassischen Formalisten (Samuelson, Solow, Hicks), haben die mikrooekonomischen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns aus dem Blick verloren. Lachmann argumentiert, dass Gleichgewichtsdenken den realen Marktprozess verfehlt: Gewinne seien ein Ungleichgewichtsphaenomen, ein einheitlicher 'normaler' Profitsatz und 'steady-state growth' seien Fiktionen, und technischer Fortschritt wirke prinzipiell ungleichgewichtsstiftend. Er entwickelt dies kapitelweise entlang von Profit, Zins, Wachstum und Innovation und zieht Folgerungen fuer Einkommens-, Wachstums- und Geldpolitik. Methodisch beruft er sich auf Subjektivismus und divergierende Erwartungen und stellt das Werk dem Aggregat-Formalismus seiner Zeit entgegen.
In "America's Great Depression" (Amerikas Große Depression, Erstveröffentlichung 1963) wendet Murray N. Rothbard Ludwig von Mises' monetäre Konjunkturtheorie auf den Wirtschaftseinbruch der Vereinigten Staaten von 1929 an. Die These läuft der vorherrschenden Auffassung zuwider: Die Depression war kein Versagen des Laissez-faire-Kapitalismus, sondern die Folge vorausgegangener Eingriffe von Staat und Federal Reserve. Teil I legt die österreichische Konjunkturtheorie dar und argumentiert, dass die Ausweitung des Bankkredits die Produktionsstruktur verzerrt und eine korrigierende Rezession unvermeidlich macht; er widerlegt keynesianische, unterkonsumtionistische, auf dem Akzelerationsprinzip beruhende und schumpetersche Alternativen. Teil II dokumentiert den inflationären Boom von 1921 bis 1929 und verfolgt das Wachstum der Reserven, die Akzept- und Wertpapierpolitik sowie die Zusammenarbeit der Federal Reserve mit der Bank of England. Teil III untersucht die Kontraktion von 1929 bis 1933 und stellt Herbert Hoover als Interventionisten dar, der die Lohnsätze stützte, öffentliche Arbeiten und Agrarstützungen ausweitete und damit die Depression verlängerte. Ein Anhang schätzt die steigende fiskalische Belastung des Privatprodukts durch den Staat ab.
In diesem Manifest entfaltet Murray N. Rothbard die libertaere Position: Jeder Mensch besitzt sich selbst und das, was er aus herrenloser Natur durch Arbeit aneignet, woraus sich freier Tausch, uneingeschraenktes Privateigentum und das Nichtaggressionsaxiom ergeben. Der Staat erscheint dabei als zentraler, institutionalisierter Rechtsverletzer, der durch Steuern, Wehrpflicht und Krieg systematisch aggressiv handelt und seine Herrschaft mit Hilfe einer Intellektuellen-Kaste legitimiert. Nach diesem theoretischen Teil wendet Rothbard das Prinzip auf konkrete Streitfragen an: Bildung, Wohlfahrt, Inflation und Konjunktur, Strassen und Polizei, Gerichte, Umwelt sowie Aussenpolitik, jeweils mit dem Vorschlag, staatliche Leistungen durch private, marktliche Loesungen zu ersetzen. Den Abschluss bildet eine Strategie zur Verbreitung der Lehre. Das Werk erschien zuerst 1973, hier in der zweiten Auflage von 2006 mit einer Einleitung von Llewellyn H. Rockwell, Jr.
Band 2 von Murray Rothbards erzählendem Geschichtswerk „Conceived in Liberty" (In Freiheit empfangen) behandelt die amerikanischen Kolonien in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Ära der britischen „heilsamen Vernachlässigung" („salutary neglect"), die herkömmliche Lehrbücher als ereignislos abtun. Rothbard vertritt das Gegenteil: Dies war die Zeit, in der die kolonialen Versammlungen ihre Kontrolle über die Staatskasse nutzten, um den von der Krone ernannten Gouverneuren Macht zu entreißen, während die laxe Durchsetzung der merkantilistischen Beschränkungen unter Walpole und Newcastle die Kolonien faktisch sich selbst regieren ließ. Das Buch gibt zunächst einen Überblick über die Entwicklungen in den einzelnen Kolonien (Grundbesitz, Sklaverei, der Aufstieg Franklins, der Abolitionismus der Quäker, die Paxton Boys) und wendet sich dann den kolonienübergreifenden Strömungen zu: der Papiergeldinflation, der Pressefreiheit, dem Great Awakening, dem Anwachsen des Deismus und der Verbreitung des englischen libertären Denkens. Ein abschließender Teil untersucht den Konflikt zwischen Versammlung und Gouverneur, die merkantilistische Handelspolitik und die imperialen Kriege von King George's War bis zum Franzosen- und Indianerkrieg und deutet die Ereignisse im Lichte des wiederkehrenden Ringens der Freiheit gegen die Macht.
"Conceived in Liberty" (wörtlich „In Freiheit gezeugt") ist Murray N. Rothbards narrative Geschichtsdarstellung des kolonialen und revolutionären Amerika, hier vorgelegt als die einbändige Ausgabe des Mises Institute, die alle vier ursprünglichen Bände (1975–1979) zusammenführt. Rothbard benennt sein Leitthema ausdrücklich: Geschichte als wiederkehrender Konflikt zwischen Freiheit („gesellschaftliche Macht", freiwillige Interaktion) und Staatsmacht, im Anschluss an Albert Jay Nock und Lord Acton. Band 1 behandelt die Gründung der Kolonien im 17. Jahrhundert, Band 2 die „heilsame Vernachlässigung" (salutary neglect) des frühen 18. Jahrhunderts, Band 3 den wachsenden Widerstand vom Franzosen- und Indianerkrieg bis nach Lexington und Concord und Band 4 den Unabhängigkeitskrieg und seine Folgen. Die Methode ist bewusst eine detaillierte Erzählung statt einer verdichteten Zusammenfassung, gegliedert nach Kolonie und nach Zeitabschnitt, sodass der Leser die Ereignisse unmittelbar abwägen kann. Jeder Band schließt mit einem bibliographischen Essay, und ein gemeinsames Vorwort erläutert die libertären und methodologischen Prämissen des Projekts mit Verweis auf Ludwig von Mises' "Theory and History" (Theorie und Geschichte).
Murray Rothbards Aufsatz „Praxeology: The Methodology of Austrian Economics" (1976) erlaeutert die praxeologische Methode als das Kennzeichen der Oesterreichischen Schule. Ausgehend vom Handlungsaxiom (Menschen handeln zielgerichtet) leitet Rothbard zentrale Implikationen ab: Zweckhaftigkeit, Mittel-Zweck-Beziehung, Zeit, Unsicherheit und Knappheit. Er begruendet, warum verbale statt mathematischer Deduktion verwendet wird, und diskutiert den erkenntnistheoretischen Status der Axiome, wobei er Mises' kantianische Apriori-Position der eigenen aristotelisch-empirischen Lesart gegenueberstellt. Anschliessend grenzt er die Praxeologie von Technologie, Psychologie, Geschichte und Ethik ab und entfaltet Mises' Kritik an Oekonometrie und quantitativer Oekonomie. Der Text stuetzt sich auf zahlreiche Belege von Mises, Hayek, Say, Senior, Cairnes und Schuetz.
Die Weltwirtschaft und das internationale Währungssystem in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, in Währung und Wirtschaft in Deutschland 1876-1975
Commentaries to The Eurocurrency Market, Exchange Rate Systems, and National Financial Policies, in Eurocurrencies and the International Monetary System
Diese von Murray N. Rothbard herausgegebene und eingeleitete Sammlung vereint die verstreuten Aufsaetze, in denen der amerikanische Oekonom Frank A. Fetter (1863-1949) seine Verteilungstheorie entwickelte. Im Zentrum steht Fetters einheitliche Theorie von Kapital, Zins und Rente: Rente begreift er als Preis fuer die abtrennbaren Nutzungen jedes dauerhaften Produktionsfaktors, Zins ausschliesslich als Ausdruck der Zeitpraeferenz, mit der kuenftige Renten auf ihren gegenwaertigen Kapitalwert diskontiert werden. Die drei Teile (Theorie des Kapitals, des Zinses, der Rente) bestehen aus Zeitschriftenaufsaetzen und Rezensionen, vielfach in kritischer Auseinandersetzung mit Boehm-Bawerk, John Bates Clark, Irving Fisher und Alfred Marshall. Wiederkehrend ist Fetters Angriff auf die Produktivitaetstheorie des Zinses und auf die Sonderstellung des Bodens in der Rententheorie. Rothbards Einleitung ordnet die Beitraege ein und hebt Fetters reine Zeitpraeferenztheorie hervor.
Die «Erinnerungen» sind die 1940 in der Genfer Emigration niedergeschriebene, postum 1978 aus dem Nachlass veroeffentlichte autobiographische Schrift von Ludwig von Mises (1881-1973). Mises schildert seine geistige Entwicklung vom anfaenglichen Etatismus zur Wendung gegen den deutschen Historismus der Schmoller-Schule, seine Begegnung mit Carl Mengers «Grundsaetzen» und sein Wirken in der Oesterreichischen Schule der Nationaloekonomie um Boehm-Bawerk und Wieser. Im Zentrum stehen die Entstehung seiner Geld- und Konjunkturtheorie, seine Lehre von der Unmoeglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus sowie die Kritik des Interventionismus. Daneben berichtet er von seiner praktischen Taetigkeit in der Wiener Handelskammer, vom Kampf gegen Bolschewismus und Inflation im Nachkriegsoesterreich, vom Wiener Privatseminar und von der spaeteren Lehrtaetigkeit in Genf. Die Darstellung ist von tiefem Kulturpessimismus gepraegt: Mises versteht sich, wie er selbst schreibt, nicht als Reformer, sondern als «Geschichtsschreiber des Niedergangs». Der Band enthaelt ein Vorwort von Margit von Mises, eine Einleitung von F. A. von Hayek und eine Bibliographie der Veroeffentlichungen des Autors.
F. A. Hayeks "Law, Legislation and Liberty" fasst die drei urspruenglich getrennt erschienenen Baende Rules and Order (1973), The Mirage of Social Justice (1976) und The Political Order of a Free People (1979) zusammen. Hayek will zeigen, dass eine Gesellschaft freier Menschen auf drei Einsichten beruht: dass eine selbstgenerierende (spontane) Ordnung und eine bewusst geleitete Organisation grundverschieden sind und verschiedenen Arten von Regeln folgen; dass 'soziale' oder distributive Gerechtigkeit nur innerhalb einer Organisation Sinn hat, in der spontanen Ordnung der 'Grossen Gesellschaft' aber leer und unanwendbar ist; und dass die vorherrschende Form repraesentativer Demokratie, in der dieselbe Versammlung Recht setzt und zugleich regiert, zwangslaeufig in einen totalitaeren Interessenstaat fuehrt. Gegen den von ihm so genannten 'konstruktivistischen Rationalismus' (Descartes, Hobbes) setzt Hayek eine evolutionaere Tradition (Hume, Smith, Menger). Band 3 muendet in den Entwurf einer Modell-Verfassung mit getrennten gesetzgebenden und regierenden Koerperschaften.
In sechs 1959 in Buenos Aires gehaltenen Vorlesungen erklärt Ludwig von Mises für ein Laienpublikum die Grundzüge der Marktwirtschaft. Die erste Vorlesung deutet Kapitalismus als Massenproduktion für die Bedürfnisse der Masse und führt die Verbessserung des Lebensstandards auf Kapitalakkumulation zurück. Es folgen Sozialismus als zentrale Planung ohne Wirtschaftsrechnung, Interventionismus am Beispiel scheiternder Preiskontrollen, Inflation als bewusste Geldmengenpolitik mit ungleichen Verteilungswirkungen sowie die Rolle ausländischer Investitionen für die Entwicklung ärmerer Länder. Die Schlussvorlesung verbindet den Niedergang konstitutioneller Regierung mit der Herrschaft von Interessengruppen und vergleicht die Lage mit dem durch Interventionismus und Inflation zerfallenden Römischen Reich. Den Band gibt das Ludwig von Mises Institute mit Einleitung von Bettina Bien Greaves und Vorwort von Margit von Mises heraus.
"Conceived in Liberty" („In Freiheit gezeugt") ist Murray N. Rothbards erzählende Geschichte des kolonialen Amerikas und der Amerikanischen Revolution, hier vorgelegt in der zusammengeführten einbändigen Ausgabe, die alle vier ursprünglichen Bände vereint. Beginnend mit Europa am Ausgang des Mittelalters verfolgt das Werk die Gründung und das Wachstum der dreizehn Kolonien durch das 17. und 18. Jahrhundert hindurch und gipfelt im Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1784. In seinem Vorwort benennt Rothbard als Leitthema den wiederkehrenden Konflikt zwischen Freiheit und Staatsmacht und greift dabei auf Albert Jay Nocks Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher Macht und Staatsmacht sowie auf Lord Actons moralische Akzentsetzung zurück. Die Darstellung stellt die detaillierte faktische Erzählung wieder her, die nach Rothbards Auffassung von Überblickslehrbüchern verdrängt worden ist, und behandelt Grundbesitzverhältnisse, merkantilistische Beschränkungen, religiösen Dissens, Papiergeldinflation sowie die militärische und politische Geschichte der Revolution, einschließlich des Hinwirkens auf die Konföderationsartikel.
Zwei Aufsätze von Murray Rothbard, gemeinsam veröffentlicht als Cato Paper No. 4 (1979) mit einem Vorwort von Friedrich A. Hayek. Der erste, 'The Mantle of Science' (Der Mantel der Wissenschaft), argumentiert, dass der Szientismus, die unkritische Übertragung der Methoden der Naturwissenschaften auf die Untersuchung des menschlichen Handelns, selbst unwissenschaftlich ist, weil er das individuelle Bewusstsein und den freien Willen leugnet. Rothbard kritisiert mechanische Analogien (Servomechanismus, Modellbildung, Messung, die Verwendung der Mathematik) sowie organizistische Analogien, die Kollektive wie die 'Gesellschaft' als handelnde Entitäten behandeln. Der zweite Aufsatz, 'Praxeology as the Method of the Social Sciences' (Praxeologie als Methode der Sozialwissenschaften), legt die axiomatisch-deduktive Methode dar, die Ludwig von Mises als Praxeologie bezeichnete und die auf dem Axiom des zweckgerichteten menschlichen Handelns beruht, und stellt sie dem Positivismus gegenüber. Rothbard verfolgt diese Tradition über Say, Senior, Cairnes, Menger und Böhm-Bawerk und verteidigt den methodologischen Individualismus unter Bezugnahme auf Weber, Hayek und Schütz.
Conceived in Liberty ist Murray N. Rothbards mehrbaendige Erzaehlgeschichte der britischen Kolonien in Nordamerika und der Amerikanischen Revolution, hier als einbaendige Gesamtausgabe des Ludwig von Mises Institute (Erstausgabe 1979, vierbaendig 1999). Rothbard will, wie er im Preface erklaert, die in den ueblichen Lehrbuechern verlorene narrative Faktenebene der Geschichte zurueckgewinnen und ordnet das Material um den von ihm als zentral gesetzten Dauerkonflikt zwischen Liberty und Power, zwischen Gesellschaft und Staat. Band 1 behandelt das siebzehnte Jahrhundert und die Gruendung der Kolonien, Band 2 die erste Haelfte des achtzehnten Jahrhunderts unter der 'salutary neglect', Band 3 den Weg zur Revolution von 1760 bis 1775 und Band 4 den Revolutionskrieg samt seiner politischen und finanziellen Geschichte. Methodisch beruft sich Rothbard ausdruecklich auf Ludwig von Mises (Theory and History), Lord Acton und Albert Jay Nock. Die Darstellung ist chronologisch und kolonieweise gegliedert und mit umfangreichen bibliographischen Essays je Band versehen.
Der Lexikonartikel zeichnet die Geschichte des politischen Liberalismus von seinen Anfaengen im England des 17. Jahrhunderts bis zu seiner Neubelebung im 20. Jahrhundert nach. Hayek unterscheidet zwei Straenge: die englische Tradition der Whigs, die er ueber die drei Grundsaetze Meinungsfreiheit, Herrschaft des Gesetzes und Sondereigentum bestimmt, und den rationalistischen Liberalismus der franzoesischen Revolution, der das Vertrauen in die gewachsene gesellschaftliche Ordnung durch das Vertrauen in einen von der Vernunft ausgedachten Plan ersetzt. Ein eigener Abschnitt behandelt den kurzen politischen Liberalismus in Deutschland und seinen Verfall unter Bismarck. Der Schlussteil schildert den Niedergang des Liberalismus bis zum Ersten Weltkrieg und seine Wiederbelebung durch Autoren wie Mises, Lippmann, Roepke und Eucken, deren neuer Liberalismus den Zusammenhang von wirtschaftlicher und politischer Ordnung betont. Eine umfangreiche Literaturliste schliesst den Artikel ab.
The Primacy of Entrepreneurial Discovery, in Institute of Economic Affairs, [Readings 23] Prime Mover of Progress: The Entrepreneur in Capitalism and Socialism
Dieser von Israel M. Kirzner herausgegebene Sammelband versammelt die Beitraege einer 1981 an der New York University zum 100. Geburtstag von Ludwig von Mises veranstalteten Konferenz. Achtzehn Aufsaetze und formale Kommentare, geordnet in neun Aufsatz-Kommentar-Paare plus eine Einleitung, behandeln vier Themenfelder der Misesschen Oekonomik: die Wahl der oekonomischen Methode, das Wesen menschlichen Handelns, den Charakter des Marktprozesses und das Misessche System als Rahmen angewandter Theorie. Wiederkehrende Streitfragen sind der Subjektivismus (von Menger ueber Mises bis Shackle), die apriorische Praxeologie im Licht von Lakatos' Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme, das Verhaeltnis von Gleichgewicht und Marktprozess, die Theorie des Unternehmertums sowie Monopol-, Interventionismus- und Geldtheorie. Zu den Beitragenden zaehlen unter anderem James M. Buchanan, Ludwig M. Lachmann, Murray N. Rothbard, Gerald P. O'Driscoll, Leland B. Yeager und Israel M. Kirzner. Der Band dokumentiert die innere Vielfalt und die offenen Kontroversen der modernen Oesterreichischen Schule um 1980.
Murray Rothbards 'The Ethics of Liberty' (1982) entwickelt eine systematische, naturrechtlich begruendete Theorie der Freiheit, deren Kern das Prinzip des Selbsteigentums und der urspruenglichen Aneignung (Homesteading) bildet. Aus dem Eigentumsbegriff leitet Rothbard deduktiv ein vollstaendiges libertaeres Rechtssystem ab: die Theorie von Eigentum und Verbrechen, Vertraegen als Eigentumsuebertragung, Strafe und Proportionalitaet sowie die Rechte von Kindern. Das Werk gliedert sich in fuenf Teile, vom naturrechtlichen Fundament ueber eine am Crusoe-Modell entwickelte Theorie der Freiheit und eine Kritik des Staates bis zu einer Auseinandersetzung mit alternativen Freiheitstheorien (Mises, Hayek, Berlin, Nozick) und einer Strategie zur Verwirklichung einer freien Gesellschaft. Die Ausgabe enthaelt eine ausfuehrliche Einleitung von Hans-Hermann Hoppe, die Rothbards Methode und ihre Stellung in der naturrechtlichen Tradition einordnet.
Staatsausgaben fuer produktive Arbeitsplätze? Über die Wirkungen von Beschäftigungsprogrammen, Orientierungen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik
Uncertainty, Discovery and Human Action: A Study of the Entrepreneurial Profile in the Misesian System, in Israel M. Kirzner, ed., Method, Process and Austrian Economics: Essays in Honor of Ludwig von Mises
Hans-Hermann Hoppe argumentiert, dass eine kausalwissenschaftliche, prognostizierende Sozialforschung logisch unmoeglich ist. Den Kern bildet der Nachweis, dass die Behauptung, man betreibe als Sozialwissenschaftler Kausalforschung, im Widerspruch zu dem apriori gueltigen, argumentativ nicht bestreitbaren Satz steht, dass Menschen lernen koennen. Daraus zieht Hoppe zwei Konsequenzen: Als empirische Disziplin koenne Sozialforschung nur rekonstruierend verfahren, in Analogie zur Grammatik einer Sprache; daneben sei eine aprioristische Handlungswissenschaft moeglich, deren Muster die Oekonomie ist. Das erste Kapitel entwickelt die Unmoeglichkeitsthese am Beispiel der Regressionsanalyse und des Konstanzprinzips, das zweite begruendet die Soziologie als rekonstruierende Handlungsgrammatik, das dritte die Oekonomie als apriorische Wissenschaft und illustriert sie an Grenznutzentheorem, Ertragsgesetz und der Konjunkturtheorie. Hoppe knuepft erklaertermassen an Mises und die oesterreichische Schule an und setzt sich mit Popper, Hume und Kant auseinander.
Murray Rothbards 1984 erschienener Essay liest die amerikanische Aussen- und Geldpolitik vom Buergerkrieg bis zur Reagan-Aera als Geschichte konkurrierender Finanzeliten, vor allem des Hauses Morgan und der Rockefeller-Interessen. Mit methodologischem Individualismus und einer libertaeren Klassenanalyse fuehrt Rothbard Praesidenten, Kabinettsmitglieder und Diplomaten auf ihre Bank- und Konzernverbindungen zurueck, von Cleveland und Theodore Roosevelt ueber Wilsons Kriegseintritt 1917 und die Gruendung der Federal Reserve bis zu Council on Foreign Relations und Trilateral Commission. Die These: nicht die Parteizugehoerigkeit, sondern die Finanzverbindungen eines Regimes bestimmen seinen Kurs, und Investmentbanker neigen strukturell zum Etatismus. Der Band enthaelt einleitende Essays von Anthony Gregory (2011) und Justin Raimondo (1995) sowie eine Bibliographie. Die Argumentation stuetzt sich auf die oesterreichische Konjunkturtheorie und die revisionistische Wirtschaftsgeschichte Gabriel Kolkos.
Hans F. Sennholz argumentiert in "Money and Freedom" (Geld und Freiheit; Libertarian Press, 1985), dass gesundes Geld- und Bankwesen, wie er es formuliert, nicht unmöglich, sondern lediglich illegal sei. Das Buch plädiert für die monetäre Freiheit: die Aufhebung der Gesetze über das gesetzliche Zahlungsmittel, die Abschaffung des Geldmonopols der Federal Reserve und die Zulassung konkurrierender Währungen, damit der Einzelne das Tauschmittel wählen kann, dem er vertraut. Nach einer Einleitung über den weltweiten Dollar-Standard und die wachsende internationale Verschuldung verortet Teil I die Ursachen des wirtschaftlichen Zerfalls im Zentralbankwesen und im Annahmezwang des gesetzlichen Zahlungsmittels. Teil II kritisiert die vorherrschenden Reformschulen als falsche Lösungen: die Monetaristen um Milton Friedman, die Vertreter der Angebotsökonomik (Mundell, Laffer, Wanniski, Kemp), die eine gesteuerte Goldpreisregel befürworten, sowie die Social-Credit-Bewegung. Teil III legt die Alternative des Autors dar, einen Parallelstandard, der auf Wahlfreiheit beruht und sich auf die Tradition des Goldstandards sowie auf Vorschläge von F. A. Hayek und Ron Paul stützt.
Hans-Hermann Hoppe entfaltet in fuenf in sich abgeschlossenen Studien und einem Anhang die These, dass sich normative Gesellschaftstheorien streng begruenden lassen und dass die einzige rechtfertigbare Ordnung der individualistische Privateigentums-Anarchismus ist, den Hoppe mit einem hundertprozentigen Kapitalismus bzw. einer reinen Privatrechtsgesellschaft gleichsetzt. Argumentiert wird, dass die Existenz eines Staates, auch eines liberalen Minimalstaates, weder moralisch noch oekonomisch begruendbar sei, weil sie auf zwangsweiser Besteuerung beruht. Grundlage der Beweisfuehrung sind das Gewaltausschlussprinzip und das Recht auf urspruengliche Appropriation. Die Studien behandeln die Begruendbarkeit von Normen, die Theorie der sozialen Wohlfahrt und Wohlfahrtsmessung, die Grundlagen der Eigentumstheorie sowie eine Theorie wirtschaftlicher und staatlicher Ordnungen. Hoppe setzt sich dabei mit der von Hobbes bis Nozick reichenden Tradition politischer Theorie, mit der Theorie oeffentlicher Gueter und mit Humes Eigentumslehre auseinander; das Buch erschien 1987 im Westdeutschen Verlag.
Die verhängnisvolle Anmaßung argumentiert, dass die menschliche Zivilisation auf dem beruht, was Hayek die erweiterte Ordnung menschlicher Zusammenarbeit nennt, gemeinhin Kapitalismus genannt, eine Ordnung, die nicht durch bewusste Gestaltung entstand, sondern durch die evolutionäre Auslese überlieferter moralischer Praktiken, die Eigentum, Ehrlichkeit, Vertrag und Tausch regeln. Hayek macht geltend, dass der Sozialismus auf einem sachlichen Irrtum beruht: dem Glauben, die Vernunft könne diese Ordnung bewusst gestalten oder ersetzen. Das Buch vertritt die Auffassung, dass die Moral zwischen Instinkt und Vernunft steht, dass sie erlernt und nicht erfunden wird, und dass das verstreute Wissen, das durch Marktpreise koordiniert wird, von keiner zentralen Instanz gesammelt werden kann. Über neun Kapitel hinweg verfolgt es die Ursprünge von Freiheit und Eigentum, die Entwicklung des Handels, die rationalistische Auflehnung gegen die Tradition, die Rolle von Geld und Sprache, das Verhältnis zwischen Bevölkerungswachstum und Marktordnung sowie die Funktion der Religion bei der Bewahrung der Tradition. Herausgegeben von W. W. Bartley III, setzt sich das Werk mit Denkern von Aristoteles bis Keynes, Einstein und Marx auseinander.
Hans-Hermann Hoppe entwickelt eine systematische Theorie von Sozialismus und Kapitalismus auf Grundlage einer Eigentumstheorie. Sozialismus definiert er als institutionalisierte Aggression gegen privates Eigentum, Kapitalismus als ein auf Erstaneignung und vertraglichem Tausch beruhendes System; reale Gesellschaften liegen graduell zwischen beiden Polen. Aufbauend auf der 'natural theory of property' analysiert das Werk vier Spielarten des Sozialismus, russischer (marxistischer) Stil, sozialdemokratischer Umverteilungs-Stil, der Sozialismus des Konservatismus und der des Social Engineering, und leitet fuer jede einen relativen Verarmungseffekt ab. Argumentiert wird vorwiegend deduktiv, mit illustrativen Vergleichen wie West- und Ostdeutschland; eigene Kapitel widmen sich der ethischen Rechtfertigung des Kapitalismus, der sozialpsychologischen Theorie des Staates sowie den Problemen von Monopol und oeffentlichen Guetern. Das Buch erschien in der Reihe Studies in Austrian Economics des Ludwig von Mises Institute und verweist als erklaerten Bezugspunkt insbesondere auf Murray N. Rothbard und Ludwig von Mises.
Die von Bettina Bien Greaves herausgegebene Anthologie versammelt 47 kurze Aufsätze, Vorträge und Rezensionen von Ludwig von Mises, die zwischen 1942 und 1973 in Zeitschriften wie The Freeman, National Review und Christian Economics erschienen. In vier Teilen behandelt sie die wirtschaftliche Freiheit (PART I), den Interventionismus (PART II), Mises als Kritiker fremder Werke (PART III) sowie das Verhältnis von Ökonomie und Ideen (PART IV). Wiederkehrende Thesen sind die Souveränität der Konsumenten in der Marktwirtschaft, die Rolle von Sparen und Kapitalbildung für steigende Löhne, die zerstörerische Wirkung von Inflation und Kreditexpansion sowie die Kritik an Marx und Keynes. Mises argumentiert, dass Interventionismus kein dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus ist, sondern zwangsläufig zum Sozialismus führt. Jedem Beitrag ist die ursprüngliche Quelle als Nachweis beigegeben; ein Sachregister erschließt den Band.
The Meaning of Market Process, in A. Bosch, P. Koslowski, and R. Veit, eds., General Equilibrium or Market Process: Neoclassical and Austrian Theories of Economics
The Market Process: An Austrian View in K. Groenveld, J.A.M. Maks, and J. Muysken, eds., Economic Policy and the Market Process, Austrian and Mainstream Economics
Carl Menger und die subjektivistische Tradition in der Ökonomie (translated from original English text contributed expressly for this volume) in Horst Claus Recktenwald, eds. Carl Mengers wegweisendes Werk
Diese Aufsatzsammlung von Israel M. Kirzner (Routledge, 1992) buendelt dreizehn Beitraege zur modernen oesterreichischen Schule der Nationaloekonomie. Leitthese ist, dass der Markt als systematischer Entdeckungsprozess zu verstehen ist, getragen von unternehmerischer Findigkeit, die Wissensluecken schliesst und so eine nie vollendete, aber stets wirksame Tendenz zur Koordination erzeugt. Kirzner verortet diesen Ansatz als 'Mittelweg' zwischen der neoklassischen Gleichgewichtsoekonomik und der radikal subjektivistischen Kritik und verteidigt ihn gegen Einwaende von Loasby, Kregel, Buchanan und Vanberg. Teil I entwickelt die Marktprozess-Theorie, Teil II zeichnet die Entstehung der oesterreichischen Sicht von Menger bis Mises und Hayek nach, Teil III behandelt Wissensproblem, Preissystem und Wohlfahrtsoekonomik, Teil IV widmet sich Eigeninteresse sowie Eigentum und Gerechtigkeit im Kapitalismus. Mehrere Kapitel erschienen zuvor in Festschriften, Lexika und Zeitschriften, hier zusammengefuehrt und gerahmt.
Diese zweite, erweiterte Auflage versammelt fuenfzehn Aufsaetze von Hans-Hermann Hoppe zu Oekonomie und Philosophie des Privateigentums, gewidmet seinem Lehrer Murray N. Rothbard. Der oekonomische Teil behandelt die Theorie oeffentlicher Gueter, Steuern, Geld- und Bankwesen, marxistische und oesterreichische Klassenanalyse, eine misesianische Kritik an Keynes sowie die Frage nach Moeglichkeit und Folgen des Fiat-Geldes. Der philosophische Teil begruendet die Praxeologie als Fundament der Erkenntnistheorie, kritisiert kausalwissenschaftliche Methoden in den Sozialwissenschaften und entwickelt eine apriorische, argumentationsethische Rechtfertigung des Privateigentums. Hoppe argumentiert durchgaengig deduktiv aus dem Handlungsbegriff und in der Tradition von Mises und Rothbard. Ein Anhang antwortet auf vier kritische Repliken zu seiner Argumentationsethik. Die Aufsaetze erschienen zuvor einzeln, unter anderem im Journal of Libertarian Studies und im Review of Austrian Economics.
The Pure Time Preference Theory of Interest: An Attempt at Clarification, in J.M. Herbener, ed., The Meaning of Ludwig von Mises: Contributions in Economics, Sociology, Epistemology, and Political Philosophy
Dieser Band versammelt einundzwanzig Aufsätze von Ludwig M. Lachmann, entstanden zwischen 1936 und 1991 und herausgegeben von Don Lavoie, die eine radikal subjektivistische Fassung der österreichischen Nationalökonomie entwickeln. Zwei Themen kehren wieder: die Bedeutung, die Institutionen wie Geld, Recht und Finanzmärkte für die handelnden Individuen besitzen, die ihre Pläne an ihnen ausrichten, und die notwendig auseinanderlaufenden Erwartungen, die den Handel an den Vermögensmärkten antreiben. Teil I behandelt Unsicherheit, Liquiditätspräferenz und den Konjunkturzyklus, darunter Lachmanns Argument für eine eigenständige „sekundäre Depression“. Teil II entfaltet die Heterogenität des Kapitals und die Rückwirkungen der Investitionen. Teil III nimmt den Niedergang der österreichischen Schule in den 1930er Jahren erneut in den Blick, unter anderem die Hayek-Sraffa-Kontroverse und den Streit mit Knight über das Kapital. Teil IV wendet den Subjektivismus auf Menger, Mises, Shackle und die Deutung von Institutionen an und schließt mit einem programmatischen Plädoyer für eine hermeneutische Ökonomik. Eine Einleitung des Herausgebers ordnet die Aufsätze ein.
In "The Case Against the Fed" (Die Argumente gegen die Fed) vertritt Murray N. Rothbard die These, dass die Federal Reserve die alleinige institutionelle Quelle der chronischen Preisinflation in den Vereinigten Staaten sei und dass das System abgeschafft werden sollte. Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Zunächst entwickelt Rothbard eine Geldtheorie, in der er das Geld aus dem Tausch am Markt und aus Gold ableitet, und stellt anschließend das Teilreservebanking als eine Form legalisierter Falschmünzerei dar, die die Geldmenge aufbläht, Vermögen von den späten zu den frühen Empfängern des neuen Geldes umverteilt und Aufschwünge und Zusammenbrüche hervorbringt. Im zweiten Teil liefert er eine revisionistische Geschichtsschreibung darüber, wie ein Bankenkartell, angeführt von den Morgan- und Rockefeller-Interessen, die Schaffung der Fed während der Progressive Era orchestrierte, was im Treffen auf Jekyll Island 1910 und im Federal Reserve Act von 1913 gipfelte. Das Werk schließt mit einem konkreten Vorschlag, die Fed aufzulösen und zu einem Goldmünzenstandard zurückzukehren. Erschienen beim Ludwig von Mises Institute, stützt es sich ausdrücklich auf die Geldtheorie der Österreichischen Schule.
The Limits of the Market: The Real and the Imagined, in W. Moschel, M. Streit and U. Witt, eds., Marktwirtschaft und Rechtsordnung: Festschrift zum 70, Geburtstag von Prof. Dr. Erich Hoppmann
Die Argumente müssen zum Sieg führen. Ein rätselhaftes Interview mit Professor Ludwig von Mises, in: liberal, Vierteljahreshefte der Friedrich-Naumann-Stiftung
Der Band versammelt vier Aufsaetze Israel M. Kirzners zur Kapital- und Zinstheorie, geschrieben aus der subjektivistischen Tradition Carl Mengers und Ludwig von Mises'. Den Kern bildet 'An Essay on Capital' (1966), das Kapital nicht ueber physische Eigenschaften, sondern ueber die Stellung von Guetern in mehrperiodigen individuellen Plaenen bestimmt; Kirzner kritisiert daran die Auffassungen von Knight, Haavelmo und Hicks sowie die Behandlung von Kapital, Wartezeit und Kapitalmessung. Die uebrigen Essays behandeln Mises' Beitrag zur Kapital- und Zinstheorie und verteidigen die reine Zeitpraeferenztheorie des Zinses (Fetter, Mises) gegen produktivitaetstheoretische Einwaende, unter Bezug auf die Cambridge-Kontroverse und Samuelsons Reis-Beispiel. Kirzner ordnet seinen Ansatz ausdruecklich der oesterreichischen Schule zu und grenzt ihn gegen die Fisherianische Produktivitaetsdeutung des Zinses ab.
Band 3 der von Richard M. Ebeling herausgegebenen Selected Writings of Ludwig von Mises (Liberty Fund, 2000) versammelt zehn Vortraege und Denkschriften, die Mises ueberwiegend in seinen ersten Jahren nach der Emigration in die USA (1940 bis 1944) verfasste. Gemeinsames Thema ist der internationale Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Mises fuehrt die Katastrophe des Krieges auf den oekonomischen Nationalismus der Zwischenkriegszeit zurueck und argumentiert, dass dauerhafter Frieden und Wohlstand nur ueber eine Rueckkehr zu Freihandel, privatem Eigentum und einem an Gold gebundenen Geldsystem moeglich sind. Behandelt werden unter anderem die wirtschaftliche Lage des Nachkriegseuropas, ein nichtinflationaerer Vorschlag fuer eine 100-Prozent-Golddeckung, eine paneuropaeische Union, Richtlinien fuer den Wiederaufbau Oesterreichs, eine osteuropaeische Foederation und Mexikos Entwicklungsprobleme. Eine umfangreiche redaktionelle Einleitung Ebelings ordnet Leben, Werk und Argumentation ein.
"The Irrepressible Rothbard" (etwa: „Der unbändige Rothbard") versammelt die journalistischen Essays und Kolumnen, die Murray N. Rothbard zwischen 1990 und 1995 für "The Rothbard-Rockwell Report" schrieb; herausgegeben und eingeleitet wurde der Band von Llewellyn H. Rockwell Jr. Die Beiträge plädieren für einen radikalen, antietatistischen Libertarismus, der mit der Old Right und dem Paläokonservatismus verbündet ist und sich gegen das richtet, was Rothbard die herrschende Elite und ihre neokonservativen und sozialdemokratischen Apologeten nennt. Die einleitenden Essays legen eine Strategie des Rechtspopulismus dar; spätere Abschnitte widmen sich der Wahlpolitik, dem Golfkrieg und der Auslandsintervention der USA, der Nationalitätenfrage nach dem Kalten Krieg, dem Kulturkampf, dem Feminismus, der Regierung Clinton und einer abschließenden Reihe von Filmkritiken. Durchgehend misst Rothbard jede politische Maßnahme und jeden Politiker an einem einzigen Maßstab: ob sie sich der Freiheit nähern oder von ihr entfernen. Der Band bündelt kurze, polemische Kommentare statt der förmlichen ökonomischen Abhandlungen, für die er sonst bekannt ist.
In "Democracy: The God That Failed" (Demokratie: Der Gott, der versagte) entwickelt Hans-Hermann Hoppe einen revisionistischen Vergleich von Monarchie, Demokratie und einer staatenlosen „natürlichen Ordnung", die auf Privateigentum gründet. Indem er die Monarchie als Regierung in Privateigentum und die Demokratie als Regierung in öffentlichem Eigentum rekonstruiert, argumentiert er, der historische Übergang von Königen zu gewählten Herrschern habe die Zeitpräferenz erhöht, den Kapitalkonsum begünstigt und bedeute einen zivilisatorischen Niedergang statt Fortschritt. Die dreizehn in sich geschlossenen Kapitel, die meisten aus Konferenzbeiträgen entwickelt, behandeln Besteuerung, Schulden, Inflation, Krieg, Umverteilung, Zentralisierung und Sezession, Sozialismus und Privatisierung, Einwanderung und Freihandel, Konservatismus und Libertarismus sowie die Unmöglichkeit einer begrenzten Regierung. Durchgehend stützt sich Hoppe ausdrücklich auf die österreichische Wirtschaftstheorie sowie auf Ludwig von Mises und Murray N. Rothbard und stellt seine Argumentation als praxeologisch statt empirisch dar. Er schlägt Sezession, Privatisierung und die Delegitimierung demokratischer Herrschaft als Weg hin zu einer Privatrechtsgesellschaft vor.
Dieser zweite Band von Ludwig von Mises' "Selected Writings" (Ausgewählte Schriften), herausgegeben von Richard M. Ebeling, versammelt Artikel, Memoranden und Essays, die der österreichische Ökonom zwischen 1918 und 1938 verfasste und die größtenteils aus seinen Papieren stammen, die von der Gestapo in Wien beschlagnahmt und später aus einem Moskauer Archiv geborgen wurden. Die einundvierzig Beiträge behandeln den Währungszusammenbruch und die Hyperinflation nach der Auflösung Österreich-Ungarns, die Ausgestaltung des Zentralbankwesens und der Währungsreform, die Fiskal- und Interventionspolitik Österreichs in der Zwischenkriegszeit sowie die sich vertiefende Krise der Großen Depression. Weitere Essays verteidigen den Goldstandard gegen Vorschläge für eine gelenkte Währung, kritisieren Autarkie und Wirtschaftsnationalismus, legen die Methode der Sozialwissenschaften erneut dar und bekräftigen Mises' Argument, dass rationale Wirtschaftsrechnung unter sozialistischer Zentralplanung unmöglich sei. Eine ausführliche Einleitung des Herausgebers umreißt den historischen Kontext, und eine sowjetische Polemik gegen Mises beschließt den Band als Anhang.
Murray Rothbard rekonstruiert die Geld- und Bankengeschichte der USA von der Kolonialzeit bis zum Zweiten Weltkrieg und deutet sie konsequent durch die Brille der oesterreichischen Geldtheorie, womit er sich, wie Herausgeber Joseph Salerno in der Einleitung betont, bewusst von der quantitativ-positivistischen "new economic history" und von Friedman und Schwartz' "A Monetary History" absetzt. Statt Geldmengen-Statistik zu sammeln, fragt Rothbard nach Motiven und Nutzniessern und legt offen, welche Finanzinteressen hinter Papiergeld-Emissionen, der Ersten und Zweiten Bank der Vereinigten Staaten, dem National Banking System und der Gruendung der Federal Reserve standen. Das Werk besteht aus fuenf urspruenglich separat erschienenen Teilen: koloniale bis vortwentieth-century Geldgeschichte, die Urspruenge der Federal Reserve, die Fed von Hoover zu Roosevelt im Ringen zwischen Morgan- und Rockefeller-Interessen, der Gold-Devisen-Standard der Zwischenkriegszeit und die internationale Waehrungspolitik des New Deal bis Bretton Woods. Wiederkehrend ist die These, dass Gresham's Law, fraktionale Reservehaltung und staatlich gestuetzte Bankkartelle Inflation und Krisen erzeugten.
Der von Hans-Hermann Hoppe herausgegebene Sammelband (Ludwig von Mises Institute, 2003) bestreitet die zwei verbreiteten Annahmen, dass jedes Monopol konsumentenschaedlich sei und dass die Produktion von Sicherheit dennoch dem staatlichen Monopol vorbehalten bleiben muesse. Die elf Beitraege argumentieren, dass die zweite These falsch ist und Schutz wie jedes andere Gut privat und wettbewerblich erzeugt werden kann. Anknuepfend an Gustave de Molinari, dem der Band gewidmet ist, und an Murray Rothbard behandeln die Autoren die Historizitaet des Staates, Monarchie und Demokratie im Verhaeltnis zum Krieg, nukleare Proliferation, Soeldner, Milizen und Guerillas, das Privateering der Seekriegsfuehrung sowie Versicherungsmodelle privater Verteidigung und die Rolle der Sezession. Die Argumentation verbindet oesterreichische Oekonomie, Public-Choice-Theorie und historische Fallstudien und richtet sich gegen die Hobbessche Begruendung des Staates als Sicherheitsgaranten.
Gibt es eine Medizin gegen das Reformstau-Fieber? Kurzreferat, ausgelegt beim Symposion „Aufgabe und Bedeutung liberaler Publizistik“ bei der Tagung der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft
Das Geld der Knechtschaft und das Geld der Freiheit, in: Messeprogramm-Heft für die Internationale Fachmesse für Edelmetalle + Rohstoffe 2005 in München (Herausgeber: GoldSeiten.de),
Der Band versammelt fuenf zwischen 1923 und 1946 entstandene Arbeiten von Ludwig von Mises zu Geld, Kredit und Konjunktur, herausgegeben und uebersetzt von Percy L. und Bettina Bien Greaves. Im Zentrum steht die Zirkulationskredit-Theorie des Konjunkturzyklus: Boom und Krise entstehen, wenn Banken den Geldzins durch Ausweitung ungedeckter Umlaufsmittel kuenstlich unter den natuerlichen Zins druecken, was Fehlinvestitionen und einen unvermeidlichen Abschwung nach sich zieht. Mises wendet diese Theorie auf die deutsche Inflation der fruehen 1920er, die Stabilisierungsdebatten um Fisher und Keynes sowie die Weltwirtschaftskrise an. Er kritisiert Plaene fuer einen 'stabilen' Geldwert und Indexstandards, verteidigt den Goldstandard und fuehrt die Dauer der Krise auf Eingriffe in Loehne, Preise und Zinsen zurueck. Die Aufsaetze argumentieren, dass nur freie Marktpreise und ein Verzicht auf Kreditexpansion die zyklischen Schwankungen mildern koennen.
Murray N. Rothbard erzaehlt die Geschichte der amerikanischen 'Old Right', einer losen Koalition von Gegnern des New Deal im Innern und der Intervention im Aeusseren, und ihrer Verdraengung durch eine antikommunistisch und militaristisch gepraegte 'New Right'. Die zentrale These: nicht erst die Neoconservativen, sondern die Gruendung von National Review 1955 verkehrte den alten, marktliberalen und isolationistischen Rechts-Fluegel in sein Gegenteil, eine 'Revolution innerhalb der Form'. Rothbard verbindet diese Ideengeschichte mit einer Teil-Autobiographie: von Mencken, Nock, Chodorov und dem Mises-Seminar ueber seinen Weg zum Anarchokapitalismus bis zum Buendnis mit der New Left der 1960er. Das Werk erschien 2007 beim Ludwig von Mises Institute mit einer Einleitung von Thomas E. Woods, Jr.; das Manuskript stammt aus den 1970er Jahren, ergaenzt um ein Kapitel von 1991.
Eine Synthese aus acht bis zehn Vortraegen, die Ludwig von Mises in den 1960er Jahren bei FEE-Seminaren in Irvington hielt; Bettina Bien Greaves nahm sie stenografisch auf, transkribierte sie und fasste sie 2010 zu einem zusammenhaengenden Text in 20 Kapiteln zusammen. Mises entwickelt Geld als reines Marktphaenomen: Es entsteht aus dem indirekten Tausch und nicht aus staatlicher Anordnung, und die Rolle des Staates beschraenkt sich darauf, den Inhalt von Vertraegen zu sichern. Den Goldstandard begruendet er nicht aesthetisch, sondern damit, dass die Goldmenge der Manipulation durch Regierungen entzogen ist. Inflation definiert er als die Vermehrung der Geldmenge, nicht als die daraus folgenden Preissteigerungen, und zeigt, wie sie vor allem die Ersparnisse der Mittel- und Arbeiterschicht entwertet. Historische Faelle reichen von der roemischen Muenzverschlechterung unter Diocletian ueber die deutsche Hyperinflation 1923 bis zu Bretton Woods und den Sonderziehungsrechten des IWF. Greaves' Editor-Fussnoten ordnen Personen, Daten und Ereignisse ein.
Strictly Confidential versammelt ueber vierzig zuvor unveroeffentlichte Memoranden, Buchbesprechungen und Briefe, die Murray N. Rothbard um 1956 bis 1962 fuer den William Volker Fund verfasste; herausgegeben von David Gordon, 2010 beim Mises Institute erschienen, mit einem Vorwort von Brian Doherty. Eroeffnet wird mit dem vertraulichen Strategiepapier "What Is to Be Done?", in dem Rothbard fragt, wie sich eine libertaere Gesellschaft schaffen laesst, und eine bewusst militante, an Lenin geschulte Taktik des Aufbaus eines libertaeren "hard core" gegen die Verwaesserung durch den Konservatismus fordert. Die uebrigen Stuecke sind nach politischer Theorie, Geschichte, Oekonomie, Aussenpolitik und Literatur geordnet. Wiederkehrende Themen sind die Abgrenzung des Libertarismus vom Anarchismus und vom National-Review-Konservatismus, eine revisionistische, nicht-interventionistische Aussenpolitik sowie die Kritik an Keynes, an Irving Fishers Tauschgleichung und an der Chicago-Schule.
Geiselhaft statt Schuldhaftung. Ordnungspolitik: Die Haftung des Steuerzahlers für konkursreife Finanzkonzerne und Staaten setzt ein entscheidendes Grundprinzip der Marktwirtschaft außer Kraft, in: Junge Freiheit
Dieser Sammelband des Mises Institute vereint einundfünfzig Aufsätze von Murray N. Rothbard, die in sieben thematische Abschnitte gegliedert sind: ökonomische Methode, die Wiener Schule, Eigentum und der öffentliche Sektor, Besteuerung, Handel und Freiheit, Geld und Wirtschaftsrechnung sowie Kritik an konkurrierenden Ökonomen. Der methodologische Kern verteidigt die Praxeologie, die deduktive Ableitung ökonomischer Gesetze aus dem Axiom des zweckgerichteten menschlichen Handelns, gegen den Positivismus, die mathematische Modellbildung und die aus der Physik entlehnte empirische Überprüfung. Rothbard wendet diesen Rahmen auf die Wohlfahrtsökonomik, auf Eigentumsrechte und die Haftung für Umweltverschmutzung, auf die Inzidenz und die angebliche Neutralität der Besteuerung, auf den Merkantilismus, auf die Geldtheorie der Wiener Schule sowie auf die Sozialismus-Debatte an. Der abschließende Abschnitt kritisiert Milton Friedman, Paul Samuelson, Robert Heilbroner und den Public-Choice-Ansatz von Buchanan und Tullock. Eine Einleitung von Gene Epstein ordnet den Band als Begleitwerk zu Rothbards Abhandlung "Man, Economy, and State" (Mensch, Wirtschaft und Staat) ein, und das Buch schließt mit einer Bibliographie und einem Register.
Die zweite erweiterte Auflage von "The Great Fiction" (Mises Institute, 2021) versammelt 31 Aufsaetze, Vortraege und Interviews Hans-Hermann Hoppes aus rund einem Vierteljahrhundert. Verbindendes Thema ist der Gegensatz von Privateigentum, definiert als exklusive Kontrolle ueber knappe Mittel, und Staat, definiert als territorialer Monopolist letzter Entscheidung samt Besteuerungsmacht. Hoppe leitet das Privateigentum und die Erstaneignung argumentationsethisch ab und entwickelt daraus eine Verteidigung der privatrechtlich verfassten, staatenlosen Gesellschaft. Die fuenf Teile behandeln die soziale Evolution von der neolithischen zur industriellen Revolution, Geld und Zentralbankwesen, private Produktion von Verteidigung, die methodologischen Grundlagen der oesterreichischen Schule (Apriorismus, Wahrscheinlichkeit, Praxeologie) sowie die Geistesgeschichte um Mises, Rothbard und Hayek. Mehrere Beitraege behandeln Demokratie, Zentralisierung, Sezession und Migration. Den Band rahmen ein Vorwort von Jeff Deist und ein Nachwort von Stephan Kinsella.
Die Liberty-Fund-Ausgabe (2012) versammelt als Band 1 der von Richard M. Ebeling herausgegebenen "Selected Writings of Ludwig von Mises" 29 Aufsaetze, Vortraege und Denkschriften Mises' zur Geld-, Finanz- und Handelspolitik aus den Jahren vor, waehrend und nach dem Ersten Weltkrieg, ergaenzt um zwei Anhaenge. Eine ausfuehrliche Einleitung des Herausgebers ordnet die Texte in die Geschichte der Habsburgermonarchie, des oesterreichischen Waehrungssystems von 1867 bis 1914 und der Nachkriegs-Hyperinflation ein. Die in vier Teile gegliederten Beitraege behandeln die Einfuehrung des Goldstandards in Oesterreich-Ungarn, die Devisenpolitik der Oesterreichisch-Ungarischen Bank, Kriegsfinanzierung durch Steuern, Anleihen oder Inflation, die Auswanderungsfrage, die Sanierung der oesterreichischen Waehrung nach 1918 sowie Mises' Kritik des Interventionismus. Die meisten Stuecke stammen aus den "verschollenen Papieren" Mises', die 1996 in einem Moskauer Archiv gefunden wurden, und erscheinen hier erstmals auf Englisch.
Hans-Hermann Hoppes Essay (Mises Institute, 2014, mit einer Einleitung von David Gordon) bietet eine theoretische statt empirische Rekonstruktion der Staatsentstehung: vom aristokratischen Naturzustand ueber die Monarchie zur Demokratie. Ausgangspunkt ist das Problem der Knappheit, das interpersonelle Konflikte erzeugt; rationale Menschen, so Hoppe, einigen sich auf Eigentum am ersten ungestoerten Besitz und wenden sich zur Streitschlichtung an eine natuerliche Aristokratie freiwillig anerkannter Richter. Der entscheidende Bruch ist die Errichtung eines territorialen Monopols der letzten Entscheidung: Der feudale Koenig wird durch Buendnis mit dem Volk und den Intellektuellen zum absoluten, dann konstitutionellen Monarchen und schliesslich zur Demokratie. Hoppe deutet diese Entwicklung, die ueblich als Fortschritt gilt, als fortschreitende moralische und oekonomische Torheit, da der demokratische Verwalter im Gegensatz zum Eigentuemer-Koenig kurzfristig ausbeutet. Er verweist auf sein Werk Democracy: The God That Failed und schliesst mit der Hoffnung auf Dezentralisierung und Sezession.
In drei Essays unternimmt Hans-Hermann Hoppe den Versuch, drei Wendepunkte der Menschheitsgeschichte aus einer von ihm so genannten austro-libertären Perspektive zu erklären, indem er die Praxeologie von Mises mit dem naturrechtlichen Libertarismus von Rothbard verbindet. Der erste Essay leitet den gemeinsamen Ursprung von Privateigentum an Grund und Boden und der Familie aus der neolithischen Revolution her und stellt beides als rationale Lösung für den malthusianischen Druck dar, dem die Jäger und Sammler ausgesetzt waren. Der zweite vertritt die These, dass der Ausbruch aus der malthusianischen Falle um 1800, die Industrielle Revolution, nicht nur gesicherte Eigentumsrechte erforderte, sondern auch einen langen, selektiven Anstieg der menschlichen Intelligenz und eine niedrige Zeitpräferenz. Der dritte rekonstruiert den Staat als einen kumulativen Irrtum und verfolgt seinen Abstieg von einer natürlichen aristokratischen Ordnung über die absolute und die konstitutionelle Monarchie bis zur Demokratie, die Hoppe als Niedergang und nicht als Fortschritt deutet. Durchgehend wird die Geschichte als kontingent behandelt, doch zugleich durch praxeologisches und ethisches Gesetz gebunden.
Murray N. Rothbard untersucht in dieser 1959 verfassten Monografie, ob wissenschaftlicher Fortschritt staatliche Planung verlangt, und verneint dies. Seine zentrale These: Die Allokation von Ressourcen in Forschung und Technik ist ein ökonomisches Problem, das der freie Markt über das Preissystem effizienter löst als staatliche Lenkung. Vor dem Hintergrund des Sputnik-Schocks widerlegt er den behaupteten Mangel an Wissenschaftlern, die angebliche Knappheit privater Forschung und den Mythos, große Erfindungen erforderten staatlich gelenkte Großforschung. Er stützt sich dabei stark auf Jewkes, Sawers und Stillerman sowie auf John R. Baker zur sowjetischen Wissenschaft. Eigene Kapitel behandeln die Ineffizienz militärischer Staatsforschung, die Atomenergie, konkrete steuerpolitische Empfehlungen und die Automatisierung, deren Arbeitsplatzfolgen er gegen das Schreckbild der technologischen Arbeitslosigkeit verteidigt. Ein Epilog würdigt den Wert der Technologie für ein freies Leben.
Dieser schmale Sammelband versammelt zwei Texte von Murray N. Rothbard. Der längere Text, „A Genuine Gold Dollar" (ein echter Golddollar), argumentiert, dass sich Geld nur dann vom Staat trennen lässt, wenn man den Dollar selbst als ein festes Gewicht an Gold neu definiert, das auf Verlangen durch seinen Emittenten einlösbar ist. Rothbard lehnt Hayeks Plan ab, das Geld durch konkurrierende private Währungsnamen zu entnationalisieren, und vertritt die Auffassung, dass neue Namen nicht als Geld akzeptiert werden können, weil ein Tauschmittel dem Regressionstheorem zufolge aus einer zuvor bestehenden Ware hervorgehen muss. Ebenso lehnt er den Warenkorb bzw. „commodity dollar" (Warendollar) von Irving Fisher und anderen ab und beruft sich dabei auf das Fehlen eines einheitlichen Preisniveaus und auf das Wirken des Greshamschen Gesetzes. Der zweite Text, „Alan Greenspan: A Minority Report" (ein Minderheitsbericht, 1987), ist ein polemisches Porträt, das Greenspan als konservativen Keynesianer zeichnet, dessen erklärter Randianismus und dessen Sympathien für den Goldstandard sich in seiner tatsächlichen Politik nie niederschlagen. Das Mises Institute gab die beiden Texte 2016 gemeinsam heraus.
Getting Libertarianism Right (Mises Institute, 2018) versammelt vier Texte Hans-Hermann Hoppes, ueberwiegend Ansprachen vor der von ihm gegruendeten Property and Freedom Society, eingeleitet von Sean Gabb. Hoppe leitet die libertaere Lehre aus der Knappheit der Mittel und dem Selbsteigentum ab: Konflikte um knappe Gueter lassen sich nur vermeiden, wenn jede Ressource ueber urspruengliche Aneignung und freiwilligen Tausch eindeutig privatem Eigentum zugeordnet wird. Darauf aufbauend bezieht er Position fuer eine 'realistische' oder rechte Variante des Libertarismus, die empirische Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen anerkennt, und grenzt sich scharf von Links-Libertaeren ab. Weitere Beitraege behandeln Demokratie als Beschleuniger der 'De-Zivilisation', das Verhaeltnis von Libertarismus und Alt-Right samt einer populistischen Strategie fuer gesellschaftlichen Wandel, sowie eine persoenliche Wuerdigung Murray Rothbards. Der Band schliesst mit einem alphabetischen Index.
Hans-Hermann Hoppe rekonstruiert in zehn Vorlesungen die Weltgeschichte von unten her, vom Ursprung des Menschen bis zur Gegenwart, als interdisziplinäre Verbindung von Ökonomie, Anthropologie, Soziologie und Geschichte. Ausgangspunkt sind drei dem Menschen eigene Fähigkeiten: Sprache, Eigentum und Produktion. Darauf aufbauend entwickelt Hoppe die Ausbreitung der Menschheit, die Vertiefung der Arbeitsteilung, die Rolle von Geld, Zeitpräferenz und Kapitalbildung sowie ideologische und religiöse Einflüsse auf den Wohlstand der Nationen. Der zweite Teil behandelt die Produktion von Recht und Ordnung ohne Staat (Naturordnung), den parasitären Ursprung des Staates, den Übergang von der Monarchie zur Demokratie sowie Krieg und Imperialismus. Die Schlussvorlesung formuliert eine Strategie aus Sezession, Privatisierung und politischer Dezentralisierung. Der Band erschien 2021 beim Mises Institute und gibt die 2004 in Auburn gehaltenen Vorträge mit Vorwort von Sean Gabb wieder.