BIOGRAPHIE
Leben und Werk
Oskar Engländer wurde am 31. Oktober 1876 im böhmischen Pardubice in eine jüdische Familie geboren. Er studierte Rechtswissenschaft an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag und trat 1900 in den österreichischen Staatsbahn-Dienst ein. Aus dieser Praxis entstanden früh Arbeiten zum Eisenbahnrecht und zur Verkehrswissenschaft, mit denen er sich 1918 an der Prager Universität habilitierte.
Nach dem Ersten Weltkrieg verband Engländer eine ungewöhnliche Doppelkarriere: Von 1921 bis 1927 war er Direktor der Reichenberg-Tannwalder Eisenbahn-Gesellschaft, von 1924 bis 1927 zugleich Leiter der Studienabteilung des Prager Bankhauses Petschek & Co. Parallel lehrte er seit 1922 als ausserordentlicher Professor an der Deutschen Universität Prag Politische Ökonomie, Nationalökonomie und Finanzwissenschaft. 1927 erhielt er das Ordinariat, das er bis zu seinem Tod innehatte.
Intellektuell wurde Engländer durch Friedrich von Wieser und Robert Zuckerkandl an die Wiener Grenznutzenlehre herangeführt. Er rückte schrittweise von rechtswissenschaftlichen und verkehrstechnischen Themen zu reiner Theorie. Sein Aufsatz „Carl Mengers Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ in Schmollers Jahrbuch (1927) ist eine grundsätzliche Würdigung des Schulgründers. Die zweibändige „Theorie der Volkswirtschaft“ (Wien: Julius Springer 1929) wurde zu seinem Hauptwerk und behandelt Preisbildung, Geld und Kapital in einer eigenständigen, durch Schumpetersche und Wiesersche Motive ergänzten Synthese.
Obwohl in Prag verankert, blieb Engländer Teil des Wiener Diskussionszusammenhangs. Am 16. April 1931 trug er bei der Nationalökonomischen Gesellschaft Wien zu „Kritik der Preistheorien“ vor; Klausinger zählt ihn neben Adam Heydel und Johan Koopmans zu den wichtigen Gastvortragenden aus den ehemals deutschsprachigen Teilen des Habsburgerreiches. In den 1930ern erschienen weitere Arbeiten zu Konjunktur, Steuern und Währungspolitik. 1936 wurde ihm eine Festschrift zum 60. Geburtstag gewidmet, getragen von Fachkollegen, Freunden und Schülern aus Brünn, Leipzig und Wien. Engländer starb am 31. Dezember 1936 in Prag, kurz nach Erscheinen der Festschrift; sein Geld-Werk „Das Geld in Volks- und Weltwirtschaft“ erschien 1937 posthum. Er liegt auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag-Žižkov begraben.