BIOGRAPHIE
Leben und Werk
Franz Wilhelm Vleugels wurde am 17. Oktober 1893 in Saarburg geboren und studierte nach dem Ersten Weltkrieg an der 1919 neu gegründeten Universität zu Köln. Dort wurde er 1921 zum Dr. rer. pol. promoviert und habilitierte sich 1923 mit einer wirtschaftstheoretischen Schrift. Prägend für sein soziologisches Denken war Leopold von Wiese, der in Köln den ersten deutschen Lehrstuhl für Soziologie innehatte und das Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften leitete; Vleugels wird zur frühen Kölner Schule der Soziologie gezählt.
Ökonomisch positionierte sich Vleugels früh als Verteidiger der österreichischen Grenznutzentheorie. 1925 erschien „Das Ende der Grenznutzentheorie? Eine Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer“, eine Streitschrift gegen Oppenheimers Bodenrechtskritik der Grenznutzenlehre. 1930 folgte „Die Lösungen des wirtschaftlichen Zurechnungsproblems bei Böhm-Bawerk und Wieser“, erschienen in den Schriften der Königsberger Gelehrten-Gesellschaft. Das Werk wurde 1935 in der Wiener Zeitschrift für Nationalökonomie rezensiert und verschaffte ihm Anerkennung im engeren Umkreis der Wiener Schule, ohne dass eine institutionelle Bindung an das Mises-Privatseminar oder den Geist-Kreis bestand.
1928 wurde Vleugels in Köln ausserordentlicher Professor und im selben Jahr als Ordinarius an die Universität Königsberg berufen. In Königsberg geriet er in Konflikt mit den Nationalsozialisten, die ihn als politisch unzuverlässig einstuften, weil sein Institut nicht in ihrem Sinne für eine offensive Polen-Politik nutzbar war. 1934 wechselte er auf den Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Bonn. Im Dezember 1937 trat er der NSDAP bei und war förderndes Mitglied der SS, distanzierte sich nach Angaben der biografischen Sekundärliteratur jedoch zunehmend vom Nationalsozialismus.
Neben den massensoziologischen und wirtschaftstheoretischen Schriften veröffentlichte Vleugels unter seinem vollen Namen Franz Wilhelm Vleugels auch literarische Nachdichtungen römischer Lyriker, darunter eine Ausgabe der Elegien des Sextus Propertius. Er starb am 19. März 1942 in Bonn im Alter von 48 Jahren.