Edinburgh, Hauptstadt Schottlands und Universitätsstadt der Schottischen Aufklärung, wurde ab 1939 zum Exil- und Lebensort von Marianne von Herzfeld, einer der wenigen Frauen aus dem Wiener Mises-Privatseminar.
Edinburgh, seit dem 14. Jahrhundert Hauptstadt Schottlands, prägte als Zentrum der Schottischen Aufklärung um David Hume und Adam Smith den europäischen Geistes- und Wirtschaftsdiskurs und trägt bis heute den Beinamen Athen des Nordens. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde Marianne von Herzfeld in Wien von den Nationalsozialisten kurzzeitig inhaftiert und durfte das Land erst nach dem Tod ihrer Mutter verlassen. Sie folgte ihrer Cousine, der bekannten Chirurgin Gertrude Herzfeld, nach Edinburgh und leitete dort während des Krieges ein Heim für jüdische Flüchtlinge. Nach 1945 arbeitete sie an der University of Edinburgh eng mit David Talbot Rice zusammen, dem Inhaber des Watson Gordon Chair of Fine Art, und übersetzte Standardwerke der Kunstgeschichte aus dem Deutschen, darunter Konrad Onaschs Buch über Ikonen. Ihr Hauptwerk, die 1957 von Edinburgh University Press veröffentlichten Letters from Goethe (mit C. Melvil Sym), fasste 595 Briefe aus Goethes Korrespondenz auf Englisch zusammen und bleibt eine wichtige Quellenedition. Edinburgh war damit für eine der wenigen weiblichen Stimmen des Wiener Mises-Kreises über fast vier Jahrzehnte akademische Heimat.