Die Theorie des Tausches
1. Die Grundlagen des wirtschaftlichen Tausches
„Ob die Neigung der Menschen, zu handeln, zu schachern und eine Sache gegen eine andere auszutauschen, eines der ursprünglichen Prinzipien der menschlichen Natur sei oder ob sie die notwendige Folge der Fähigkeiten der Vernunft und der Rede sei", oder welche anderen Ursachen die Menschen zum Austausch von Gütern bewegen, ist eine Frage, die Adam Smith unbeantwortet ließ. Der bedeutende Denker bemerkt nur, es sei gewiss, dass die Neigung zum Schachern und Tauschen allen Menschen gemein sei und sich bei keiner anderen Tiergattung finde.63
Um zunächst das Problem zu verdeutlichen, nehme man an, zwei benachbarte Landwirte besäßen nach einer guten Ernte je einen großen Überfluss an derselben Art von Gerste, und dem tatsächlichen Austausch von Gerstenmengen zwischen ihnen stünden keine Hindernisse entgegen. In diesem Fall könnten die beiden Landwirte ihrer Neigung zum Handeln freien Lauf lassen und 100 Scheffel oder irgendeine andere Menge Gerste zwischen sich hin und her tauschen. Obwohl es keinen Grund gibt, warum sie in diesem Fall vom Handeln Abstand nehmen sollten, falls der Austausch von Gütern an sich den Beteiligten Vergnügen bereitet, glaube ich doch, dass nichts gewisser ist, als dass diese beiden Personen gänzlich auf den Handel verzichten werden. Sollten sie sich gleichwohl auf diese Art des Austausches einlassen, so liefen sie Gefahr, gerade wegen ihres Vergnügens am Handel unter solchen Umständen, von anderen wirtschaftenden Personen für wahnsinnig gehalten zu werden.
Man nehme nun an, ein Jäger besitze einen großen Überfluss an Pelzen und somit an Materialien für Kleidung, aber nur einen sehr geringen Vorrat an Nahrungsmitteln. Sein Bedürfnis nach Kleidung ist somit vollauf befriedigt, sein Bedürfnis nach Nahrung hingegen nur unzulänglich. Ein nahe gelegener Landwirt befinde sich, so wird angenommen, in genau der entgegengesetzten Lage. Man nehme ferner an, einem Austausch der Nahrungsmittel des Jägers gegen die Kleidungsmaterialien des Landwirts stünden keine Hindernisse entgegen. Es ist offenkundig, dass ein Austausch von Gütern in diesem Fall noch unwahrscheinlicher ist als im ersten. Würde der Jäger einen Teil seines kärglichen Nahrungsvorrats gegen einen Teil des ebenso kärglichen Pelzvorrats des Landwirts austauschen, so würden sowohl der Überschuss des Jägers an Kleidungsmaterialien als auch der Überschuss des Landwirts an Nahrungsmitteln noch größer werden als vor dem Austausch. Da die Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses des Jägers und die Befriedigung des Kleidungsbedürfnisses des Landwirts bereits unzureichend gedeckt waren, würde die wirtschaftliche Lage der Tauschenden entschieden verschlechtert. Niemand kann daher behaupten, dass diese beiden wirtschaftenden Personen aus einem solchen Austausch Vergnügen schöpfen würden. Im Gegenteil, nichts ist gewisser, als dass sich der Jäger und der Landwirt beide aufs Entschiedenste Angeboten zu einem Handel widersetzen werden, der ihr Wohlergehen mit Sicherheit mindern, ja möglicherweise sogar ihr Leben gefährden würde. Hätte gleichwohl ein Austausch dieser Art stattgefunden, so hätten die beiden Männer nichts Dringlicheres zu tun, als ihn rückgängig zu machen.
Die Neigung der Menschen zum Handel muss demnach einen anderen Grund haben als das Vergnügen am Handeln als solchem. Wäre der Handel ein Vergnügen an sich, also ein Selbstzweck, und nicht häufig eine mühevolle, mit Gefahr und wirtschaftlichem Opfer verbundene Tätigkeit, so gäbe es keinen Grund, warum die Menschen sich in den eben betrachteten Fällen und in Tausenden anderer nicht dem Handel hingeben sollten. Es gäbe in der Tat keinen Grund, warum sie nicht eine unbegrenzte Anzahl von Malen hin und her tauschen sollten. Aber überall im praktischen Leben können wir beobachten, dass die wirtschaftenden Menschen jeden Austausch sorgfältig im Voraus erwägen und dass schließlich eine Grenze erreicht wird, über die hinaus zwei Personen zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht weiterhandeln werden.
Nachdem festgestellt worden ist, dass der Tausch kein Selbstzweck und noch weniger selbst ein Vergnügen für die Menschen ist, wird das Problem im Folgenden darin bestehen, seine Natur und seinen Ursprung zu erklären.
Um mit dem einfachsten Fall zu beginnen, nehme man an, zwei Landwirte, A und B, hätten beide bisher abgesonderte Hauswirtschaften geführt. Nun aber, nach einer ungewöhnlich guten Ernte, besitzt Landwirt A so viel Getreide, dass er, wie reichlich er auch für die Befriedigung seiner Bedürfnisse sorgen mag, einen Teil davon nicht für sich und seinen Haushalt verwerten kann. Landwirt B hingegen, ein Nachbar des Landwirts A, habe, so wird angenommen, im selben Jahr einen vorzüglichen Weinjahrgang gehabt. Doch sein Keller ist noch von früheren Jahren gefüllt, und da es ihm an zusätzlichen Behältern fehlt, erwägt er, einen Teil des älteren eingelagerten Weines, der aus einem minderwertigen Jahrgang stammt, auszugießen. Jeder Landwirt hat einen Überschuss des einen Gutes und einen empfindlichen Mangel des anderen. Der Landwirt mit dem Überschuss an Getreide muss gänzlich auf den Genuss von Wein verzichten, da er überhaupt keine Weinberge besitzt, und der Landwirt mit dem Überschuss an Wein leidet Mangel an Nahrungsmitteln. Landwirt A kann viele Scheffel Getreide auf seinen Feldern verderben lassen, während ihm ein Fässchen Wein beträchtliches Vergnügen bereiten würde. Landwirt B ist im Begriff, nicht bloß ein, sondern mehrere Fässchen Wein zu vernichten, während er einige Scheffel Getreide in seinem Haushalt sehr wohl gebrauchen könnte. Der erste Landwirt dürstet und der zweite hungert, während beiden durch das Getreide, das A auf seinen Feldern verderben lässt, und durch den Wein, den B auszugießen beschlossen hat, geholfen werden könnte. Landwirt A könnte sein und seiner Familie Nahrungsbedürfnis noch immer ebenso vollständig befriedigen wie zuvor und sich überdies dem Genuss des Weintrinkens hingeben, und Landwirt B könnte fortfahren, so viel Wein zu genießen, wie es ihm beliebt, ohne hungern zu müssen. Es ist daher offenkundig, dass wir auf einen Fall gestoßen sind, in dem, wenn das Verfügen über eine gewisse Menge der Güter A's an B übertragen würde und wenn das Verfügen über eine gewisse Menge der Güter B's an A übertragen würde, die Bedürfnisse beider wirtschaftenden Personen besser befriedigt werden könnten, als dies ohne diese wechselseitige Übertragung der Fall wäre.
Der eben dargestellte Fall, in dem die Bedürfnisse zweier Personen durch eine gegenseitige Übertragung von Gütern, die vor dem Austausch für keinen von beiden Wert hatten, mithin ohne wirtschaftliches Opfer auf irgendeiner Seite, besser befriedigt werden konnten als zuvor, war besonders geeignet, uns auf die anschaulichste Weise das Wesen des wirtschaftlichen Verhältnisses einzuprägen, das zum Handel führt. Aber wir würden dieses Verhältnis zu eng fassen, wollten wir unsere Aufmerksamkeit auf jene Fälle beschränken, in denen eine Person, die über eine Menge eines Gutes verfügt, die selbst ihren vollen Bedarf übersteigt, an einem zweiten Gut einen Mangel leidet, während eine andere Person einen entsprechenden Überschuss dieses zweiten Gutes und einen Mangel des ersten hat. Denn das fragliche Verhältnis lässt sich auch in weniger augenfälligen Fällen beobachten, in denen eine Person Güter besitzt, von denen gewisse Mengen für sie einen geringeren Wert haben als Mengen eines anderen Gutes, das einer zweiten Person gehört, die sich in der umgekehrten Lage befindet.
Als Beispiel nehme man an, der erste der beiden abgesonderten Landwirte habe nicht so viel Getreide geerntet, dass er einen Teil davon ohne Beeinträchtigung der Befriedigung seiner Bedürfnisse auf dem Felde verderben lassen kann, und der zweite besitze nicht so viel Wein, dass er etwas davon ohne ähnliche Beeinträchtigung weggießen kann. Vielmehr kann jeder der beiden Landwirte die gesamte Menge des ihm zur Verfügung stehenden Gutes auf eine für sich und seinen Haushalt nützliche Weise verwenden. Der erste Landwirt kann seinen ganzen Getreidevorrat nutzbringend verwenden, indem er die nach vollständiger Vorsorge für die Befriedigung seiner wichtigeren Bedürfnisse verbleibende Menge der Mästung seines Viehs widmet. Der zweite Landwirt besitzt nicht so viel Wein, dass er etwas davon weggießen müsste, aber gerade so viel, dass er einen Teil davon als Belohnung für größere Anstrengung an seine Sklaven verteilen kann. Obgleich somit dem Getreidelandwirt ein gewisser Teil seines Getreides (etwa ein Scheffel) und dem Weinbauern ein gewisser Teil seines Weines (etwa ein Fässchen) nur einen geringen Wert hat, so hat er doch einigen Wert, da unmittelbar oder mittelbar die Befriedigung gewisser seiner Bedürfnisse von diesem Teil abhängt. Aber der Umstand, dass eine gegebene Menge Getreide, etwa ein Scheffel, für den ersten Landwirt einen gewissen Wert hat, schließt keineswegs die Möglichkeit aus, dass eine gewisse Menge Wein, etwa ein Fässchen, für ihn einen höheren Wert haben mag, wie es der Fall wäre, wenn der durch ein Fässchen Wein gewährte Genuss für ihn eine höhere Bedeutung hat als die mehr oder weniger gründliche Mästung seines Viehs. Ebenso schließt beim zweiten Landwirt der Umstand, dass ein Fässchen Wein für ihn einen gewissen Wert hat, keineswegs die Möglichkeit aus, dass ein Scheffel Weizen für ihn einen höheren Wert haben mag, wie es der Fall wäre, wenn er ihm und seiner Familie eine angemessenere Ernährung und vielleicht sogar die Vermeidung der Qualen des Hungers sicherte.
Die allgemeinste Form des Verhältnisses, das den menschlichen Tausch begründet, ist demnach die folgende: Ein wirtschaftendes Individuum A hat über eine bestimmte Menge eines Gutes zu verfügen, die für ihn von geringerem Werte ist als eine bestimmte Menge eines anderen Gutes im Besitz eines anderen wirtschaftenden Individuums B, das den Wert derselben Gütermengen in umgekehrter Weise einschätzt, indem die gegebene Menge des zweiten Gutes für ihn von geringerem Werte ist als die gegebene Menge des ersten Gutes, über die A verfügt.64 Die Menge des ersten Gutes im Besitz von A sei 10a, und die Menge des zweiten Gutes im Besitz von B sei 10b. Man nehme an, der Wert der Menge 1a betrage für A W, der Wert von 1b für A, falls er die Verfügung darüber erlangen sollte, betrage W + x, der Wert von 1b für B betrage w, und der Wert von 1a für B, falls er die Verfügung darüber erlangen sollte, betrage w + y. Es ist offensichtlich, dass A einen Wert von x und B einen Wert von y aus einer Übertragung von 1a aus dem Besitz von A in den von B und von 1b aus dem Besitz von B in den von A gewinnen würde. Mit anderen Worten: Nach einem Tausch befände sich A in derselben Lage, als wäre seinem Vermögen ein Gut mit einem Werte von x für ihn hinzugefügt worden, und B befände sich in derselben Lage, als wäre seinem Vermögen ein Gut mit einem Werte von y für ihn hinzugefügt worden.
Wenn überdies die beiden wirtschaftenden Individuen (a) die Sachlage erkennen und (b) die Macht besitzen, die Übertragung der Güter tatsächlich zu vollziehen, so besteht ein Verhältnis, das es ihnen ermöglicht, durch eine bloße Vereinbarung für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse besser oder vollständiger zu sorgen, als es der Fall wäre, wenn das Verhältnis ungenutzt bliebe.
Dasselbe Prinzip, das die Menschen in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit überhaupt leitet, das sie dazu bringt, die nützlichen Dinge in der sie umgebenden Natur zu erkunden und sie ihrer Verfügung zu unterwerfen, und das sie um die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage bemüht sein lässt — das Streben, ihre Bedürfnisse möglichst vollständig zu befriedigen —, führt sie auch dazu, dieses Verhältnis überall, wo sie es finden können, aufs eifrigste aufzusuchen und es um der besseren Befriedigung ihrer Bedürfnisse willen zu nutzen. In der eben beschriebenen Lage werden die beiden wirtschaftenden Individuen daher dafür Sorge tragen, dass die Übertragung der Güter tatsächlich stattfindet. Das Streben, ihre Bedürfnisse möglichst vollständig zu befriedigen, ist demnach die Ursache aller Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens, die wir mit dem Worte „Tausch" bezeichnen. Es sei bemerkt, dass dieser Ausdruck in unserer Wissenschaft in einem besonderen Sinne mit weit umfassenderer Anwendung gebraucht wird als im volkstümlichen oder gar im rechtlichen Sprachgebrauch. Denn im wirtschaftlichen Sinne umfasst er auch Kauf und Verkauf sowie alle teilweisen Übertragungen wirtschaftlicher Güter (Pacht, Miete, Leihe usw.) gegen Entgelt.
Fassen wir das soeben Gesagte zusammen, so erhalten wir als Ergebnis unserer bisherigen Untersuchung die folgenden Sätze: Das Prinzip, das die Menschen zum Tausche führt, ist dasselbe Prinzip, das sie in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit im Ganzen leitet; es ist das Bestreben, sich die möglichst vollständige Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu sichern. Der Genuss, den die Menschen aus einem wirtschaftlichen Güteraustausch ziehen, ist das allgemeine Gefühl der Lust, das sie empfinden, wenn ein Ereignis es ihnen gestattet, für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse besser zu sorgen, als es sonst möglich gewesen wäre. Die Vorteile einer wechselseitigen Güterübertragung hängen aber, wie wir gesehen haben, von drei Bedingungen ab: (a) Ein wirtschaftendes Individuum muss über Gütermengen verfügen, die für es von geringerem Werte sind als andere Gütermengen, über die ein anderes, die Güter in umgekehrter Weise bewertendes wirtschaftendes Individuum verfügt; (b) die beiden wirtschaftenden Individuen müssen dieses Verhältnis erkannt haben; und (c) sie müssen die Macht besitzen, den Güteraustausch tatsächlich zu vollziehen. Das Fehlen auch nur einer dieser Bedingungen bedeutet, dass eine wesentliche Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Tausch fehlt und dass ein Güteraustausch zwischen zwei wirtschaftenden Individuen wirtschaftlich unmöglich ist.
2. Die Grenzen des wirtschaftlichen Tausches
Wenn jedes wirtschaftende Individuum nur ein einziges Gut jeder Art zur Verfügung hätte und wenn jedes dieser Güter hinsichtlich seines Gütercharakters unteilbar wäre, so bereitete die Untersuchung der Grenzen, bis zu denen die Tauschoperationen in jedem gegebenen Falle fortschreiten würden, um für jeden Beteiligten den größten wirtschaftlichen Gewinn zu ergeben, keine Schwierigkeit. Man nehme an, A habe einen gläsernen Pokal und B ein Schmuckstück aus demselben Material, und keines der beiden Individuen verfüge über mehr als das eine Stück eines jeden Gegenstandes. Nach dem im vorangehenden Abschnitt Gesagten sind nur zwei Sachlagen denkbar: Entweder besteht hinsichtlich der beiden Güter die Grundlage für einen wirtschaftlichen Tausch zwischen den beiden Individuen, oder sie besteht nicht. Besteht sie nicht, so kann die Frage eines Tausches vom wirtschaftlichen Standpunkt aus überhaupt nicht aufkommen. Und besteht sie, so kann es keinen Zweifel geben, dass ein tatsächlicher Austausch der beiden Güter naturgemäß jeden weiteren Austausch von Gütern genau derselben Art zwischen A und B ausschließt.
Aber überall dort, wo verschiedenen Personen Gütermengen zur Verfügung stehen, die sich in Teile beliebiger Größe zerlegen lassen oder die aus mehreren einzelnen Stücken zusammengesetzt sind, deren jedes seiner Natur oder seinem Gebrauch nach unteilbar ist, liegt die Sache anders.
Man nehme an, A, ein amerikanischer Hinterwäldler, besitze mehrere Pferde, aber keine Kuh, während B, sein Nachbar, eine Anzahl Kühe, aber keine Pferde habe. Sofern A einen Bedarf an Milch und Milchprodukten und B an Zugtieren hat, ist leicht zu erkennen, dass eine Grundlage für Tauschoperationen vorhanden ist. Aber niemand wird behaupten, dass der Austausch etwa eines von A's Pferden gegen eine von B's Kühen die bestehende Grundlage für wirtschaftliche Tauschoperationen zwischen A und B hinsichtlich dieser Güter notwendig erschöpfen würde. Ebenso gewiss ist jedoch, dass nicht notwendig eine Grundlage für den Austausch der gesamten Mengen bestehen muss, über die sie verfügen. A, der (zum Beispiel) sechs Pferde besitzt, mag seine Bedürfnisse besser befriedigen können, wenn er eines, oder zwei, oder vielleicht sogar drei seiner Pferde gegen B's Kühe austauscht. Daraus folgt aber nicht notwendig, dass er aus der Tauschtransaktion einen wirtschaftlichen Gewinn zöge, wenn er alle seine Pferde gegen alle Kühe von B vertauschte. Obgleich die anfängliche wirtschaftliche Lage eine Grundlage für wirtschaftliche Tauschoperationen zwischen A und B bietet, könnte die Folge eines zu weit getriebenen Tausches sein, dass für die Bedürfnisse der beiden Vertragsparteien schlechter gesorgt wäre als vor dem Tausch.
Das Verhältnis, das wir nun betrachten, bei dem nicht bloß einzelne Güter, sondern Gütermengen den Menschen zur Verfügung stehen, lässt sich in der menschlichen Wirtschaft regelmäßig beobachten. Eine endlose Zahl von Fällen lässt sich beobachten, in denen zwei wirtschaftende Individuen über Mengen verschiedener Güter verfügen und in denen die Grundlagen für wirtschaftliche Tauschoperationen vorhanden sind, bei denen aber die aus dem Handel zu ziehenden Gewinne nur unvollständig genutzt würden, wenn die beiden wirtschaftenden Individuen zu wenig austauschten, und wiederum gemindert, auf nichts herabgesetzt oder sogar in Verluste verwandelt würden, wenn sie ihre Tauschoperationen zu weit trieben und zu viel austauschten.
Wenn wir aber Fälle beobachten können, in denen ein „zu wenig" des Tausches nicht den vollen aus der Nutzung eines bestehenden Verhältnisses zu ziehenden Gewinn ergibt und in denen ein „zu viel" zum selben Ergebnis führt, ja oft sogar zu einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der beiden Tauschenden, so muss es eine Grenze geben, an der die vollen aus der Nutzung des gegebenen Verhältnisses zu erzielenden wirtschaftlichen Gewinne erreicht sind und jenseits deren jeder Austausch weiterer Teile unwirtschaftlich zu werden beginnt. Die Bestimmung dieser Grenze ist der Gegenstand der nachfolgenden Untersuchung.
Ich werde zu diesem Zwecke einen einfachen Fall darlegen, an dem wir das zu betrachtende Verhältnis aufs sorgfältigste beobachten können, ungestört durch Nebeneinflüsse.
Man nehme an, in einem Urwald, fern von anderen wirtschaftenden Individuen, lebten zwei Hinterwäldler, die freundschaftlichen Verkehr miteinander pflegen. Es sei angenommen, dass Umfang und Stärke ihrer Bedürfnisse genau dieselben seien. Jeder von ihnen benötigt mehrere Pferde, um sein Land zu bestellen. Ein Pferd ist unbedingt notwendig, wenn er imstande sein soll, die zur Erhaltung seines und seiner Familie Lebens erforderliche Nahrung zu erzeugen. Ein zweites Pferd ist erforderlich, um die etwas größere Nahrungsmenge zu erzeugen, die für eine ausreichende Ernährung seiner selbst und seiner Familie nötig ist.
Jeder der Landwirte könnte ein drittes Pferd dazu gebrauchen, das Bau- und Brennholz, das er nötig findet, aus dem Walde zu seiner Blockhütte zu befördern, Ladungen von Sand, Steinen usw. zu ziehen und ein Feld zu bestellen, auf dem er einige Genussmittel für sein und seiner Familie Vergnügen anbauen will. Ein viertes diente einzig dem Vergnügen, und ein fünftes Pferd hätte nur die Bedeutung, die sich aus seiner Verfügbarkeit als Ersatz für den Fall ergibt, dass eines der anderen Pferde dienstunfähig würde. Aber keiner der beiden Hinterwäldler könnte ein sechstes Pferd gebrauchen. Es sei ferner angenommen, dass jeder von ihnen fünf Kühe benötigte, um seinen vollen Bedarf an Milch und Milchprodukten zu decken, dass die gleiche Abstufung in der Bedeutung ihrer Bedürfnisse nach diesen Produkten bestehe und dass eine sechste Kuh von keinem von ihnen gebraucht werden könnte.
Der größeren Deutlichkeit halber wollen wir die soeben beschriebene Sachlage in Zahlenform fassen (S. 125 ff.). Wir können die abgestufte Bedeutung der Befriedigungen, für die durch den Besitz der beiden Hinterwäldler gesorgt ist, durch eine Reihe von Zahlen darstellen, die in arithmetischer Reihe abnehmen, etwa durch die Reihe 50, 40, 30, 20, 10, 0.65
Nimmt man an, dass A, der erste Hinterwäldler, 6 Pferde und nur eine Kuh hat, während B, der andere Hinterwäldler, ein Pferd und 6 Kühe hat, so lassen sich die aufeinanderfolgenden Grade der Bedeutung der Befriedigungen, für die durch den Besitz der beiden Personen gesorgt ist, in der folgenden Tabelle darstellen:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | 50 | 50 |
| 40 | 40 | ||
| 30 | 30 | ||
| 20 | 20 | ||
| 10 | 10 | ||
| 0 | 0 |
Aus dem im ersten Abschnitt dieses Kapitels Gesagten ist leicht zu erkennen, dass die Grundlage für wirtschaftliche Tauschoperationen hier vorhanden ist. Die Bedeutung, die ein Pferd für A hat, ist gleich 0, und die Bedeutung, die eine zweite Kuh für ihn hätte, ist gleich 40. Andererseits hat eine Kuh für B den Wert 0, während ein zweites Pferd den Wert 40 hätte (S. 131). Somit könnten sowohl A als auch B beträchtlich besser für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse sorgen, wenn A dem B ein Pferd gäbe und wenn B dem A im Tausch eine Kuh gäbe. Es ist kein Zweifel, dass sie diesen Tausch tatsächlich vornehmen würden, wenn sie wirtschaftende Individuen sind.
Die Bedeutung der Befriedigungen, für die durch den Besitz der beiden Personen nach diesem ersten Tausch gesorgt ist, wird die folgende sein:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | 50 | 50 |
| 40 | 40 | 40 | 40 |
| 30 | 30 | ||
| 20 | 20 | ||
| 10 | 10 |
Es ist leicht zu erkennen, dass jeder der beiden Tauschenden aus diesem ersten Tausch einen wirtschaftlichen Gewinn erzielte, der demjenigen Gewinn gleichkommt, der ihm zuwüchse, wenn sein Vermögen um ein Gut vermehrt worden wäre, dessen Wert für ihn gleich 40 ist.66 Aber es ist ebenso gewiss, dass die Grundlage für wirtschaftliche Tauschoperationen durch diesen ersten Tausch keineswegs erschöpft ist. Denn ein Pferd hat für A noch immer weit weniger Wert, als eine zusätzliche Kuh hätte (10 gegenüber 30), wohingegen eine Kuh für B nur einen Wert von 10 hat, während ein zusätzliches Pferd einen Wert von 30 hätte (das Dreifache des Wertes einer Kuh). Es liegt daher im wirtschaftlichen Interesse beider wirtschaftenden Individuen, eine zweite Tauschoperation vorzunehmen.
Die Lage nach dem zweiten Tausch lässt sich folgendermaßen darstellen:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | 50 | 50 |
| 40 | 40 | 40 | 40 |
| 30 | 30 | 30 | 30 |
| 20 | 20 |
Es ist zu erkennen, dass jede der beiden Personen einen wirtschaftlichen Gewinn erzielte, der nicht geringer ist, als wenn ihr Vermögen um ein mit 20 bewertetes Gut vermehrt worden wäre.
Sehen wir zu, ob auch in dieser Lage eine Grundlage für weitere wirtschaftliche Tauschoperationen besteht. Ein Pferd hat für A eine Bedeutung von 20; eine zusätzliche Kuh hätte für ihn ebenfalls eine Bedeutung von 20; und B befindet sich in einer ähnlichen Lage. Aus dem Gesagten ist offensichtlich, dass ein Austausch eines von A's Pferden gegen eine von B's Kühen unter solchen Bedingungen nicht lohnend wäre, da es überhaupt keinen wirtschaftlichen Gewinn gäbe.
Nehmen wir aber an, A und B träten gleichwohl in einen dritten Tausch ein. Wenn der Vollzug des Tausches keine nennenswerten wirtschaftlichen Opfer erforderte (Transportkosten, Zeitverlust usw.), so ist offensichtlich, dass die wirtschaftliche Lage der beiden Männer weder geschädigt noch verbessert würde. Nach diesem dritten Tausch wäre ihre Lage die folgende:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | 50 | 50 |
| 40 | 40 | 40 | 40 |
| 30 | 30 | 30 | 30 |
| 20 | 20 |
Fragen wir nun, was das wirtschaftliche Ergebnis noch weiterer Austausche eines von A's Pferden gegen eine von B's Kühen wäre. Die Lage nach einem vierten Tausch wäre:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | 50 | 50 |
| 40 | 40 | 40 | 40 |
| 30 | 30 | ||
| 20 | 20 | ||
| 10 | 10 |
Wie zu erkennen ist, ist die wirtschaftliche Lage von A und B nach dem vierten Tausch für beide ungünstiger, als sie es zuvor war. Durch den Erwerb einer fünften Kuh hat A zwar die Befriedigung eines Bedürfnisses gesichert, das für ihn eine Bedeutung von 10 hat. Aber um sie zu erlangen, hat er ein Pferd hingegeben, das für ihn die Bedeutung von Befriedigungen hatte, die mit 30 als gleich angenommen wurden. Seine wirtschaftliche Lage ist nach diesem Tausch genau dieselbe, als wäre sein Vermögen ohne Entschädigung um ein Gut mit einem Werte gleich 20 vermindert worden. Dasselbe Ergebnis lässt sich bei B beobachten. Der wirtschaftliche Nachteil der vierten Tauschoperation ist beiderseitig. Statt aus ihr Gewinn zu ziehen, erlitten A und B beide einen wirtschaftlichen Verlust.
Sollten die beiden Personen, A und B, fortfahren, Pferde gegen Kühe auszutauschen, so stellte sich die Lage nach dem fünften Tausch folgendermaßen dar:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | 50 | 50 |
| 40 | 40 | ||
| 30 | 30 | ||
| 20 | 20 | ||
| 10 | 10 | ||
| 0 | 0 |
Und nach dem sechsten Tausch wäre sie:
| A | B | ||
|---|---|---|---|
| Pferde | Kühe | Pferde | Kühe |
| 50 | 50 | ||
| 40 | 40 | ||
| 30 | 30 | ||
| 20 | 20 | ||
| 10 | 10 | ||
| 0 | 0 | ||
| 0 | 0 |
Es ist leicht zu erkennen, dass die beiden Tauschenden nach dem fünften Austausch eines von A's Pferden gegen eine von B's Kühen, was die Vollständigkeit der Vorsorge für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse betrifft, in dieselbe Lage zurückgekehrt wären, in der sie sich zu Beginn der Tauschoperationen befanden. Nach dem sechsten Tausch hätten sie ihre wirtschaftliche Lage beträchtlich mehr verschlechtert.
Sie könnten nichts Besseres tun, als diese unwirtschaftlichen Tauschoperationen rückgängig zu machen.
Was hier an einem einzigen Beispiel gezeigt wurde, lässt sich überall dort beobachten, wo sich Mengen verschiedener Güter im Besitz verschiedener Personen befinden und eine Grundlage für wirtschaftliche Tauschoperationen vorhanden ist. Wählten wir andere Beispiele, so fänden wir Unterschiede in nebensächlichen Umständen, nicht aber in der Natur des erläuterten Verhältnisses.
Vor allem fänden wir in jedem Falle und in jedem gegebenen Zeitpunkt eine Grenze, bis zu der zwei Personen ihre Güter zu ihrem wechselseitigen wirtschaftlichen Vorteil austauschen können. Wir fänden aber, dass sie diese Grenze nicht überschreiten können, ohne sich in eine ungünstigere wirtschaftliche Lage zu versetzen. Kurz, wir beobachteten überall eine Grenze, an der die gesamten aus einem Tauschverhältnis zu ziehenden wirtschaftlichen Gewinne erschöpft sind und jenseits deren diese Gewinne durch weitere Tauschoperationen gemindert würden, sodass der Austausch jeder weiteren Teilmenge unwirtschaftlich wird. Diese Grenze ist erreicht, wenn einer der beiden Tauschpartner keine weitere Gütermenge mehr hat, die für ihn von geringerem Werte ist als eine Menge eines anderen Gutes, über die der zweite Tauschpartner verfügt, der zugleich die beiden Gütermengen in umgekehrter Weise bewertet.
So sehen wir, dass die Menschen in der Wirklichkeit des praktischen Lebens nicht unbegrenzt und schrankenlos Handel treiben. Wir sehen vielmehr, dass bestimmte Personen zu jedem gegebenen Zeitpunkt, hinsichtlich jeder gegebenen Güterart und in jeder gegebenen wirtschaftlichen Lage eine bestimmte Grenze erreichen, an der sie aufhören, weitere Tauschoperationen vorzunehmen.67
Eine Volkswirtschaft setzt sich aus Einzelwirtschaften zusammen, und das oben Gesagte gilt daher für den Handel ganzer Völker ebenso wie für einzelne wirtschaftende Individuen. Zwei Nationen, von denen die eine hauptsächlich Ackerbau, die andere vornehmlich Industrie betreibt, werden imstande sein, ihre Bedürfnisse weit vollständiger zu befriedigen, wenn jede einen Teil ihrer Erzeugnisse gegen die Erzeugnisse der anderen austauscht (die erste Nation einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die zweite einen Teil ihrer Fabrikate). Aber sie werden den Austausch nicht unbegrenzt und schrankenlos vornehmen. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt werden sie eine Grenze erreichen, jenseits deren jeder weitere Austausch landwirtschaftlicher Erzeugnisse gegen Fabrikate für beide Nationen unwirtschaftlich sein wird.
Es ist freilich wahr, dass sich im Handel der Einzelnen und noch mehr im Verkehr zwischen ganzen Völkern die Werte, die die Güter für die Menschen tatsächlich haben, im Allgemeinen als beständigen Schwankungen unterworfen beobachten lassen. Diese Schwankungen treten hauptsächlich deshalb ein, weil durch den Produktionsprozess fortwährend neue Gütermengen in die Hände der verschiedenen wirtschaftenden Individuen gelangen. Infolgedessen ändern sich die Grundlagen für wirtschaftliche Tauschvorgänge beständig, und wir beobachten daher die Erscheinung einer immerwährenden Aufeinanderfolge von Tauschtransaktionen. Aber selbst in dieser Kette von Transaktionen können wir bei genauer Beobachtung zu bestimmten Zeiten, für bestimmte Personen und bei bestimmten Güterarten Ruhepunkte finden. An diesen Ruhepunkten findet kein Güteraustausch statt, weil eine wirtschaftliche Grenze des Tausches bereits erreicht ist.
Eine andere weiter oben gemachte Beobachtung betraf den allmählich abnehmenden wirtschaftlichen Gewinn, den bestimmte wirtschaftende Individuen aus der Ausnutzung einer gegebenen Tauschgelegenheit ziehen. Die ersten Handelskontakte wirtschaftender Individuen sind in der Regel die wirtschaftlich vorteilhaftesten. Erst später werden gewöhnlich auch jene Tauschgelegenheiten ausgenutzt, die geringere wirtschaftliche Gewinne versprechen. Dies gilt nicht nur für den Handel zwischen Individuen, sondern auch für den Verkehr zwischen ganzen Völkern. Wenn zwei Völker, deren Häfen oder Grenzen stets oder eine Zeit lang zuvor dem wechselseitigen Verkehr verschlossen waren, sie plötzlich dem Handel öffnen, oder auch wenn nur einige bisherige Handelshemmnisse beseitigt werden, so entwickelt sich sogleich ein sehr lebhafter Güterhandel. Denn die Zahl der auszunutzenden Tauschgelegenheiten und die zu erzielenden wirtschaftlichen Gewinne sind anfangs sehr groß. Später bewegt sich der Handel in der Bahn normal gewinnbringender Geschäfte. Wenn aber die vollen Gewinne aus dem neuen Handel zuweilen nicht sogleich eintreten, so liegt der Grund darin, dass die beiden anderen Voraussetzungen des wirtschaftlichen Tausches, die Kenntnis der Tauschgelegenheiten und die Macht, als wirtschaftlich erkannte Tauschoperationen durchzuführen, von den Beteiligten gewöhnlich erst nach einer gewissen Zeit erworben werden. Einige der angestrengtesten Bemühungen der handeltreibenden Völker sind darauf gerichtet, Handelshemmnisse in beiden dieser Kategorien zu beseitigen (durch sorgfältiges Studium der Handelslage, durch den Bau guter Straßen und anderer Verkehrs- und Kommunikationsmittel usw.).
Bevor ich diese Erörterung der Grundlagen und Grenzen des wirtschaftlichen Tausches abschließe, möchte ich die Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Umstand lenken, der berücksichtigt werden muss, wenn die in diesem Kapitel dargelegten Grundsätze richtig ausgelegt werden sollen. Ich meine die wirtschaftlichen Opfer, die Tauschoperationen erfordern.
Wären die Menschen und ihr Besitz (die Wirtschaften der Individuen68) nicht räumlich getrennt, und erforderte daher die wechselseitige Übertragung der Verfügung über Güter von einem wirtschaftenden Individuum auf ein anderes nicht im Allgemeinen den Transport von Gütern und viele andere wirtschaftliche Opfer, so würden die vollen wirtschaftlichen Gewinne, die aus einer Tauschoperation entstehen, den beiden Beteiligten zufallen. Doch solche Fälle sind sehr selten. Zwar sind Fälle denkbar, in denen die wirtschaftlichen Opfer einer Tauschoperation auf ein Minimum sinken, das im praktischen Leben vernachlässigt wird. Aber es ist nicht leicht, einen tatsächlichen Fall zu finden, in dem eine Tauschoperation ganz ohne wirtschaftliche Opfer ausgeführt werden kann, selbst wenn diese sich nur auf den Verlust an Zeit beschränken. Frachtkosten, Verladegebühren, Zölle, Verbrauchssteuern, Prämien für See- und sonstige Versicherungen, Kosten der Korrespondenz, Kommissionen und andere Verkaufskosten, Maklergebühren, Wägegebühren, Verpackungskosten, Lagergebühren, der gesamte Aufwand des kaufmännischen Bankwesens, ja sogar die Ausgaben der Kaufleute69 und aller ihrer Angestellten usw. sind nichts anderes als die mannigfaltigen wirtschaftlichen Opfer, die zur Durchführung von Tauschoperationen erforderlich sind und die einen Teil der wirtschaftlichen Gewinne aufzehren, welche aus der Ausnutzung bestehender Tauschgelegenheiten entstehen. In der Tat machen diese wirtschaftlichen Opfer den Tausch oft unmöglich, wo er möglich wäre, wenn nur diese „Auslagen“ im allgemeinen wirtschaftlichen Sinne des Wortes nicht bestünden.
Die wirtschaftliche Entwicklung neigt dazu, diese wirtschaftlichen Opfer zu vermindern, mit dem Ergebnis, dass selbst zwischen den entferntesten Ländern immer mehr wirtschaftliche Tauschvorgänge möglich werden, die früher nicht hätten stattfinden können.
In dem Gesagten liegt eine Erklärung der Quelle, aus der all die Tausenden von Personen, die im Handel als Mittelspersonen tätig sind, ihre Einkommen beziehen. Weil sie nicht unmittelbar zur körperlichen Vermehrung der Güter beitragen, wurde ihre Tätigkeit oft als unproduktiv angesehen. Aber ein wirtschaftlicher Tausch trägt, wie wir gesehen haben, zur besseren Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und zur Vermehrung des Wohlstands der Beteiligten ebenso wirksam bei wie eine körperliche Vermehrung wirtschaftlicher Güter. Alle Personen, die den Tausch vermitteln, sind daher — vorausgesetzt stets, dass die Tauschoperationen wirtschaftlich sind — ebenso produktiv wie der Landwirt oder der Fabrikant. Denn der Zweck der Wirtschaft ist nicht die körperliche Vermehrung der Güter, sondern stets die möglichst vollständige Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Die Handeltreibenden tragen zur Erreichung dieses Zwecks nicht weniger bei als jene Personen, die lange Zeit und von einem sehr einseitigen Standpunkt aus ausschließlich produktiv genannt wurden.