BIOGRAPHIE
Leben und Werk
Ludwig Bettelheim-Gabillon kam am 25. November 1882 in Wien als Sohn des aus jüdischer Familie stammenden Literaturhistorikers Anton Bettelheim und der Schriftstellerin Helene Bettelheim, geborene Gabillon, zur Welt. Über die mütterliche Linie war er Enkel der Burgtheater-Stars Ludwig und Zerline Gabillon; das Elternhaus an der Weimarer Straße 71 in Wien-Döbling war ein Treffpunkt des kulturellen Wien. Den Doppelnamen Bettelheim-Gabillon führte er, wie zuvor schon die Mutter, zur Wahrung der Burgtheater-Herkunft der Gabillon-Linie.
Nach Schauspielunterricht bei Ferdinand Gregori debütierte er im Herbst 1905 auf der Bühne, übernahm rasch klassische Hauptrollen wie Ferdinand in „Kabale und Liebe“, Hamlet und Orest und spielte unter anderem in Köln und Düsseldorf. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gab er die Schauspiellaufbahn auf, leistete Kriegsdienst und schlug eine Beamtenkarriere im österreichischen Finanzressort ein, in der er bis zum Ministerialrat aufstieg. Den Doktortitel führte er nachweislich, das Studienfach ist quellenmässig nicht eindeutig zu fassen, aufgrund der späteren Verwendung im Finanzdienst und im Anschluss an die Familienlinie (der Vater promovierte 1873 zum Dr. iur.) ist juristisches Studium an der Universität Wien wahrscheinlich.
In den 1930er Jahren wandte er sich der wirtschaftshistorischen Forschung zu und arbeitete an einer umfangreichen Studie über Eugen von Böhm-Bawerk als Finanzminister der Habsburgermonarchie. Zwei Vorab-Kapitel erschienen in der von Hans Mayer, Oskar Morgenstern und Richard Strigl herausgegebenen „Zeitschrift für Nationalökonomie“: 1936 zur Brüsseler Zuckerkonvention 1903, 1937 zur Konvertierung der einheitlichen Staatsschuld. Eine direkte Teilnahme am Mises-Privatseminar oder am Geist-Kreis ist nicht dokumentiert, der Publikationsort verortet ihn aber im weiteren institutionellen Umfeld der Wiener Schule der Nationalökonomie.
Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Bettelheim-Gabillon trotz römisch-katholischem Bekenntnis nach den Nürnberger Gesetzen verfolgt, das Buch-Manuskript zur Böhm-Bawerk-Monographie ging dabei verloren. Am 9. Oktober 1942 wurde er zusammen mit seiner Schwester Friederike Bunzel mit dem Transport IV/13 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 28. Februar 1943, offiziell an „Herzmuskelentartung“, faktisch an den Lagerbedingungen.