Das nationalsozialistische Ghetto Theresienstadt im besetzten Protektorat Böhmen und Mähren diente zwischen 1941 und 1945 als Durchgangs- und Sterbestätte für deportierte Jüdinnen und Juden, darunter mehrere Wiener Ökonomen.
Im November 1941 richteten die deutschen Besatzer in der österreichischen Garnisonsstadt Theresienstadt, tschechisch Terezín, ein Sammel- und Durchgangslager ein. Nach außen als sogenanntes Vorzugsghetto und Propagandakulisse inszeniert, war es faktisch eine Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager im Osten und ein Ort, an dem Tausende an Hunger, Seuchen und der erzwungenen Enge starben. Bis zur Befreiung im Mai 1945 wurden über 140 000 Menschen nach Theresienstadt verschleppt, rund 33 000 starben dort, weitere 88 000 wurden in Auschwitz und andere Lager weitertransportiert. Auch Vertreter des engeren Wiener-Schule-Umfelds wurden hierher deportiert. Emil Perels, Mitbegründer der Nationalökonomischen Gesellschaft und Jugendfreund von Ludwig von Mises, kam am 24. September 1942 aus Wien nach Theresienstadt und wurde am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz verschickt. Der Ministerialrat und Böhm-Bawerk-Forscher Ludwig Bettelheim-Gabillon traf am 9. Oktober 1942 mit dem Transport IV/13 ein und starb am 28. Februar 1943 an den Lagerbedingungen.