Anhang G: Gebrauchswert und Tauschwert
Theodor Bernhardi (Versuch einer Kritik der Gründe die für grosses und kleines Grundeigentum angeführt werden, St. Petersburg, 1849, S. 79) sagt, es sei in jüngerer Zeit häufig bemerkt worden, dass Aristoteles bereits in seiner Politik (i. 6.) den Unterschied zwischen Gebrauchswert und Tauschwert erwähnt habe und dass Adam Smith unabhängig vom griechischen Philosophen zwischen den beiden Begriffen unterschieden habe. Dem ist entgegenzuhalten, dass der größere Teil von Adam Smiths berühmter Stelle (An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Modern Library Edition, New York, 1937, S. 28) fast Wort für Wort mit einer Stelle in John Laws Money and Trade Considered, London, 1720, S. 4, übereinstimmt. Überdies trifft A.R.J. Turgot („Valeurs et Monnaies" in Oeuvres de Turgot, hrsg. von G. Schelle, Paris, 1913-23, III, 86-93) nicht nur eine scharfe Unterscheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert (valeur estimative und valeur échangeable), sondern geht auf die Sache mit beträchtlicher Ausführlichkeit ein. Von Interesse für die Dogmengeschichte ist auch eine Stelle im Werk des schottischen Moralphilosophen Francis Hutcheson, des berühmten Lehrers Adam Smiths, in der sich eine Unterscheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert findet, wenngleich nicht in der von Smith verwendeten Terminologie (F. Hutcheson, A System of Moral Philosophy, London, 1755, II, 53ff.; siehe auch John Locke, „Some Considerations of the Consequences of lowering the Interest and raising the Value of Money", in The Works of John Locke, London, 1823, V, 34ff.; und G.F. Le Trosne, De l'intérêt social, Paris, 1777, S. 7-8).
In jüngerer Zeit haben sich mehrere in Anhang D (S. 298) genannte Schriftsteller — Friedländer, Knies, Schäffle, Roesler —, die die Werttheorie zu ihrem besonderen Gegenstand gemacht haben, ausführlich mit dem Unterschied zwischen Gebrauchswert und Tauschwert befasst. Andere, die zu erwähnen sind, sind Otto Michaelis, „Das Kapitel vom Werthe", Vierteljahrschrift für Volkswirthschaft und Culturgeschichte, I (1863), 1–28; A. Lindwurm, „Die Theorie des Werthes", Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, IV (1865), 165–218; Julius v. Soden, Die Nazional-Oekonomie, Leipzig, 1805–10, I, 38ff. und IV, 23ff.; Gottlieb Hufeland, Neue Grundlegung der Staatswirthschaftkunst, Wien, 1815, I, 95ff.; Henri Storch, Cours d'économie politique, St. Petersburg, 1815, I, 57ff.; J.F.E. Lotz, Handbuch der Staatswirthschaftslehre, Erlangen, 1837, I, 21ff.; Karl Rau, Grundsätze der Volkswirthschaftslehre, Heidelberg, 1847, S. 73ff.; Theodor Bernhardi, a.a.O., S. 67ff.; Wilhelm Roscher, Grundlagen der Nationalökonomie, Zwanzigste Auflage, Stuttgart, 1892, S. 9–16; Karl Thomas, Theorie des Verkehrs, Berlin, 1841, S. 11; und L. Stein, System der Staatswissenschaft, Stuttgart, 1852, I, 168ff.
Vielleicht offenbart nichts den deutschen Hang zur philosophischen Durchdringung der Nationalökonomie und den praktischen Sinn der Engländer besser als ein Vergleich der Behandlungen, die der Werttheorie von deutschen und englischen Schriftstellern zuteil werden. Wie Adam Smith verwenden David Ricardo (Principles of Political Economy and Taxation, hrsg. von E.C.K. Gonner, London, 1891, S. 361-369), Thomas Robert Malthus (Principles of Political Economy, London, 1820, S. 51, und Definitions in Political Economy, London, 1827, S. 234) und John Stuart Mill (Principles of Political Economy, hrsg. von W.J. Ashley, London, 1909, S. 436–437) „value in use" als gleichbedeutend mit „utility". Robert Torrens (An Essay on the Production of Wealth, London, 1821, S. 8) und J.R. McCulloch (The Principles of Political Economy, London, 1830, S. 4) verwenden sogar den Ausdruck „utility" anstelle von „value in use". Unter den jüngeren französischen Schriftstellern verfährt Frédéric Bastiat (Harmonies économiques, in Oeuvres complètes de Frédéric Bastiat, Paris, 1893, VI, 141) ebenso. Lord Lauderdale (An Inquiry into the Nature and Origin of Public Wealth, Edinburgh, 1804, S. 12) und N.W. Senior (An Outline of the Science of Political Economy, London, 1836, S. 6ff.) erkennen die Nützlichkeit als Voraussetzung des Tauschwerts an, nicht jedoch als Gebrauchswert, einen Begriff, den sie gänzlich verwerfen. Was man in England unter dem Begriff Tauschwert versteht, wird am besten durch die folgende Stelle von John Stuart Mill (a.a.O., S. 437) veranschaulicht: „Die Worte Wert und Preis wurden von den frühen Nationalökonomen als gleichbedeutend gebraucht und werden selbst von Ricardo nicht immer unterschieden. Die genauesten neueren Schriftsteller aber haben, um die verschwenderische Vergeudung zweier guter wissenschaftlicher Termini an eine einzige Idee zu vermeiden, Preis dazu verwendet, den Wert einer Sache im Verhältnis zum Geld auszudrücken; die Geldmenge, gegen die sie sich tauschen lässt . . . [wir werden daher] unter dem Wert oder Tauschwert einer Sache ihre allgemeine Kaufkraft [verstehen]; die Verfügungsgewalt, die ihr Besitz über käufliche Waren im Allgemeinen verleiht."