FOLIO I · DENKER · GEN. 03 · N° 077

Wilhelm Vleugels

Werke
7
Artikel
12
Generation
3.
WV
FOL. 03 · N° 077 · Wilhelm Vleugels
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Franz Wilhelm Vleugels wurde am 17. Oktober 1893 in Saarburg geboren und studierte nach dem Ersten Weltkrieg an der 1919 neu gegründeten Universität zu Köln. Dort wurde er 1921 zum Dr. rer. pol. promoviert und habilitierte sich 1923 mit einer wirtschaftstheoretischen Schrift. Prägend für sein soziologisches Denken war Leopold von Wiese, der in Köln den ersten deutschen Lehrstuhl für Soziologie innehatte und das Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften leitete; Vleugels wird zur frühen Kölner Schule der Soziologie gezählt. Ökonomisch positionierte sich Vleugels früh als Verteidiger der österreichischen Grenznutzentheorie. 1925 erschien „Das Ende der Grenznutzentheorie? Eine Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer“, eine Streitschrift gegen Oppenheimers Bodenrechtskritik der Grenznutzenlehre. 1930 folgte „Die Lösungen des wirtschaftlichen Zurechnungsproblems bei Böhm-Bawerk und Wieser“, erschienen in den Schriften der Königsberger Gelehrten-Gesellschaft. Das Werk wurde 1935 in der Wiener Zeitschrift für Nationalökonomie rezensiert und verschaffte ihm Anerkennung im engeren Umkreis der Wiener Schule, ohne dass eine institutionelle Bindung an das Mises-Privatseminar oder den Geist-Kreis bestand. 1928 wurde Vleugels in Köln ausserordentlicher Professor und im selben Jahr als Ordinarius an die Universität Königsberg berufen. In Königsberg geriet er in Konflikt mit den Nationalsozialisten, die ihn als politisch unzuverlässig einstuften, weil sein Institut nicht in ihrem Sinne für eine offensive Polen-Politik nutzbar war. 1934 wechselte er auf den Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Bonn. Im Dezember 1937 trat er der NSDAP bei und war förderndes Mitglied der SS, distanzierte sich nach Angaben der biografischen Sekundärliteratur jedoch zunehmend vom Nationalsozialismus. Neben den massensoziologischen und wirtschaftstheoretischen Schriften veröffentlichte Vleugels unter seinem vollen Namen Franz Wilhelm Vleugels auch literarische Nachdichtungen römischer Lyriker, darunter eine Ausgabe der Elegien des Sextus Propertius. Er starb am 19. März 1942 in Bonn im Alter von 48 Jahren.
Metadaten
17. Oktober 1893
19. März 1942
in Bonn, Deutsches Reich
3. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1921
    1921
    Promotion zum Dr. rer. pol.

    Promotion an der Universität zu Köln, vermutlich am Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften im Umfeld von Leopold von Wiese und Christian Eckert. Dissertation „Masse und Führer“.

  2. 1923
    1923
    Habilitation

    Habilitation an der Universität zu Köln, anschliessend Privatdozent für Volkswirtschaftslehre und Soziologie.

  3. ⁦1923–1928⁩
    ⁦1923–1928⁩
    Privatdozent

    Privatdozent in Köln. In dieser Zeit Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer und Verteidigung der Grenznutzentheorie.

  4. 1928
    1928
    Ausserordentlicher Professor

    Ernennung zum ausserordentlichen Professor in Köln, im selben Jahr Berufung als Ordinarius nach Königsberg.

  5. ⁦1928–1934⁩
    ⁦1928–1934⁩
    Ordinarius Universität Königsberg

    Ordinarius an der Albertus-Universität Königsberg. Politische Reibung mit den Nationalsozialisten, die ihn als unzuverlässig einstuften.

  6. ⁦1934–1942⁩
    ⁦1934–1942⁩
    Lehrstuhl für Soziologie Bonn

    Ordinarius für Soziologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Hauptpublikationsphase zur Volkswirtschaftslehre.

  7. 1942
    1942
    Tod in Bonn

    Vleugels starb am 19. März 1942 in Bonn im Alter von 48 Jahren.

Beziehungen

Beeinflussungen

Für Wilhelm Vleugels sind in den durchsuchten Quellen keine namentlich belegten Beziehungen verzeichnet.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1921
Masse und Führer
OriginalDeutsch
1925
Das Ende der Grenznutzentheorie? Eine Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer
OriginalDeutsch
1928
Richtungen und Systeme im modernen deutschen Genossenschaftswesen
OriginalDeutsch
1930er
1930
Die Lösungen des wirtschaftlichen Zurechnungsproblems bei Böhm-Bawerk und Wieser
OriginalDeutsch
Die Masse. Ein Beitrag zur Lehre von den sozialen Gebilden
OriginalDeutsch
1936
Die Volkswirtschaftslehre als politische Ökonomik und die formale Wirtschaftstheorie
OriginalDeutsch
1939
Zur Gegenwartslage der deutschen Volkswirtschaftslehre
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 12 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1924
Der Achtstundentag in Deutschland
OriginalDeutsch
1926
Der Begriff der Masse. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Massentheorie
OriginalDeutsch
1927
Bemerkungen zu Friedrich Wiesers „Grundgesetz der wirtschaftlichen Nutzkomputation“ und zum „Gesetze des Vorrates“
OriginalDeutsch
1930er
1930
Volkswirtschaftslehre als Wirtschaftslehre
OriginalDeutsch
1931
Zur Verteidigung der Wertlehre (Kritik der der Ablehnung der Wertlehre zugrunde liegenden Gedankengänge)
OriginalDeutsch
1932
Ertragswert und Kostenwert
OriginalDeutsch
Oppenheimers „Theorie der reinen und politischen Ökonomie“
OriginalDeutsch
Theorie der gebundenen Preisbildung
OriginalDeutsch
1935
Die Kritik am wirtschaftlichen Liberalismus in der Entwicklung der deutschen Volkswirtschaftslehre
OriginalDeutsch
Wieser, Friedrich von (Encyclopaedia of the Social Sciences)
OriginalEnglisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise