FOLIO I · DENKER · GEN. 02 · N° 021

Rudolf Sieghart

Werke
5
Artikel
2
Generation
2.
Porträt von Rudolf SieghartPorträt von Rudolf Sieghart: Rudolf Sieghart, 1918, Photographie von Ferdinand Schmutzer (1918)
FOL. 02 · N° 021 · Rudolf Sieghart
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Der Rabbinersohn aus Troppau (heute Opava, Tschechien) musste sich als Halbwaise das Studium der Rechtswissenschaften in Wien selbst finanzieren. 1895 konvertierte er zum Katholizismus, wurde Schwiegersohn des an der Universität Wien lehrenden Professors für Handelsrecht Carl Samuel Grünhut (1844-1929) und trat in die Finanzverwaltung ein. Mit einer Abhandlung über Die öffentlichen Glückspiele (1899) konnte sich Sieghart habilitieren und ging in der Folge in die Politik. Als engster Mitarbeiter von Ministerpräsident Körber (1850-1919) spielte er eine machtvolle und mitunter umstrittene Rolle, vor allem bei jenen Personalentscheidungen, welche die Spitzenpositionen in der Bürokratie betrafen. 1912 wurde er Mitglied des Herrenhauses und blieb als Gouverneur der Boden-Credit-Anstalt mit ihren angegliederten Industriekonzernen und Zeitungen bis weit in die Erste Republik hinein ein einflussreicher Wirtschaftsführer.
Metadaten
13. März 1866
4. August 1934
2. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1866
    1866
    Geburt

    Geboren am 13. März 1866 in Troppau, Österreichisch-Schlesien (heute Opava, Tschechien), als Rabbinersohn.[2]

  2. 1883
    1883
    Matura am Gymnasium Troppau

    Maturierte 1883 am Gymnasium in Troppau.[2]

  3. ⁦1883–1887⁩
    ⁦1883–1887⁩
    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften

    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien (1883 bis 1887), das er sich als Halbwaise selbst finanzieren musste; zugleich Einjährig-Freiwilligendienst und später Reserveoffizier.[2]

  4. 1891
    1891
    Direktor im Pressebüro der „Vereinigten Deutschen Linken"

    Wurde 1891 Direktor des Partei- und Pressebüros der „Vereinigten Deutschen Linken".[2]

  5. 1892
    1892
    Promotion zum Dr. iur.

    Promovierte 1892 zum Dr. iur. an der Universität Wien.[2]

  6. 1894
    1894
    Eintritt in die Finanzverwaltung

    Trat 1894 in die Finanzverwaltung ein.[2]

  7. 1895
    1895
    Konversion zum Katholizismus

    Konvertierte 1895 zum Katholizismus; im selben Lebensabschnitt Heirat in die Familie des Wiener Handelsrechts-Professors Carl Samuel Grünhut (1844–1929).[2]

  8. 1895
    1895
    Heirat in Familie Grünhut— ungefähr

    Wurde Schwiegersohn des an der Universität Wien lehrenden Professors für Handelsrecht Carl Samuel Grünhut. Frau Mathilde verstarb 1911 (39 Jahre alt).

  9. 1897
    1897
    Berufung in den Ministerratspräsidium

    Im Dezember 1897 ins k.k. Ministerratspräsidium berufen.[1]

  10. 1900
    1900
    Habilitation mit „Die öffentlichen Glückspiele"

    Habilitierte sich mit der Abhandlung „Die öffentlichen Glückspiele".[2]

  11. 1900
    1900
    Engster Mitarbeiter Ministerpräsident Körbers— inferiert

    Ging nach der Habilitation in die Politik; als engster Mitarbeiter von Ministerpräsident Körber (1850–1919) spielte er eine machtvolle und mitunter umstrittene Rolle, vor allem bei Personalentscheidungen für Spitzenpositionen in der Bürokratie.

  12. ⁦1902–1910⁩
    ⁦1902–1910⁩
    Leiter der Präsidialkanzlei unter Körber

    1902 bis 1910 Leiter der Präsidialkanzlei des Ministerratspräsidiums; engster Mitarbeiter von Ministerpräsident Ernest von Körber, beteiligt an Wahlreform und Ausgleich 1907.[2]

  13. 1904
    1904
    Sektionschef

    1904 zum Sektionschef befördert (höchste Beamtenrangstufe).[2]

  14. ⁦1910–1929⁩
    ⁦1910–1929⁩
    Gouverneur der Boden-Credit-Anstalt

    1910 bis 1929 (mit Unterbrechung 1917–1919) Gouverneur und ab 1919 Präsident der Allgemeinen Österreichischen Boden-Credit-Anstalt; blieb mit den angegliederten Industriekonzernen und Zeitungen bis weit in die Erste Republik hinein ein einflussreicher Wirtschaftsführer; 1929 Fusion mit der Creditanstalt nach Bankrottfolge.[2]

  15. 1912
    1912
    Mitglied des Herrenhauses

    Wurde 1912 Mitglied des Herrenhauses.

  16. 1934
    1934
    Tod

    Gestorben am 4. August 1934 in Luzern.[2]

Beziehungen

Beeinflussungen

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 5
  1. 1894
    1894
    Ernst von Plener⁦(1841–1923)⁩

    Trat 1894 unter Finanzminister Ernst von Plener in das k.k. Finanzministerium ein; Plener als erster ministerialer Vorgesetzter und politischer Förderer der Karriere im Beamtenapparat.[2]

  2. 1895
    1895
    Carl Samuel Grünhut⁦(1844–1929)⁩ · Wiener Rechtswissenschaft

    Wurde 1895 nach seiner Konversion zum Katholizismus Schwiegersohn des an der Universität Wien lehrenden Professors für Handelsrecht Carl Samuel Grünhut (1844-1929).

  3. ⁦1895–1897⁩
    ⁦1895–1897⁩

    Sieghart diente ab 1894 im k.k. Finanzministerium, in dessen Steuerreform-Arbeit Böhm-Bawerk die treibende Kraft war, und wechselte 1897 ins Ministerratspräsidium — der Beginn seines Aufstiegs unter Körber (NDB Bd. 24, 2010, S. 353 f.).

  4. ⁦1900–1904⁩
    ⁦1900–1904⁩
    Ernest von Koerber⁦(1850–1919)⁩

    Als engster Mitarbeiter von Ministerpräsident Ernest von Körber (1850-1919) spielte Sieghart eine machtvolle und mitunter umstrittene Rolle, vor allem bei Personalentscheidungen für Spitzenpositionen in der Bürokratie.[2]

  5. ⁦1921–1929⁩
    ⁦1921–1929⁩

    Reisch wurde 1921 Vizepräsident der Allgemeinen Boden-Credit-Anstalt unter Präsident Sieghart. Ab 1922 als OeNB-Präsident gleichzeitig zentraler Bankenregulator und Refinanzierer für Siegharts BCA bis zum Zusammenbruch 1929 (OeBL).

Rudolf Sieghart im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN16 Belege · 3 Quellen
  • [3]Ableitinger, Diss. Graz 1964 - Sieghart und seine Taetigkeit im Ministerratspraesidium
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1890er
1895
Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung
OriginalDeutsch
1898
Geschichte und Statistik des Zalenlottos in Österreich
OriginalDeutsch
1899
Die öffentlichen Glückspiele
OriginalDeutsch
1910er
1915
Zolltrennung und Zolleinheit
OriginalDeutsch
1930er
1932
Die letzten Jahrzehnte einer Grossmacht
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 2 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1890er
1898
[Rezension zu] Emil Steinbach: Rechtsgeschäfte der wirthschaftlichen Organisation
OriginalDeutsch
The Reform of Direct Taxation in Austria
OriginalEnglisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise