FOLIO I · DENKER · GEN. 02 · N° 022

Richard Schüller

Werke
6
Artikel
23
Generation
2.
Porträt von Richard SchüllerPorträt von Richard Schüller: Richard Schüller, Porträt aus dem Bildarchiv der Universitaet Wien (1925)
FOL. 02 · N° 022 · Richard Schüller
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Der „Lieblingsschüler“ und letzte Habilitand von Carl Menger entstammte einer jüdischen Familie in Brünn und musste sich sein Studium auf Grund der Insolvenz des elterlichen Betriebes weitgehend selbst verdienen. Mit seinem Erstlingswerk Die klassische Nationalökonomie und ihre Gegner (1895) demonstrierte Schüller noch einmal den kämpferischen Geist des Methodenstreits. Mit Schutzzoll und Freihandel (1905) konnte er sich schließlich habilitieren und betrat damit als erster der Wiener Schule das Terrain der Handelspolitik. Als außerordentlicher Professor publizierte er 1911 zwei nennenswerte Beiträge zur Arbeitskräftenachfrage sowie zum Arbeitsmarkt. Nach Mengers Tod unterstützte er 1923 die Herausgabe der zweiten Auflage der Grundsätze mit einem sehr persönlich gehaltenen Geleitwort. Schüller machte im Handelsministerium Karriere und wurde von Kaiser Karl I. kurz vor dessen Abdankung noch zum Sektionschef befördert. Staatsgebilde und Monarchen mögen vergänglich sein, nicht so der einmal erworbene dienstrechtliche Status eines österreichischen Beamten: Bis zu seiner Pensionierung verblieb Schüller in dieser Position und wirkte maßgeblich an der Außenhandelspolitik der Ersten Republik mit. Bis 1928 lehrte er an der Universität Wien, war von 1930 bis 1937 Mitherausgeber der Zeitschrift für Nationalökonomie, entfernte sich jedoch zusehends von der Wiener Schule. 1940 musste Schüller in die USA emigrieren und setzte dort bis 1952 seine Lehrtätigkeit fort.
Metadaten
27. Mai 1870
in Brünn, Mähren
14. Mai 1972
in Washington, D.C.
2. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1870
    1870
    Geburt

    Geboren am 27. Mai 1870 in Brünn, Mähren, in eine jüdische Familie.

  2. ⁦1888–1894⁩
    ⁦1888–1894⁩
    Studium bei Carl Menger— inferiert

    „Lieblingsschüler“ und letzter Habilitand von Carl Menger; musste sich sein Studium aufgrund der Insolvenz des elterlichen Betriebes weitgehend selbst verdienen.

  3. 1892
    1892
    Promotion an der Universität Wien

    Studierte Volkswirtschaftslehre und Recht an der Universität Wien und promovierte 1892. Galt als „Lieblingsschüler" Carl Mengers.[1]

  4. 1895
    1895
    „Die klassische Nationalökonomie und ihre Gegner“

    Erstlingswerk, in dem Schüller noch einmal den kämpferischen Geist des Methodenstreits demonstrierte.

  5. 1897
    1897
    Sekretär des niederösterreichischen Gewerbevereins

    Wurde 1897 Sekretär des niederösterreichischen Gewerbevereins.[1]

  6. 1898
    1898
    Eintritt ins Handelsministerium

    Trat 1898 als Beamter ins Handelsministerium ein.[1]

  7. 1899
    1899
    Habilitation bei Carl Menger

    Habilitierte sich 1899 bei Carl Menger in Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien. Aufgrund seines jüdischen Glaubens musste er sich danach mit einem Extraordinariat begnügen.[1]

  8. 1905
    1905
    Habilitation mit „Schutzzoll und Freihandel“

    Konnte sich mit „Schutzzoll und Freihandel“ (1905) habilitieren und betrat damit als erster der Wiener Schule das Terrain der Handelspolitik.

  9. 1905
    1905
    „Schutzzoll und Freihandel"

    Erscheinen von „Schutzzoll und Freihandel"; das Werk gilt als Schüllers Vorstoss in die Handelspolitik und als erster austriazistischer Beitrag zu diesem Themenfeld.

  10. 1906
    1906
    Ausserordentlicher Professor

    1906 zum ausserordentlichen Professor an der Universität Wien ernannt.[1]

  11. 1911
    1911
    Beiträge zu Arbeitskräftenachfrage und Arbeitsmarkt

    Publizierte als außerordentlicher Professor 1911 zwei nennenswerte Beiträge zur Arbeitskräftenachfrage sowie zum Arbeitsmarkt.

  12. 1918
    1918
    Sektionschef im Handelsministerium

    Schüller machte im Handelsministerium Karriere und wurde von Kaiser Karl I. kurz vor dessen Abdankung noch zum Sektionschef befördert. Bis zur Pensionierung verblieb er in dieser Position und wirkte maßgeblich an der Außenhandelspolitik der Ersten Republik mit.

  13. 1923
    1923
    Geleitwort zur 2. Auflage von Mengers „Grundsätze“

    Unterstützte 1923 nach Mengers Tod die Herausgabe der zweiten Auflage der „Grundsätze“ mit einem sehr persönlich gehaltenen Geleitwort.

  14. ⁦1927–1933⁩
    ⁦1927–1933⁩
    Mitglied des Völkerbund-Wirtschaftsausschusses— ungefähr

    Mitglied des Wirtschaftsausschusses des Völkerbundes ab 1927; später österreichischer Gesandter beim Völkerbund in Genf.[1]

  15. 1928
    1928
    Ende der Lehrtätigkeit Universität Wien

    Lehrte bis 1928 an der Universität Wien.

  16. 1930
    1930
    Ehrenprofessur Universität Wien

    Wurde 1930 zum Honorarprofessor an der Universität Wien ernannt.[1]

  17. ⁦1930–1937⁩
    ⁦1930–1937⁩
    Mitherausgeber Zeitschrift für Nationalökonomie

    Mitherausgeber der Zeitschrift für Nationalökonomie von 1930 bis 1937; entfernte sich jedoch zusehends von der Wiener Schule.

  18. 1938
    1938
    Flucht über den Ferwall-Pass nach Italien

    Nach dem Anschluss 1938 wurde Schueller von den Nationalsozialisten entlassen und mit Ausreiseverbot belegt. Der fast 70-Jaehrige floh im Juli 1938 über den Ferwall-Pass nach Italien.[2]

  19. 1939
    1939
    Weiterflucht nach Großbritannien— ungefähr

    Floh nach Erlass der Rassengesetze in Italien weiter nach Großbritannien.[2]

  20. ⁦1940–1952⁩
    ⁦1940–1952⁩
    Emigration in die USA und Professur New School

    Musste 1940 in die USA emigrieren und setzte dort bis 1952 seine Lehrtätigkeit als Professor an der New School for Social Research in New York City fort.

  21. 1972
    1972
    Tod

    Gestorben am 14. Mai 1972 in Washington, D.C.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 1
  1. ⁦1899–1899⁩
    ⁦1899–1899⁩

    „Lieblingsschüler" und letzter Habilitand von Carl Menger; studierte Volkswirtschaftslehre und Recht an der Universität Wien.

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 1
  1. —
    —
    Gusztáv Gratz⁦(1875–1946)⁩ · Ungarischer Liberalismus

    Co-Autor mit Gusztav Gratz zu wirtschaftspolitischen Themen – Hinweis auf engere Zusammenarbeit im handelspolitischen Umfeld.[3]

Richard Schüller im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN10 Belege · 1 Quelle
  • [1]Zlabinger 1999 in Hagemann/Krohn: Biographisches Handbuch, S. 634–636 · 7×
  • [2]Feichtinger 2001: Wissenschaft zwischen den Kulturen, S. 222–225 · 2×
  • [3]Gratz/Schüller 1930: Der wirtschaftliche Zusammenbruch Österreich-Ungarns
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1890er
1895
Die Klassische Nationalökonomie und ihre Gegner. Zur Geschichte der Nationalökonomie und Socialpolitik seit A. Smith
OriginalDeutsch
1899
Die Wirthschaftpolitik der historischen Schule
OriginalDeutsch
1900er
1905
Schutzzoll und Freihandel. Die Voraussetzungen und Grenzen ihrer Berechtigung
OriginalDeutsch
1920er
1925
Die Äussere Wirtschaftspolitik Österreich-Ungarns [mit Gustav Gratz]
OriginalDeutsch
1930er
1930
Der wirtschaftliche Zusammenbruch Österreich-Ungarns, Die Tragödie der Erschöpfung [mit Gustav Gratz]
OriginalDeutsch
1990er
1990
Unterhändler des Vertrauens. Aus den nachgelassenen Schriften von Sektionschef Dr. Richard Schüller [Hg. von Jürgen Nautz]
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 23 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1890er
1896
Die Schuhmacherei in Wien
OriginalDeutsch
1897
Die österreichische Handwerker-Gesetzgebung
OriginalDeutsch
1900er
1908
Die Handelspolitik Großbritanniens
OriginalDeutsch
1909
Distinction entre les droits d’entrée économiquement avantageux ou préjudiciables
OriginalFranzösisch
1910er
1911
Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkte
OriginalDeutsch
Die Nachfrage nach Arbeitskräften
OriginalDeutsch
1912
Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns
OriginalDeutsch
1914
Die Ansprüche der Arbeiter
OriginalDeutsch
1916
Meistbegünstigung und Vorzugsbehandlung
OriginalDeutsch
1920er
1921
Wirtschaftliche Bestimmungen des Friedensvertrages von Saint-Germain
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise