FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 065

Richard Kerschagl

Werke
39
Artikel
39
Generation
4.
Porträt von Richard KerschaglPorträt von Richard Kerschagl: Zweites Porträtfoto aus dem Bildarchiv der Universität Wien Porträt von Richard Kerschagl: Porträtfoto 1953, Bildunterschrift: 'Aufnahme 1953 © Österre (1953)
FOL. 04 · N° 065 · Richard Kerschagl
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Richard Kerschagl wurde am 25. Mai 1896 in Wien als Sohn eines aus einer Kärntner Bauernfamilie stammenden Bürgerschuldirektors und Musikschriftstellers geboren. Nach der Matura am Schottengymnasium 1914 und Kriegsdienst als Leutnant der Reserve studierte er Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien, promovierte 1919 zum Dr. iur. und 1922 zum Dr. rer. pol. Die staatswissenschaftliche Dissertation wurde von Othmar Spann betreut, dessen universalistischer Schule Kerschagl in den 1920er-Jahren ohne formelle Mitgliedschaft im engeren Kreis nahestand. Kerschagl arbeitete ab 1920 als Währungssachverständiger der Österreichisch-ungarischen Bank und wechselte 1923 als Rechtskonsulent und volkswirtschaftlicher Referent zur neuen Österreichischen Nationalbank, wo er später die Statistik-, Verlags- und Bibliotheksabteilung leitete. Akademisch habilitierte er sich 1922 an der Hochschule für Welthandel für Politische Ökonomie, wurde 1929 ausserordentlicher und 1937 ordentlicher Professor für Handelspolitik. Parallel lehrte er ab 1928 an der Konsularakademie, wo er ab 1930 als Professor für Handelspolitik wirkte und 1933 das Institut für Wirtschaftspolitik leitete. 1933 gründete er an der Hochschule für Welthandel das Seminar für Währungsforschung. Politisch trat Kerschagl 1929 in die Wiener Heimwehr ein, kämpfte im Februar 1934 auf Seiten der Regierung und gehörte vom 1. November 1934 bis zum 12. März 1938 dem Staatsrat sowie dem Bundestag des austrofaschistischen Ständestaats an. Mit dem „Anschluss“ wurde er am 13. März 1938 verhaftet und bis zum 29. Juli 1938 in Haft gehalten, im August nach dem Berufsbeamtengesetz entlassen, mit Gauverbot belegt und im März 1940 mit gekürzten Bezügen in Ruhestand versetzt. Bis 1944 arbeitete er in Berlin und als Bankleiter im besetzten Polen, kehrte dann nach Kärnten zurück und schloss sich der Widerstandsbewegung an. Nach 1945 wurde er sofort rehabilitiert und beriet die britische Militärregierung als Wirtschaftsexperte; zugleich war er Regierungsbeauftragter für Westkärnten. Er kehrte als Ordinarius und Institutsvorstand an die Hochschule für Welthandel zurück, war 1947–1949 und 1960–1962 deren Rektor, ab 1952 Honorarprofessor an der Universität Wien und wurde 1967 emeritiert. Bis zu seinem Tod am 30. Dezember 1976 in Hermagor war er Präsident des Verbands Österreichischer Volkshochschulen und der Österreichischen UNESCO-Kommission. Sein wissenschaftliches Werk umfasst über 80 Publikationen zu Geld-, Bank-, Währungs- und Finanzwissenschaft; im Gefüge der Wiener Nationalökonomie steht er zwischen Spann-Schule und akademischer Geldtheorie, ohne in die engere Mises-Hayek-Linie eingebunden gewesen zu sein.
Metadaten
25. Mai 1896
in Wien
30. Dezember 1976
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. ⁦1914–1922⁩
    ⁦1914–1922⁩
    Jus und Staatswissenschaften, Universität Wien

    Studium an der Universität Wien, unterbrochen durch Kriegsdienst als Leutnant der Reserve. Doppelpromotion Dr. iur. (1919) und Dr. rer. pol. (1922).

  2. 1919
    1919
    Dr. iur., Universität Wien

    Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften an der Universität Wien.

  3. ⁦1920–1923⁩
    ⁦1920–1923⁩
    Währungssachverständiger, Österreichisch-ungarische Bank

    Tätigkeit als Währungsexperte im Generalsekretariat der Österreichisch-ungarischen Bank.

  4. 1922
    1922
    Dr. rer. pol., Universität Wien

    Promotion zum Doktor der Staatswissenschaften, Dissertation betreut von Othmar Spann.

  5. 1922
    1922
    Habilitation für Politische Ökonomie, Hochschule für Welthandel

    Venia legendi für Politische Ökonomie an der Hochschule für Welthandel Wien; Spann lieferte ein freundlich-distanziertes Gutachten.

  6. ⁦1923–1938⁩
    ⁦1923–1938⁩
    Rechtskonsulent und volkswirtschaftlicher Referent, Österreichische Nationalbank

    Bei der Österreichischen Nationalbank tätig, später Leiter der Statistik-, Verlags- und Bibliotheksabteilung.

  7. ⁦1928–1938⁩
    ⁦1928–1938⁩
    Professor für Handelspolitik, Konsularakademie

    Lehrauftrag an der Konsularakademie ab 1928, ab 1930 Professor für Handelspolitik, ab 1933 Leiter des Instituts für Wirtschaftspolitik.

  8. ⁦1929–1937⁩
    ⁦1929–1937⁩
    Ausserordentlicher Professor, Hochschule für Welthandel

    Ausserordentliche Professur für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Hochschule für Welthandel.

  9. ⁦1937–1938⁩
    ⁦1937–1938⁩
    Ordentlicher Professor, Hochschule für Welthandel

    Berufung zum Ordinarius für Handelspolitik. Nach dem „Anschluss“ 1938 Verlust aller Ämter.

  10. ⁦1938–1944⁩
    ⁦1938–1944⁩
    Bankleiter im besetzten Polen

    Nach BBG-Entlassung und Gauverbot Tätigkeit in Berlin, anschliessend Leitung einer Bank im besetzten Polen bis 1944.

  11. ⁦1945–1967⁩
    ⁦1945–1967⁩
    Ordinarius und Institutsvorstand, Hochschule für Welthandel

    Nach Rehabilitierung Ordinarius für Volkswirtschaftslehre und Vorstand des Instituts für Nationalökonomie; Rektor 1947–49 und 1960–62.

  12. ⁦1952–1967⁩
    ⁦1952–1967⁩
    Honorarprofessor, Universität Wien

    Honorarprofessur an der Universität Wien parallel zum Ordinariat an der Hochschule für Welthandel.

  13. 1967
    1967
    Emeritierung

    Emeritierung als Ordinarius an der Hochschule für Welthandel.

  14. 1976
    1976
    Tod in Hermagor

    Gestorben am 30. Dezember 1976 in Hermagor; Bestattung am 6. Jänner 1977.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 2
  1. ⁦1922–1922⁩
    ⁦1922–1922⁩
    Othmar Spann⁦(1878–1950)⁩ · Universalismus

    Spann betreute Kerschagls staatswissenschaftliche Dissertation (Dr. rer. pol., 1922) an der Universität Wien.

  2. ⁦1922–1929⁩
    ⁦1922–1929⁩
    Othmar Spann⁦(1878–1950)⁩ · Universalismus

    Spann verfasste das gutachterliche Voten zur Habilitation und zur Beförderung zum ausserordentlichen Professor an der Hochschule für Welthandel; lobte Vielseitigkeit, kritisierte die Oberflächlichkeit.

Richard Kerschagl im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1920
Die Währungstrennung in den Nationalstaaten
OriginalDeutsch
1921
Die Lehre vom Gelde in der Wirtschaft
OriginalDeutsch
1922
Die Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehres
OriginalDeutsch
Die Geldprobleme von heute
OriginalDeutsch
1923
Theorie des Geldes und der Geldwirtschaft
OriginalDeutsch
1925
Das österreichische Schillingsgesetz
OriginalDeutsch
Die Steuer- und Abgabenbelastung der Wirtschaft in Österreich
OriginalDeutsch
Einführung in die Methodenlehre der Nationalökonomie
OriginalDeutsch
1927
Volkswirtschaftslehre. Eine Darstellung ihrer wichtigsten Lehrmeinungen
OriginalDeutsch
1928
Geld-, Bank- und Börsenwesen
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 39 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1921
Überblick über das Schrifttum des Geldwesens von 1914 bis 1920
OriginalDeutsch
Universalismus und Individualismus in der Methodik der Geldtheorie. Versuch einer dogmengeschichtlichen und wirtschaftstheoretischen Kritik
OriginalDeutsch
1922
Neue Schriften über die Natur und die Zukunft des Geldes
OriginalDeutsch
1923
Abriß der Aufgaben und Probleme der Notenbankstatistik
OriginalDeutsch
Zur Kritik der Wertlehre. Beiträge zur Beurteilung ihrer Aufgaben im Rahmen der reinen Wirtschaftslehre
OriginalDeutsch
1924
L. Walras, Theorie des Geldes. Eine Entgegnung
OriginalDeutsch
1930er
1933
Europa und die Wirtschaftsprobleme des fernen Ostens
OriginalDeutsch
1940er
1949
Das Steuersystem der USA und der UdSSR
OriginalDeutsch
1950er
1952
Bericht über die gegenwärtige Lage des Platins und der Platinmetalle. Unter besonderer Berücksichtigung ihrer monetären Verwendung
OriginalDeutsch
Neueste anglo-amerikanische Literatur zur Währungsfrage
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise