FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 078

Marianne von Herzfeld

Werke
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Artikel
2
Generation
4.
MH
FOL. 04 · N° 078 · Marianne von Herzfeld
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Marianne von Herzfeld kam am 1. März 1893 in Wien als Tochter des jüdischen Juristen Edmund von Herzfeld (1857–1901) und Ida Herzfelds, geborene Stern (Familie Pappenheim), zur Welt. Der Vater starb, als sie acht Jahre alt war. Die Familie gehörte dem jüdischen Grossbürgertum Wiens an. Ab Wintersemester 1913/14 studierte Herzfeld Geschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, insbesondere bei Alfons Dopsch und Alfred Francis Pribram. 1917 wurde sie mit der Dissertation „Zur Orienthandelspolitik Österreichs unter Maria Theresia in der Zeit von 1740–1771" promoviert; die Arbeit erschien 1919 im „Archiv für österreichische Geschichte". Die Studie über die Levantepolitik des theresianischen Österreich, die Freihafenstellung Triests und die merkantilistischen Strategien gegen französische und englische Konkurrenz brachte ihr die Aufmerksamkeit Ludwig von Mises'. In den 1920er Jahren wurde sie in das Mises-Privatseminar aufgenommen, das alle zwei Wochen in seinem Büro in der Wiener Handelskammer tagte. Mises selbst bescheinigte ihr in seinen „Erinnerungen" ein präzises Verständnis für das Zusammenspiel von Geld, Aussenhandel und Schuld. Parallel arbeitete sie für den Verband österreichischer Banken und Bankiers und blieb so im Austausch mit weiteren Seminarteilnehmern wie Helene Lieser, Stephanie Braun, Ilse Mintz und Gertrude Lovasy. Nach dem „Anschluss" 1938 wurde Herzfeld von den österreichischen Nationalsozialisten unter falschem Verdacht verhaftet und unter schweren Bedingungen inhaftiert. Im Gefängnislazarett kam der Befehl zur Freilassung unter der Auflage, das Land zu verlassen. Eine Woche nach ihrer Freilassung starb ihre Mutter, am 24. Juni 1938. Herzfeld emigrierte zu ihrer Verwandten, der Chirurgin Gertrude Herzfeld, nach Edinburgh. In Schottland arbeitete sie zunächst unter Miss Looker beim Aufbau von Unterkünften für Kriegsarbeiterinnen, danach als Sekretärin und Wardenin von Darroch House im Rahmen der Edinburgh Hostels für Studentinnen. Ihre eigentliche zweite Karriere fand sie nach der Pensionierung 1959 als Übersetzerin. Gemeinsam mit Catherine A. M. Sym und unter dem Patronat W. H. Brufords brachte sie 1957 bei der Edinburgh University Press „Letters from Goethe" heraus, eine Auswahl von 595 Briefen aus über 13 000 Briefen Goethes. Es folgte 1961 die englische Übersetzung von Konrad Onaschs „Icons" bei Faber and Faber, revidiert von David Talbot Rice. Sie starb am 27. Juli 1976 in ihrer Wohnung in 8 Montpelier, Edinburgh.
Metadaten
1. März 1893
in Wien
27. Juli 1976
in Edinburgh
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1893
    1893
    Geburt in Wien

    Tochter des Juristen und Versicherungsfachmanns Edmund von Herzfeld und Idas geb. Stern (Familie Pappenheim); jüdisches Grossbürgertum Wiens.

  2. ⁦1913–1917⁩
    ⁦1913–1917⁩
    Geschichtsstudium Universität Wien

    Ab Wintersemester 1913/14 an der Philosophischen Fakultät bei Alfons Dopsch und Alfred Francis Pribram.

  3. 1917
    1917
    Promotion zum Dr. phil.

    Dissertation „Zur Orienthandelspolitik Österreichs unter Maria Theresia in der Zeit von 1740–1771", betreut von Alfons Dopsch, mit Quellenzugang über Alfred Francis Pribram.

  4. ⁦1920–1934⁩
    ⁦1920–1934⁩
    Mitarbeit Verband österreichischer Banken und Bankiers

    Berufstätigkeit in der Wiener Bankenbranche; in dieser Zeit Austausch mit anderen Mises-Privatseminar-Teilnehmern.

  5. ⁦1920–1934⁩
    ⁦1920–1934⁩
    Teilnehmerin Mises-Privatseminar

    Aufnahme ins zweiwöchentliche Privatseminar Ludwig von Mises' wegen ihrer Fähigkeit, das Zusammenspiel von Geld, Aussenhandel und Schuld zu erfassen.

  6. 1938
    1938
    Gestapo-Haft und Ausreise

    Nach dem „Anschluss" 1938 unter falschem Verdacht verhaftet, im Gefängnislazarett erkrankt, Freilassung unter der Auflage der Ausreise. Mutter starb eine Woche später am 24. Juni 1938.

  7. 1938
    1938
    Emigration nach Edinburgh

    Zog zu ihrer Verwandten, der Chirurgin Gertrude Herzfeld, nach Edinburgh.

  8. ⁦1955–1959⁩
    ⁦1955–1959⁩
    Sekretärin und Wardenin Darroch House

    Leitung im Rahmen der Edinburgh Hostels für Studentinnen, davor unter Miss Looker Aufbau von Unterkünften für Kriegsarbeiterinnen.

  9. 1957
    1957
    „Letters from Goethe" bei Edinburgh University Press

    Übersetzung und Auswahl von 595 Goethe-Briefen gemeinsam mit C. A. M. Sym, Einleitung von W. H. Bruford.

  10. 1976
    1976
    Tod in Edinburgh

    Starb friedlich am 27. Juli 1976 in ihrer Wohnung 8 Montpelier, Edinburgh.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 2
  1. ⁦1913–1917⁩
    ⁦1913–1917⁩
    Alfons Dopsch

    Dopsch lieferte den Forschungsanstoss für die Dissertation zur theresianischen Orienthandelspolitik und betreute die Arbeit an der Universität Wien.

  2. ⁦1920–1934⁩
    ⁦1920–1934⁩

    Mises nahm Herzfeld in sein Privatseminar auf, nachdem ihre Dissertation zur Orienthandelspolitik sein Interesse geweckt hatte. Er bescheinigte ihr ein präzises Verständnis für Geld, Aussenhandel und Schuld.

Marianne von Herzfeld im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1910er
1919
Zur Orienthandelspolitik Österreichs unter Maria Theresia in der Zeit von 1740–1771
OriginalDeutsch
1950er
1957
Letters from Goethe (mit C. A. M. Sym, Einl. W. H. Bruford)
OriginalEnglisch
1960er
1961
Konrad Onasch: Icons (englische Übersetzung)
OriginalEnglisch
ARTIKEL · 2 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1910er
1919
Die Außenhandelslehre des Grafen Karl von Zinzendorf
OriginalDeutsch
1920er
1926
Die Geschichte als Funktion der Geldbewegung (Zum Problem der inflationistischen Geschichtstheorie)
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise