FOLIO I · DENKER · GEN. 02 · N° 059

Karl-Theodor von Inama-Sternegg

Werke
11
Artikel
88
Generation
2.
Porträt von Karl-Theodor von Inama-SterneggPorträt von Karl-Theodor von Inama-Sternegg: Hochgeladenes Bild
FOL. 02 · N° 059 · Karl-Theodor von Inama-Sternegg
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Inama-Sternegg stammte aus einer am Trentiner Nonsberg ansässigen Familie und war der älteste Sohn des königlich-bayerischen Stadtgerichtsassessors Johann Nepomuk Inama von Sternegg. Nach dem Gymnasium in Neuburg an der Donau, Amberg und München studierte er ab 1860 Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte an der Universität München, wo er 1865 mit einer Preisarbeit über die wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Nach Gerichtspraktikum und Habilitation 1868 wechselte er noch im selben Jahr als außerordentlicher Professor an die Universität Innsbruck, wo er 1871 Ordinarius für politische Wissenschaften wurde und 1876/77 das Rektorat führte. 1880 folgte der Ruf als Ordinarius für politische Ökonomie nach Prag, ein Jahr später ging er als Direktor des Bureaus für Administrative Statistik nach Wien. Parallel lehrte er als Honorarprofessor für Staatswissenschaften an der Universität Wien und leitete von 1882 bis 1896 allein, danach gemeinsam mit seinem Schüler Franz von Juraschek das Statistische Seminar. 1884 zum Hofrat und Präsidenten der k.k. Statistischen Zentralkommission ernannt, baute er die amtliche Statistik der cisleithanischen Reichshälfte zu einem modernen Verwaltungsapparat aus. Die Volkszählung 1890 wurde auf seine Initiative hin von Theodor Schäffler mit elektrischen Zählmaschinen des Systems Hollerith-Schäffler zentral bearbeitet, was international Beachtung fand. Wissenschaftlich gehörte Inama der Historischen Schule der Nationalökonomie an, vertrat aber innerhalb dieser eine eigenständige Position: Er lehnte den übersteigerten Induktivismus der jüngeren Generation um Gustav von Schmoller ab und verteidigte den Wert der Deduktion. Sein Programm war die Verbindung statistischer und historischer Methode zur Darstellung des Entwicklungsgangs gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Verhältnisse; das dreibändige Werk „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“ (1879, 1899, 1901) gilt als der erste Versuch einer umfassenden Wirtschaftsgeschichte des deutschsprachigen Raums. Neben der Wissenschaft war Inama ab 1891 Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit und engagierte sich als Präsident des Vereins gegen Verarmung und Bettelei. 1899 wurde er zum Präsidenten des Institut International de Statistique gewählt. Ehrendoktorate der Universitäten Krakau, Czernowitz, Cambridge und Wien sowie die Mitgliedschaft in der Wiener, der Preußischen und der Leopoldinischen Akademie unterstreichen sein internationales Ansehen. 1905 zog er sich vom aktiven Dienst auf Schloss Lichtenwert bei Brixlegg zurück, wo er drei Jahre später starb.
Metadaten
20. Januar 1843
28. November 1908
in Innsbruck, Tirol
2. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. ⁦1860–1865⁩
    ⁦1860–1865⁩
    Studium Rechts- und Staatswissenschaften, Geschichte

    Studium an der Universität München, Promotion 1865 zum Dr. rer. pol. mit einer Preisarbeit über die wirtschaftlichen Folgen des Dreißigjährigen Krieges.

  2. 1865
    1865
    Promotion Dr. rer. pol.

    Promotion an der Universität München mit der Preisarbeit „Die volkswirtschaftlichen Folgen des 30jährigen Krieges für Deutschland“.

  3. 1868
    1868
    Habilitation, Privatdozent

    Habilitation an der Universität München; lehrte ein Semester als Privatdozent, bevor er nach Innsbruck wechselte.

  4. ⁦1868–1880⁩
    ⁦1868–1880⁩
    Ao. Professor, ab 1871 Ordinarius politische Wissenschaften

    Wechsel als außerordentlicher Professor nach Innsbruck, 1871 Ordinarius für politische Wissenschaften. Dekan 1872/73 und 1874/75, Rektor 1876/77.

  5. ⁦1876–1877⁩
    ⁦1876–1877⁩
    Mitglied des Tiroler Landtags

    Erste politische Funktion neben der Innsbrucker Professur, Mitgliedschaft im Tiroler Landtag.

  6. ⁦1880–1881⁩
    ⁦1880–1881⁩
    Ordinarius für politische Ökonomie

    Berufung als ordentlicher Professor für politische Ökonomie an die deutsche Universität Prag, nur ein Jahr vor dem Wechsel nach Wien.

  7. ⁦1881–1905⁩
    ⁦1881–1905⁩
    Direktor, ab 1884 Präsident k.k. Statistische Zentralkommission

    Aufbau und Reorganisation der amtlichen Statistik der cisleithanischen Reichshälfte; Verantwortung für die Volkszählungen 1880, 1890 (erstmals zentral mit Hollerith-Schäffler-Maschinen) und 1900. 1890 titulierter, 1894 wirklicher Sektionschef.

  8. ⁦1881–1905⁩
    ⁦1881–1905⁩
    Honorarprofessor für Staatswissenschaften

    Parallel zur amtlichen Statistik Honorarprofessur an der Universität Wien; Leitung des Statistischen Seminars 1882–96 allein, ab 1897 zusammen mit Franz von Juraschek.

  9. ⁦1891–1908⁩
    ⁦1891–1908⁩
    Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit

    Lebenslange Berufung ins Herrenhaus des Reichsrats; setzte sich für eine Ausweitung des Wahlrechts und sozialpolitische Reformen ein.

  10. ⁦1899–1908⁩
    ⁦1899–1908⁩
    Präsident Institut International de Statistique

    Wahl zum Präsidenten des Internationalen Statistischen Instituts, Würdigung seiner internationalen Stellung im Fach.

  11. 1908
    1908
    Tod in Innsbruck

    Gestorben am 28. November 1908 in Innsbruck, nachdem er sich 1905 auf Schloss Lichtenwert bei Brixlegg zurückgezogen hatte.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 2
  1. ⁦1882–1908⁩
    ⁦1882–1908⁩
    Franz von Juraschek

    Inama war Lehrer und akademischer Mentor Franz von Juraschecks am Statistischen Seminar der Universität Wien; ab 1897 leiteten sie das Seminar gemeinsam, später folgte Juraschek Inama in der Leitung der Statistischen Zentralkommission nach.

  2. —
    —
    Gustav von Schmoller⁦(1838–1917)⁩ · Jüngere Historische Schule

    Inama gehörte methodisch zur Historischen Schule der Nationalökonomie um Schmoller, behielt aber eine eigenständige Position und lehnte den übersteigerten Induktivismus der Jüngeren Historischen Schule ab.

Karl-Theodor von Inama-Sternegg im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1860er
1865
Die volkswirtschaftlichen Folgen des 30jährigen Krieges für Deutschland
OriginalDeutsch
1870er
1870
Verwaltungslehre in Umrissen
OriginalDeutsch
1873
Idealismus und Realismus in der Nationalökonomie
OriginalDeutsch
1876
A. Smith und die Bedeutung seines Wealth of Nations für die moderne Nationalökonomie
OriginalDeutsch
1877
Über die Quellen der deutschen Wirthschaftsgeschichte
OriginalDeutsch
1879
Deutsche Wirtschaftsgeschichte
OriginalDeutsch
1880er
1886
Zur Verfassungsgeschichte der deutschen Salinen im Mittelalter
OriginalDeutsch
1890er
1890
Der statistische Unterricht
OriginalDeutsch
1891
Deutsche Wirtschaftsgeschichte, Band 2: Das 10. bis 12. Jahrhundert (Originalausgabe 1891)
OriginalDeutsch
1892
Die persönlichen Verhältnisse der Wiener Armen
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 88 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1860er
1865
Der Accisenstreit deutscher Finanztheoretiker im 17. und 18. Jahrhundert
OriginalDeutsch
Erinnerung an Johann Georg Mayr, königl. bayer. Inspector am topographischen Bureau des königl. General-Quartiermeisterstabes
OriginalDeutsch
1867
Studien über Landwirthschaftspolitik
OriginalDeutsch
Ueber Inhalt und Grenzen des Staatslebens
OriginalDeutsch
1869
Beiträge zur Lehre vom Staatsgebiete
OriginalDeutsch
1870er
1870
Die Rechtsverhältnisse des Staatsgebiets
OriginalDeutsch
1872
Die Gliederung des Staatsgebiets
OriginalDeutsch
1874
[Rezension zu] C. Rocholl: System des deutschen Armenpflegerechtes
OriginalDeutsch
[Rezension zu] C. Rocholl: System des deutschen Armenpflegerechtes. I. Abtheilung
OriginalDeutsch
[Rezension zu] Carl Knies: Geld und Credit. I. Abtheilung: Das Geld
OriginalDeutsch
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