Joseph A. Schumpeter
Leben und Werk
- 8. Februar 1883
- 8. Januar 1950
- 3. Generation
Stationen
- 1893Ehe der Mutter mit Sigismund von Kéler
Nach dem frühen Tod des Vaters zog Schumpeters Mutter Johanna nach Graz, wo sie 1893 den um 32 Jahre älteren Leutnantfeldmarschall Sigismund von Kéler ehelichte und mit ihm nach Wien übersiedelte.[1]
- 1893Übersiedlung nach Wien— ungefähr
Übersiedlung nach Wien mit Mutter und Stiefvater nach deren Eheschließung in Graz.
- 1901–1906Studium der Rechte und Nationalökonomie
Studium der Rechte in Wien; wandte sich unter dem Einfluss der Menger-Schüler Friedrich von Wieser, Eugen von Böhm-Bawerk und Eugen Philippovich von Philippsberg vor allem der Nationalökonomie zu.[1]
- 1906–1907Studienaufenthalt Berlin und London
Studien- und Forschungsaufenthalt in Berlin (1906) und London (1906–1907) nach der Promotion.[1]
- 1906–1908Studium an LSE, Oxford und Cambridge— ungefähr
Nach dem Abschluss in Wien fügte Schumpeter an der London School of Economics sowie in Oxford und Cambridge seiner „österreichischen“ eine damals noch seltene englische Ausbildung hinzu.
- 1907Erste Ehe mit Gladys Ricarde Seaver
Heiratete 1907 die zwölf Jahre ältere Engländerin Gladys Ricarde Seaver, Tochter eines hohen anglikanischen Würdenträgers. Trennung 1913, Scheidung 1925.[4]
- 1907–1908Internationaler Gerichtshof Kairo
Tätigkeit am Internationalen Gemischten Gerichtshof in Kairo 1907–1908; bearbeitete Wirtschaftsfälle und nutzte die Zeit zur Arbeit am Habilitationsmanuskript.[1]
- 1908„Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“
Erscheinen von Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie (1908) mit ausgewogener Darstellung des Methodenstreits und Plädoyer für den methodologischen Individualismus.
- 1909Habilitation
Habilitation an der Universität Wien 1909, kurz nach Erscheinen von Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie (1908).[1]
- 1909–1911Außerordentliche Professur in Czernowitz
Trat 1909 eine außerordentliche Professur in Czernowitz an, in der heutigen Ukraine.[1]
- 1911–1921Lehrstuhl für Politische Ökonomie in Graz
Mit 28 Jahren auf den Lehrstuhl für „Politische Ökonomie“ an die Universität Graz berufen.[1]
- 1912„Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“
Veröffentlichung der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1912), die rasch internationale Beachtung fand.
- 1914Gastprofessur an der Columbia University
Übernahm 1914 eine Gastprofessur an der Columbia University in New York.[1]
- 1915Dekan der Grazer Juridischen Fakultät— inferiert
Aus Amerika zurückgekehrt, wurde Schumpeter sogleich zum Dekan der Grazer Juridischen Fakultät gewählt.
- 1918Mitglied der deutschen Sozialisierungskommission
Mitglied der deutschen Sozialisierungskommission unter Karl Kautsky 1918; trat zum Erstaunen aller für die vollständige und sofortige Verstaatlichung des Kohlebergbaus ein.
- 1919Finanzminister
1919 als Finanzminister in die sozialistische Regierung berufen; sieben Monate später musste er wieder zurücktreten.[1]
- 1921–1924Präsident Biedermann-Bank
Ab 1921 Präsident der M. L. Biedermann & Co. Bank in Wien; nach finanziellen Verlusten 1924 Rücktritt 1925.[1]
- 1925Zweite Ehe mit Anna Reisinger
Heiratete 1925 in zweiter Ehe Anna Josefina Reisinger (Tochter des Hausmeisters im Haus seiner Mutter, zwanzig Jahre jünger); sie starb am 3. August 1926 bei der Geburt des ersten Kindes – auch das Kind überlebte nicht.[5]
- 1925–1932Ordentlicher Professor in Bonn
Ab 1925 Ordinariat für wirtschaftliche Staatswissenschaften in Bonn; sorgte dafür, dass Bonn zum Treffpunkt für Ökonomen aus aller Welt wurde.[1]
- 1927–1928Gastprofessur Harvard
Gastprofessur an der Harvard University 1927/28 (und erneut 1930) – Vorbereitung der späteren Harvard-Berufung.[6]
- 1932–1950Wechsel an die Harvard University
1932 beendete Schumpeter seine Lehrtätigkeit in Deutschland und wechselte an die Harvard University nach Cambridge (USA); konnte einen illustren Kreis post-graduate Studenten und junger Forscher um sich scharen und trug zum „golden age of economics“ in Harvard bei.[1]
- 1937Dritte Ehe mit Elizabeth Boody
Heiratete 1937 in dritter Ehe die US-amerikanische Wirtschaftshistorikerin Dr. Elizabeth Boody (1898–1953). Sie wird nach seinem Tod sein Manuskript zur „History of Economic Analysis“ posthum (1954) herausgeben.[7]
- 1939„Business Cycles“
Erscheinen der Business Cycles (1939) während der Harvard-Zeit.
- 1942„Capitalism, Socialism, and Democracy“
Erscheinen von Capitalism, Socialism, and Democracy (1942), eines der drei großen Werke aus der Harvard-Zeit.[2]
- 1954„History of Economic Analysis“ (posthum)
Posthumes Erscheinen der History of Economic Analysis (1954) als drittes der großen Spätwerke.[2]
Beeinflussungen
- 1901–1906
Wandte sich während des Studiums in Wien unter dem Einfluss Eugen von Böhm-Bawerks vor allem der Nationalökonomie zu; Böhm-Bawerk war einer der prägenden akademischen Lehrer der Wiener Studienzeit.[1]
- 1901–1906
Wandte sich während des Wiener Studiums unter dem Einfluss Eugen Philippovich von Philippsbergs der Nationalökonomie zu; Philippovich gehörte neben Wieser und Böhm-Bawerk zum Kreis der prägenden Menger-Schüler an der Universität Wien.[1]
- 1901–1906
Wandte sich während des Rechtsstudiums an der Universität Wien unter dem Einfluss des Menger-Schülers Friedrich von Wieser der Nationalökonomie zu.[1]
- —James Tobin(1918–2002) · Yale-Schule
Tobin promovierte als Doktorand bei Schumpeter an der Harvard University.[6]
- —Paul Samuelson(1915–2009) · MIT-Neoklassik
Samuelson promovierte als Doktorand bei Schumpeter an der Harvard University.[6]
- —John Kenneth Galbraith(1908–2006) · US-Institutionalismus
Galbraith zählt zu den herausragenden Schülern Schumpeters in Harvard.[6]
- —Robert Heilbroner(1919–2005) · US-Wirtschaftsgeschichte
Heilbroner wird als einer der herausragenden Harvard-Schüler Schumpeters beschrieben.[8]
- —John Maynard Keynes(1883–1946) · Cambridge School
Intellektueller Gegenpol zu John Maynard Keynes in der Harvard-Phase ab 1932: Schumpeter setzte mit Business Cycles (1939) und Capitalism, Socialism, and Democracy (1942) der keynesianischen Makroökonomik eine konjunktur- und unternehmertheoretisch fundierte Lesart entgegen.
- 1905–1906
Schumpeter besuchte Böhm-Bawerks berühmtes Privatseminar an der Universität Wien gemeinsam mit dem jungen Mises (Aufgabenhinweis Pipeline-Briefing).
- 1936–1950
Haberler arbeitete als Professor an der Harvard University mit Joseph Schumpeter zusammen.[6]
Joseph A. Schumpeter im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.
Im Stammbaum anzeigen →QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN37 Belege · 4 Quellen
- [1]ÖBL: Schumpeter, Joseph Alois · 20×
- [4]McCraw: Prophet of Innovation (2007)
- [5]McCraw: Prophet of Innovation (2007)
- [6]McCraw: Prophet of Innovation (2007) · 6×
- [7]McCraw: Prophet of Innovation (2007)
- [8]Heilbroner: The Worldly Philosophers (1999)
- [9]Somary: Erinnerungen aus meinem Leben (1959)
Wirkungsorte
Die Bücher
- The Nature and Essence of Economic TheoryOriginalEnglisch
- The Theory of Economic Development: An Inquiry into Profits, Capital, Credit, Interest, and the Business Cycle1934OriginalEnglisch
- Economic Doctrine and Method: An Historical SketchOriginalEnglisch
Aufsätze, Rezensionen, Vorträge
- APA
- Joseph A. Schumpeter. (o. D.). Herausgegeben von mises.at und scholarium. Abgerufen am 13. Oktober 2026, von https://mises.at/joseph-a-schumpeter
- Chicago
- “Joseph A. Schumpeter.” o. D. Herausgegeben von mises.at und scholarium. Abgerufen am 13. Oktober 2026. https://mises.at/joseph-a-schumpeter.
- Deutsche historische Zitierweise
- Joseph A. Schumpeter, herausgegeben von mises.at und scholarium, https://mises.at/joseph-a-schumpeter (abgerufen am 13. Oktober 2026).


