FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 072

Ilse Mintz

Werke
5
Artikel
5
Generation
4.
Porträt von Ilse MintzPorträt von Ilse Mintz: Portrait 1916, Ilse Schüller als Mädchen (12 Jahre). Zweite  (1916)Porträt von Ilse Mintz: Ilse Schüller-Mintz mit Tochter Gabriele, 1932 (1932)
FOL. 04 · N° 072 · Ilse Mintz
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Ilse Schüller wurde am 19. Juni 1904 in Wien als älteste Tochter des Handelsministerialbeamten und Ökonomen Richard Schüller und Ernestine Rosenthal geboren. Sie wuchs in einem grossbürgerlich-assimilierten jüdischen Haushalt auf, der eng mit den ökonomischen und diplomatischen Eliten der späten Habsburgermonarchie und der Ersten Republik verflochten war. Ihre Schwestern Susanne Schüller-Piroli (Historikerin) und Hilde Kurz (Kunsthistorikerin) zeigen das Muster wissenschaftlich-bürgerlicher Sozialisation der Familie. An der Universität Wien studierte sie Nationalökonomie und promovierte 1927 bei Ludwig von Mises. Mises nahm sie in sein Privatseminar auf, wo sie sich auf Aussenhandelsfragen konzentrierte. Im Dezember 1926 heiratete sie den Wirtschaftsjuristen Maximilian Mintz, mit dem sie zwei Kinder hatte: Walter Mintz (1929-2004, später Hedgefonds-Manager) und Marjorie Perloff (1931-2024, Literaturwissenschaftlerin). In den 1930ern arbeitete sie am Wiener Institut für Konjunkturforschung, das damals von Hayek und später von Morgenstern geleitet wurde. Nach dem „Anschluss“ floh die Familie am 12. März 1938 über die Schweiz und die Niederlande nach New York. In den USA setzte Mintz ihre wissenschaftliche Karriere fort: Ab 1943 studierte sie erneut an der Columbia University und promovierte 1951 zum zweiten Mal, betreut von Arthur F. Burns, dem späteren Federal-Reserve-Vorsitzenden. Ihre Dissertation über die Qualitätsverschlechterung ausländischer Anleihen der 1920er Jahre erschien 1951 als NBER-Monografie und gilt bis heute als Standardreferenz zu den Vorbedingungen der Anleihenkrise. Als Senior Research Associate am National Bureau of Economic Research arbeitete sie eng mit Burns und Wesley C. Mitchell zusammen und veröffentlichte eine Reihe einflussreicher Studien zu internationalem Handel und Konjunkturzyklen: zur amerikanisch-britischen Handelsbilanz (1959), zu US-Exportschwankungen (1961, 1967), zur Methodik der Konjunkturdatierung am Beispiel Westdeutschlands (1969). Parallel lehrte sie als Associate Professor und ab den 1960ern als Professor of Economics an Columbia. Nach ihrer Emeritierung 1969 wechselte sie nach Washington, lehrte an der Catholic University of America und veröffentlichte 1973 für das American Enterprise Institute die viel zitierte Studie „U.S. Import Quotas: Costs and Consequences“. Sie starb am 19. Juni 1978 in Washington, D.C., an ihrem 74. Geburtstag.
Metadaten
19. Juni 1904
in Wien, Österreich-Ungarn
19. Juni 1978
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. ⁦1922–1927⁩
    ⁦1922–1927⁩
    Studium der Nationalökonomie, Universität Wien

    Studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien, hauptsächlich bei Ludwig von Mises.

  2. 1927
    1927
    Promotion bei Ludwig von Mises

    Erstes Doktorat in Nationalökonomie an der Universität Wien.

  3. ⁦1927–1934⁩
    ⁦1927–1934⁩
    Teilnehmerin des Mises-Privatseminars

    Mises nahm sie in sein Privatseminar auf, wo sie sich auf Aussenhandel spezialisierte.

  4. ⁦1929–1938⁩
    ⁦1929–1938⁩
    Institut für Konjunkturforschung

    Tätigkeit am Wiener Institut für Konjunkturforschung mit Schwerpunkt Aussenhandel.

  5. 1938
    1938
    Flucht über Schweiz und Niederlande nach New York

    Nach dem „Anschluss“ am 12. März 1938 floh die Familie Mintz binnen Tagen über die Schweiz und Holland nach New York.

  6. ⁦1943–1951⁩
    ⁦1943–1951⁩
    Zweitstudium an Columbia University

    Wiederaufnahme des ökonomischen Studiums an der Columbia University in New York.

  7. 1951
    1951
    Zweite Promotion bei Arthur F. Burns, Columbia

    Dissertation über die Qualitätsverschlechterung ausländischer Anleihen der 1920er Jahre, erschienen als NBER-Monografie.

  8. ⁦1951–1969⁩
    ⁦1951–1969⁩
    Professorin an Columbia University und am NBER

    Lehrte als Associate Professor und später als Professor of Economics an Columbia; parallel Senior Research Associate am National Bureau of Economic Research mit Schwerpunkt Konjunkturzyklen und internationaler Handel.

  9. ⁦1969–1978⁩
    ⁦1969–1978⁩
    Lecturer, Catholic University of America

    Nach der Emeritierung in Columbia Lehrtätigkeit an der Catholic University of America und Mitarbeit am American Enterprise Institute.

  10. 1978
    1978
    Tod in Washington, D.C.

    Gestorben am 19. Juni 1978, ihrem 74. Geburtstag.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 5
  1. ⁦1922–1927⁩
    ⁦1922–1927⁩

    Promotionsbetreuer in Wien 1927; Mintz war anschliessend Teilnehmerin seines Privatseminars.

  2. ⁦1927–1934⁩
    ⁦1927–1934⁩

    Mises nahm sie in sein Privatseminar auf, wo sie sich auf Aussenhandel spezialisierte.

  3. ⁦1943–1951⁩
    ⁦1943–1951⁩
    Arthur Burns⁦(1904–1987)⁩ · NBER / US-Notenbank

    Betreuer ihrer zweiten Promotion an Columbia University 1951 zur Qualitätsverschlechterung amerikanischer Auslandsanleihen.

  4. ⁦1951–1969⁩
    ⁦1951–1969⁩
    Arthur Burns⁦(1904–1987)⁩ · NBER / US-Notenbank

    Langjährige Forschungskooperation am NBER; Mintz war Senior Research Associate unter Burns' wissenschaftlicher Leitung.

  5. ⁦1951–1969⁩
    ⁦1951–1969⁩
    Milton Friedman⁦(1912–2006)⁩ · Chicago School

    NBER-Kollegen; gemeinsame institutionelle Anbindung über Jahrzehnte, von der Tochter Marjorie Perloff explizit erwähnt.

Ilse Mintz im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1950er
1951
Deterioration in the Quality of Foreign Bonds Issued in the United States, 1920-1930
OriginalEnglisch
1959
Trade Balances during Business Cycles: U.S. and Britain since 1880
OriginalEnglisch
1960er
1967
Cyclical Fluctuations in the Exports of the United States since 1879
OriginalEnglisch
1969
Dating Postwar Business Cycles: Methods and Their Application to Western Germany, 1950-67
OriginalEnglisch
1970er
1973
U.S. Import Quotas: Costs and Consequences
OriginalEnglisch
ARTIKEL · 5 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1950er
1951
[Rezension zu] Arthur I. Bloomfield: Capital Imports and the American Balance of Payments 1934-39
OriginalEnglisch
1960er
1960
Rezension: Albert H. Imlah, Economic Elements in the Pax Britannica
OriginalEnglisch
1961
American Exports During Business Cycles, 1879-1958
OriginalEnglisch
1970er
1972
Dating American Growth Cycles
OriginalEnglisch
1974
Dating United States Growth Cycles
OriginalEnglisch
APA
Chicago
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