FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 073

Gerhard Tintner

Werke
13
Artikel
250
Generation
4.
GT
FOL. 04 · N° 073 · Gerhard Tintner
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Gerhard Emil Leopold Tintner wurde am 29. September 1907 in Nürnberg als Sohn der österreichischen Eltern Leopold und Karoline Tintner geboren. Die Familie war jüdischer Herkunft, der grösste Teil von Tintners Schul- und Studienzeit fiel auf Wien, wohin die Eltern bald nach seiner Geburt zurückkehrten. An der Universität Wien studierte er ab Mitte der 1920er Jahre Nationalökonomie, Statistik und Rechtswissenschaft und schloss am 22. Dezember 1930 mit dem Dr. iur. ab. Als Doktorvater wird in der Math-Genealogy-Tradition Ludwig von Mises geführt, was angesichts der Wiener Lehrstuhl-Konstellation atypisch ist, sich aber mit Tintners enger Bindung an den Mises-Kreis deckt. Von 1930 bis 1936 arbeitete Tintner am Österreichischen Institut für Konjunkturforschung in Wien, anfangs unter Friedrich August von Hayek, ab 1931 unter Oskar Morgenstern. Hier entstand auch sein erstes Hauptwerk „Prices in the Trade Cycle“ (Wien 1935), mit einem Vorwort Morgensterns. Parallel nahm er als Zusatzgast am Mises-Privatseminar teil, neben Figuren wie Karl Menger jun., Ewald Schams und Erich Schiff. Ein Rockefeller-Fellowship führte ihn 1934 bis 1936 nach Harvard, Columbia, Chicago, Stanford, Berkeley, an das Pariser Institut Henri Poincaré und nach Cambridge. Bereits 1930 hatte ein kurzer Studienaufenthalt an der London School of Economics ihn mit Lionel Robbins zusammengeführt. 1936 emigrierte Tintner endgültig in die USA. Nach einem knappen Jahr als Research Fellow an der Cowles Commission in Colorado Springs übernahm er 1937 eine Assistenzprofessur am Iowa State College in Ames, wo er bis 1962 blieb, zuletzt als ordentlicher Professor für Ökonomie, Mathematik und Statistik. In dieser Zeit entstand das Lehrbuch „Econometrics“ (1952), das die junge Disziplin international kodifizierte, sowie „Mathematics and Statistics for Economists“ (1953). Tintner war Gutachter des Office of Strategic Services und beriet das US-Landwirtschaftsministerium. Nach kurzem Wechsel an die University of Pittsburgh wirkte er von 1963 bis 1973 als Distinguished Professor an der University of Southern California. 1973 kehrte er als Honorarprofessor und Vorstand des Instituts für Ökonometrie und Operations Research an die Technische Universität Wien zurück, das er bis 1978 leitete. Mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um Wien (1979), dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1982) und einem Bonner Ehrendoktorat ehrte ihn die Wissenschaftsgemeinschaft. Er starb am 13. November 1983 in Wien.
Metadaten
29. September 1907
13. November 1983
in Wien, Österreich
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. ⁦1925–1930⁩
    ⁦1925–1930⁩
    Studium der Nationalökonomie, Statistik und Rechte

    Studium an der Universität Wien, abgeschlossen mit dem Dr. iur. am 22. Dezember 1930.

  2. 1930
    1930
    Promotion zum Dr. iur., Universität Wien

    Rigorosum und Promotion am 22. Dezember 1930. Math Genealogy nennt Ludwig von Mises als Doktorvater.

  3. 1930
    1930
    Studienaufenthalt London School of Economics

    Kurzer Postdoc-Aufenthalt an der LSE im Umfeld Lionel Robbins'.

  4. ⁦1930–1936⁩
    ⁦1930–1936⁩
    Mitarbeiter Institut für Konjunkturforschung

    Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Konjunkturforschung, zunächst unter Hayek, ab 1931 unter Morgenstern.

  5. ⁦1934–1936⁩
    ⁦1934–1936⁩
    Rockefeller-Fellowship

    Studienreisen nach Harvard, Columbia, Chicago, Stanford, Berkeley, Institut Henri Poincaré (Paris) und Cambridge.

  6. 1936
    1936
    Emigration in die USA

    Abreise aus Wien aus Pessimismus über die politische Zukunft Österreichs.

  7. ⁦1936–1937⁩
    ⁦1936–1937⁩
    Research Fellow, Cowles Commission

    Forschungsfellow an der Cowles Commission for Research in Economics in Colorado Springs.

  8. ⁦1937–1962⁩
    ⁦1937–1962⁩
    Professor, Iowa State College

    Assistant Professor (1937–1939), Associate Professor (1939–1946) und Full Professor of Economics, Mathematics and Statistics (1946–1962) am Iowa State College, der späteren Iowa State University.

  9. ⁦1962–1963⁩
    ⁦1962–1963⁩
    University of Pittsburgh

    Kurzer Wechsel an die University of Pittsburgh nach der Aufgabe der Iowa-Professur.

  10. ⁦1963–1973⁩
    ⁦1963–1973⁩
    Distinguished Professor, USC

    Distinguished Professor of Economics and Mathematics an der University of Southern California in Los Angeles.

  11. 1969
    1969
    John R. Commons Award

    Ehrung durch die Omicron Delta Epsilon Honor Society.

  12. ⁦1973–1978⁩
    ⁦1973–1978⁩
    Vorstand Institut für Ökonometrie, TU Wien

    Honorarprofessor und Vorstand des Instituts für Ökonometrie und Operations Research an der Technischen Universität Wien.

  13. 1979
    1979
    Goldenes Ehrenzeichen Wien

    Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien.

  14. 1982
    1982
    Österreichisches Ehrenkreuz I. Klasse

    Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.

  15. 1983
    1983
    Tod in Wien

    Gestorben am 13. November 1983 in Wien.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 3
  1. ⁦1928–1930⁩
    ⁦1928–1930⁩

    Mises wird im Mathematics Genealogy Project als Doktorvater von Tintners Dr.-iur.-Promotion 1930 geführt. Die Konstellation ist atypisch, weil Mises Privatdozent ohne Ordinariat war, deckt sich aber mit Tintners Nähe zum Mises-Kreis.

  2. ⁦1930–1930⁩
    ⁦1930–1930⁩
    Lionel Robbins⁦(1898–1984)⁩ · LSE

    Kurzer Studienaufenthalt an der London School of Economics 1930 im Umfeld Robbins'.

  3. ⁦1936–1938⁩
    ⁦1936–1938⁩
    Abraham Wald⁦(1902–1950)⁩ · Wiener Kreis (Mathematik)

    Tintner ermöglichte Abraham Wald die Aufnahme an der Cowles Commission und damit den Übergang in die amerikanische Ökonometrie.

Gerhard Tintner im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1930er
1935
Prices in the Trade Cycle
OriginalEnglisch
1940er
1940
The Variate Difference Method
OriginalEnglisch
1950er
1952
Econometrics
OriginalEnglisch
1953
Mathematics and Statistics for Economists
OriginalEnglisch
1960er
1960
Handbuch der Ökonometrie
OriginalDeutsch
1963
Introducción a la econometría
OriginalSpanisch
1966
Topics in Econometrics
OriginalEnglisch
1968
Methodology of Mathematical Economics and Econometrics
OriginalEnglisch
1970er
1971
Stochastische Elemente in der Ökonomie
OriginalDeutsch
1972
Stochastic Economics: Stochastic Processes, Control, and Programming
OriginalEnglisch
ARTIKEL · 250 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1930er
1933
Die allgemeine Preisbildung, 1890–1913 [Rezension]
OriginalDeutsch
1935
Die Nachfrage im Monopolgebiet
OriginalDeutsch
1936
A Note on Distribution of Income Over Time
OriginalEnglisch
Internationale Konjunkturforschung
OriginalDeutsch
Rezension: Dynamic Economics: Theoretical and Statistical Studies of Demand, Production and Prices. Charles Frederick Roos
OriginalEnglisch
Rezension: Family Expenditure: A Study of Its Variation
OriginalEnglisch
1937
Monopoly Over Time
OriginalEnglisch
1938
A Note on Economic Aspects of the Theory of Errors in Time Series
OriginalEnglisch
Rezension: Mathematical Analysis for Economists
OriginalEnglisch
Rezension: Preistheorie und Preiseingriff. Arnold Horwitz
OriginalEnglisch
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