FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 009

Fritz Machlup

Werke
53
Artikel
104
Generation
4.
Porträt von Fritz MachlupPorträt von Fritz Machlup: Fritz Machlup, Portrait (Austrian Economics Center)
FOL. 04 · N° 009 · Fritz Machlup
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Als Sohn eines jüdischen Unternehmers wuchs er in Wiener Neustadt auf, studierte neben seiner Tätigkeit in der elterlichen Kartonfabrik Staatswissenschaften in Wien und dissertierte mit „Die Goldkernwährung“ (1925) bei Ludwig von Mises. Neben seiner Geschäftstätigkeit nahm er regelmäßig am Mises-Privatseminar teil und publizierte Rezensionen, Aufsätze, Bücher und mehr als 150 Zeitungsartikel. Zusätzlich wirkte der umtriebige Vielarbeiter noch als Vorstandsmitglied im Österreichischen Karton-Kartell sowie in der Nationalökonomischen Gesellschaft und unterrichtete von 1929 bis 1933 an der Volkshochschule Ottakring. Mit „Börsenkredit, Industriekredit und Kapitalbildung“ (1931), einer soliden Analyse der Börsenfinanzierung im Lichte der österreichischen Geldtheorie, wollte sich Machlup ursprünglich habilitieren, doch die Professoren Spann und Degenfeld-Schonburg eröffneten ihm, dass sein Habilitationsansuchen auf Grund seiner jüdischen Abstammung nicht zur Abstimmung gebracht werden würde. Auch Hans Mayer war zur Unterstützung eines Schülers von Mises nicht bereit. In der Folge verließ Machlup 1933 das Land und wurde 1934 Gastprofessor an der Harvard University. Ein Jahr später verkaufte er die Anteile an seiner Fabrik im niederösterreichischen Ybbstal und emigrierte endgültig in die USA. Während des Krieges stand er vielen in Österreich Bedrängten bei und half bei deren Ausreise oder Flucht. In den USA setzte Machlup seine akademische Karriere an verschiedenen Universitäten fort. Er beschäftigte sich vor allem mit internationalen Währungsproblemen, Fragen des Wettbewerbs sowie den Formen des Marktes und legte die Grundlagen für eine ökonomische Theorie des Wissens. 1966 wurde er zum Präsidenten der American Economic Association gewählt. Fritz Machlup wurde stets als eine außergewöhnliche Persönlichkeit beschrieben. Er begeisterte durch seine Agilität, seine intellektuelle Klarheit, seinen Esprit und seine großen didaktischen Fähigkeiten. Von diesem Energiebündel aus Wiener Neustadt sichtlich angetan, verstieg sich ein amerikanischer Student zu dem Wortspiel: Mach 1, Mach 2, Mach 3 – Machlup.
Metadaten
15. Dezember 1902
30. Januar 1983
in Princeton, New Jersey
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1902
    1902
    Geburt

    Geboren am 15. Dezember 1902 in Wiener Neustadt als Sohn eines jüdischen Unternehmers; wuchs dort in der elterlichen Kartonfabrik auf.

  2. ⁦1920–1923⁩
    ⁦1920–1923⁩
    Studium der Staatswissenschaften in Wien

    Studierte neben seiner Tätigkeit in der elterlichen Kartonfabrik Staatswissenschaften in Wien.

  3. 1923
    1923
    Doktorat bei Ludwig von Mises

    Promovierte 1923 zum Dr. rer. pol. an der Universität Wien bei Ludwig von Mises (Dissertation „Die Goldkernwährung", veröffentlicht 1925).[5]

  4. 1925
    1925
    „Die Goldkernwährung"

    Erscheinen der Dissertationsschrift „Die Goldkernwährung" 1925 (Doktorat Dr. rer. pol. bereits 1923 bei Mises erlangt).

  5. 1925
    1925
    Mises-Privatseminar und Nationalökonomische Gesellschaft— inferiert

    Nahm regelmäßig am Mises-Privatseminar teil, publizierte Rezensionen, Aufsätze, Bücher und mehr als 150 Zeitungsartikel und wirkte als Vorstandsmitglied im Österreichischen Karton-Kartell sowie in der Nationalökonomischen Gesellschaft.

  6. ⁦1929–1933⁩
    ⁦1929–1933⁩
    Lehrtätigkeit Volkshochschule Ottakring

    Unterrichtete von 1929 bis 1933 an der Volkshochschule Ottakring.

  7. 1931
    1931
    „Börsenkredit, Industriekredit und Kapitalbildung"

    Erscheinen von „Börsenkredit, Industriekredit und Kapitalbildung" (1931), einer Analyse der Börsenfinanzierung im Lichte der österreichischen Geldtheorie. Geplant als Habilitationsschrift, doch die Professoren Spann und Degenfeld-Schonburg eröffneten ihm, dass sein Habilitationsansuchen aufgrund seiner jüdischen Abstammung nicht zur Abstimmung gebracht würde; auch Hans Mayer war nicht zur Unterstützung eines Mises-Schülers bereit.

  8. 1933
    1933
    Verlässt Österreich

    Verließ 1933 das Land in der Folge der gescheiterten Habilitation aufgrund seiner jüdischen Abstammung.

  9. ⁦1933–1935⁩
    ⁦1933–1935⁩
    Rockefeller-Stipendium USA

    Forschungsstipendiat der Rockefeller Foundation in den USA von 1933 bis 1935.[5]

  10. 1934
    1934
    Gastprofessur an der Harvard University

    Wurde 1934 Gastprofessor an der Harvard University.

  11. 1935
    1935
    Endgültige Emigration in die USA

    Verkaufte 1935 seine Anteile an der Fabrik im niederösterreichischen Ybbstal und emigrierte endgültig in die USA. Während des Krieges half er zahlreichen Bedrängten in Österreich bei Ausreise und Flucht.

  12. ⁦1935–1947⁩
    ⁦1935–1947⁩
    Frank H. Goodyear Professor University at Buffalo

    Lehrte von 1935 bis 1947 als Frank H. Goodyear Professor an der University at Buffalo.[5]

  13. 1940
    1940
    US-Staatsbürgerschaft

    Nahm 1940 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.[6]

  14. ⁦1947–1960⁩
    ⁦1947–1960⁩
    Abram G. Hutzler Professor Johns Hopkins University

    Lehrte von 1947 bis 1960 als Abram G. Hutzler Professor an der Johns Hopkins University in Baltimore.[5]

  15. ⁦1960–1971⁩
    ⁦1960–1971⁩
    Walker Professor Princeton University

    Lehrte von 1960 bis 1971 als Walker Professor of Economics and International Finance an der Princeton University.[5]

  16. 1961
    1961
    American Academy of Arts and Sciences

    Wurde 1961 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.[7]

  17. 1962
    1962
    „The Production and Distribution of Knowledge in the United States"

    Erscheinen seines Hauptwerks „The Production and Distribution of Knowledge in the United States" (1962), das den Begriff der Informationsgesellschaft prägte.[5]

  18. 1963
    1963
    American Philosophical Society

    Wurde 1963 in die American Philosophical Society gewählt.[8]

  19. 1966
    1966
    Präsident der American Economic Association

    Wurde 1966 zum Präsidenten der American Economic Association gewählt.

  20. ⁦1971–1974⁩
    ⁦1971–1974⁩
    Präsident International Economic Association

    Präsident der International Economic Association von 1971 bis 1974.[9]

  21. ⁦1971–1983⁩
    ⁦1971–1983⁩
    Professur New York University

    Lehrte ab 1971 bis zu seinem Tod 1983 als Professor an der New York University.[5]

  22. 1978
    1978
    Großes Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich

    Erhielt 1978 das Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich.[10]

  23. 1983
    1983
    Tod

    Gestorben am 30. Januar 1983 in Princeton, New Jersey, im Alter von 80 Jahren.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 5
  1. ⁦1920–1923⁩
    ⁦1920–1923⁩

    Studierte ab 1920 Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien u. a. bei Friedrich von Wieser.[5]

  2. ⁦1923–1934⁩
    ⁦1923–1934⁩

    Machlup war Stammteilnehmer am Privatseminar Mises' und intellektueller Schüler aus dem Wiener Kreis.[1]

  3. 1931
    1931
    Ferdinand Degenfeld-Schonburg⁦(1882–1952)⁩ · Wiener Sozialwissenschaft

    Die Professoren Spann und Degenfeld-Schonburg eröffneten Machlup, dass sein Habilitationsansuchen aufgrund seiner jüdischen Abstammung nicht zur Abstimmung gebracht würde.

  4. 1931
    1931
    Othmar Spann⁦(1878–1950)⁩ · Universalismus

    Die Professoren Spann und Degenfeld-Schonburg eröffneten Machlup, dass sein Habilitationsansuchen aufgrund seiner jüdischen Abstammung nicht zur Abstimmung gebracht würde.

  5. —
    —

    mises.org-Strigl-Biographie nennt Machlup explizit unter den Strigl geprägten Schülern der vierten Wiener Generation.[2]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 5
  1. ⁦1929–1934⁩
    ⁦1929–1934⁩

    Beide Teilnehmer am Mises-Privatseminar; mises.org-Liste führt Machlup und Morgenstern als regelmäßige Teilnehmer.[3]

  2. 1932
    1932

    Kauder bezeichnete Machlup in einem Brief von 1932 als „diversen Vertreter“ der österreichischen Schule.[4]

  3. 1947
    1947

    Hayek und Machlup gehörten beide zur Gründungsversammlung der Mont Pèlerin Society 1947; Wikipedia EN führt Machlup in der Kategorie „Members of the Mont Pelerin Society".

  4. ⁦1947–1934⁩
    ⁦1947–1934⁩

    Nahm regelmäßig am Mises-Privatseminar teil, neben seiner Geschäftstätigkeit in der elterlichen Kartonfabrik.[1]

  5. —
    —

    Beide Teilnehmer am Mises-Privatseminar in Wien.[3]

Fritz Machlup im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN19 Belege · 3 Quellen
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1925
Die Goldkernwährung
OriginalDeutsch
1927
Die neuen Währungen in Europa
OriginalDeutsch
1930er
1931
Börsenkredit, Industriekredit und Kapitalbildung
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
1934
Führer durch die Krisenpolitik
OriginalDeutsch
1940er
1943
International Trade and the National Income Multiplier
OriginalEnglisch
1945
A Cartel Policy for the United Nations [Corvin D. Edwards, ed.]
OriginalEnglisch
Financing American Prosperity [editor with Paul T. Homan]
OriginalEnglisch
1946
Marginal Analysis and Empirical Research
OriginalEnglisch
1949
The Basing-Point System
OriginalEnglisch
1950er
1952
The Economics of Sellers‘ Competition
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Wettbewerb im Verkauf: Modellanalyse des Anbieterverhaltens
    OriginalDeutsch
ARTIKEL · 104 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1927
Rezension: Dierschke und Müller (Hg.), Die Notenbanken der Welt
OriginalDeutsch
1928
Währung und Auslandsverschuldung. Bemerkungen zur Diskussion zwischen Schacht und seinen Kritikern
OriginalDeutsch
1929
Geldtheorie und Konjunkturtheorie
OriginalDeutsch
Rezension: R. Kuczynski, Deutsche Anleihen im Ausland 1924 bis 1927
OriginalDeutsch
1930er
1930
Rezension: H. Oswalt, Grundzüge der Geldtheorie
OriginalDeutsch
Rezension: Martha Stephanie Braun, Theorie der staatlichen Wirtschaftspolitik
OriginalDeutsch
Transfer und Preisbewegung
OriginalDeutsch
1931
Begriffliches und Terminologisches zur Kapitalstheorie
OriginalDeutsch
1932
Die Theorie der Kapitalflucht
OriginalDeutsch
Industrialisierung, Autarkisierung, Arbeitslosigkeit. Was der Verein für Sozialpolitik darüber denkt
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise