FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 069

Friedrich Engel-Janosi

Werke
7
Artikel
4
Generation
4.
Porträt von Friedrich Engel-Janosi
FOL. 04 · N° 069 · Friedrich Engel-Janosi
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Friedrich Engel-Janosi wurde am 18. Februar 1893 in Oberdöbling als Sohn des österreichisch-ungarisch-jüdischen Industriellen Moritz Engel de Jánosi geboren und wuchs in wohlhabenden Wiener Verhältnissen auf. Nach dem Döblinger Gymnasium begann er 1912 ein Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Kunstgeschichte und Geschichte in Wien und Heidelberg, das vom Kriegsdienst 1914–1918 unterbrochen wurde. Den juristischen Doktorgrad erwarb er 1919 als Assistent Hans Kelsens, den historischen 1921 bei Alfred Francis Pribram mit einer Arbeit zur Verfassungsfrage im deutschsprachigen Österreich zwischen Wiener Kongress und Revolution 1848. Nach kurzer Banktätigkeit übernahm Engel-Janosi 1924 die väterliche Holzfabrik und betrieb Wissenschaft zunächst parallel zum Familienunternehmen. 1929 habilitierte er sich an der Universität Wien für Neuere Allgemeine Geschichte mit der Studie „Graf Rechberg. Vier Kapitel zu seiner und Österreichs Geschichte“; 1935 erhielt er den Titel eines ausserordentlichen Professors. In den 1920er Jahren gehörte er zu jenem Kreis nicht-ökonomischer Sozialwissenschaftler, die regelmässig im Mises-Privatseminar sassen, und er trat in der ersten Dekade auch dem 1921 von Hayek und Furth gegründeten Geistkreis bei, wo er als chronistische Stimme der Vortragsthemen wirkte. Nach einem Forschungsaufenthalt in Rom 1936–1938, während dessen er zum Katholizismus konvertierte, wurde ihm am 22. April 1938 die Lehrbefugnis aus rassischen Gründen entzogen. 1939 floh er über Frankreich und Grossbritannien in die USA, lehrte kurz an der University of Cambridge, war 1940–1942 Research Associate an der Johns Hopkins University in Baltimore und ab 1945 Professor of European History an der Catholic University of America in Washington, D.C. 1959 kehrte er als Honorarprofessor an die Universität Wien zurück, präsidierte 1965 den Internationalen Historikerkongress und schloss seine Lehre 1969 ab. Sein Werk konzentriert sich auf die diplomatische und kirchenpolitische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere die Beziehungen zwischen Habsburgermonarchie, Republik und Heiligem Stuhl. „Österreich und der Vatikan 1846–1918“ (1958–1960), „Geschichte auf dem Ballhausplatz“ (1963) und „Vom Chaos zur Katastrophe“ (1971) gelten als Standardwerke. Die Autobiographie „… aber ein stolzer Bettler“ (1974) ist zugleich eine Schlüsselquelle zur Wiener Kreis-Kultur der Zwischenkriegszeit. Engel-Janosi starb am 7. März 1978 in Wien und liegt auf dem Döblinger Friedhof begraben.
Metadaten
18. Februar 1893
in Wien, Oberdöbling
7. März 1978
in Wien
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. ⁦1912–1921⁩
    ⁦1912–1921⁩
    Studium Jus, Nationalökonomie, Geschichte

    Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Kunstgeschichte und Geschichte in Wien und Heidelberg, unterbrochen vom Kriegsdienst 1914–1918.

  2. 1919
    1919
    Dr. iur. bei Hans Kelsen

    Promotion zum Dr. iur. an der Universität Wien, zuvor Assistent Hans Kelsens.

  3. 1921
    1921
    Dr. phil. bei Alfred F. Pribram

    Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation „Die Verfassungsfrage im deutschsprachigen Österreich zwischen Wiener Kongreß und der Revolution von 1848“, Doktorvater Alfred Francis Pribram.

  4. ⁦1924–1938⁩
    ⁦1924–1938⁩
    Leiter Holzfabrik Engel

    Übernahme und Leitung der väterlichen Holzfabrik nach kurzer Banktätigkeit; wissenschaftliche Arbeit parallel zum Familienunternehmen.

  5. 1929
    1929
    Habilitation Neuere Allgemeine Geschichte

    Habilitation an der Universität Wien mit „Graf Rechberg. Vier Kapitel zu seiner und Österreichs Geschichte“; Privatdozent für Neuere Allgemeine Geschichte.

  6. ⁦1935–1938⁩
    ⁦1935–1938⁩
    Ausserordentlicher Professor

    Ernennung zum ausserordentlichen Professor an der Universität Wien.

  7. ⁦1936–1938⁩
    ⁦1936–1938⁩
    Forschungsaufenthalt Rom

    Austauschprofessor und Forschungsaufenthalt in Rom; Beginn der Vatikan-Studien, Konversion zum Katholizismus.

  8. 1939
    1939
    Emigration nach Cambridge

    Nach Entzug der Lehrbefugnis am 22. April 1938 aus rassischen Gründen Flucht über Frankreich und Grossbritannien; kurze Lehrtätigkeit als Lecturer an der University of Cambridge.

  9. ⁦1940–1942⁩
    ⁦1940–1942⁩
    Research Associate Johns Hopkins

    Research Associate an der Johns Hopkins University in Baltimore.

  10. ⁦1942–1945⁩
    ⁦1942–1945⁩
    Visiting Professor Catholic University

    Visiting Professor an der Catholic University of America in Washington, D.C.

  11. ⁦1945–1959⁩
    ⁦1945–1959⁩
    Professor of European History

    Professor of European History an der Catholic University of America in Washington, D.C.

  12. 1955
    1955
    Guggenheim Fellowship

    Guggenheim Fellowship der John Simon Guggenheim Memorial Foundation.

  13. ⁦1959–1969⁩
    ⁦1959–1969⁩
    Honorarprofessor Universität Wien

    Rückkehr nach Wien als Honorarprofessor für Neuere Geschichte; 1965 Präsident des Internationalen Historikerkongresses, Emeritierung 1969.

  14. 1978
    1978
    Tod in Wien

    Gestorben am 7. März 1978 in Wien, beigesetzt auf dem Döblinger Friedhof.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 1
  1. ⁦1919–1919⁩
    ⁦1919–1919⁩
    Hans Kelsen⁦(1881–1973)⁩ · Wiener Rechtstheorie

    Kelsen betreute Engel-Janosi während des Jurastudiums als Assistent und nahm die Promotion zum Dr. iur. 1919 ab.

Friedrich Engel-Janosi im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1924
Soziale Probleme der Renaissance
OriginalDeutsch
1927
Graf Rechberg. Vier Kapitel zu seiner und Österreichs Geschichte
OriginalDeutsch
1930er
1934
Die Wahrheit über den Krieg
OriginalDeutsch
1950er
1958
Österreich und der Vatikan 1846–1918
OriginalDeutsch
1960er
1963
Geschichte auf dem Ballhausplatz
OriginalDeutsch
1970er
1971
Vom Chaos zur Katastrophe. Vatikanische Gespräche 1918 bis 1938
OriginalDeutsch
1974
… aber ein stolzer Bettler. Erinnerungen aus einer verlorenen Generation
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 4 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1921
Die Theorie vom Staat im deutschen Österreich 1815-1848
OriginalDeutsch
1923
Der Wiener juridisch-politische Leseverein
OriginalDeutsch
1926
Zur Geschichte der Wiener Kaufmannschaft von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts
OriginalDeutsch
1930er
1931
Kaiser Josef II. in der Wiener Bewegung des Jahres 1848
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise