FOLIO I · DENKER · GEN. 02 · N° 002

Eugen von Böhm-Bawerk

Werke
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Porträt von Eugen von Böhm-BawerkPorträt von Eugen von Böhm-Bawerk: Frühe Aufnahme Böhm-Bawerks, um 1890 (1890)
FOL. 02 · N° 002 · Eugen von Böhm-Bawerk
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Eine sehr nachhaltige Wirkung erzielte Böhm-Bawerk. Mit seiner Positiven Theorie des Kapitals (1889) legte er nicht nur die Grundlagen zu einer „österreichischen“ Kapital- und Zinstheorie, sondern trug auch entscheidend zur internationalen Reputation der Österreichischen Schule bei. Er wurde zu einem der meistdiskutierten und -zitierten Ökonomen seiner Zeit. Für die weitere Entwicklung der Österreichischen Schule sollte Die Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien (1884) vor allem in zweierlei Hinsicht richtungsweisend werden: Zum einen unterzog Böhm-Bawerk die sozialistische Arbeitswertlehre von Karl Marx (1818–1883) einer ausführlichen und durchgängig ablehnenden Kritik und legte so den Grundstein für die marxismuskritische Tradition der Österreichischen Schule. Zum anderen lehnte er Carl Mengers Nutzungstheorie ab, der zufolge die Kapitalrente ein Nutzungsentgelt für die Überlassung des Kapitals darstellt. Letzten Endes ist kein namhafter Nationalökonom Böhm-Bawerk zur Gänze gefolgt. Sein Entwurf entfaltete jedoch über Jahrzehnte eine ungewöhnlich anregende und fruchtbringende Wirkung.
Metadaten
12. Februar 1851
in Brünn, Mähren
27. August 1914
2. Generation
Der Podcast

Die Folge zu Eugen von Böhm-Bawerk

Eugen von Böhm-Bawerk zum Hören: das Leben, die eine Idee, das berühmteste Argument und welches Werk man zuerst liest. Rund 16 Minuten.

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Lebensstationen

Stationen

  1. 1851
    1851
    Geburt

    Geboren am 12. Februar 1851 in Brünn, Mähren.[1]

  2. ⁦1868–1872⁩
    ⁦1868–1872⁩
    Studium der Rechts- und Staatswissenschaft

    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien.[8]

  3. ⁦1872–1880⁩
    ⁦1872–1880⁩
    Niederösterreichische Finanzprokuratur

    Beamter in der niederösterreichischen Finanzprokuratur, ab 1872. Parallel Studienurlaub in Heidelberg, Leipzig und Jena bei Knies, Roscher und Hildebrand.[1]

  4. 1875
    1875
    Promotion zum Dr. jur.

    Promotion zum Doktor der Rechte an der Universität Wien.[9]

  5. 1880
    1880
    Habilitation für Nationalökonomie

    Habilitation als Privatdozent für Nationalökonomie an der Universität Wien.[1]

  6. 1880
    1880
    Heirat mit Paula von Wieser

    Heirat mit Paula von Wieser, Schwester von Friedrich von Wieser; damit Schwager des langjährigen Wegbegleiters.[8]

  7. ⁦1881–1884⁩
    ⁦1881–1884⁩
    Außerordentlicher Professor Innsbruck

    Außerordentlicher Professor der Politischen Ökonomie an der Universität Innsbruck.[1]

  8. 1884
    1884
    „Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien“

    Erscheinen von „Die Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien“ als erster Band von „Kapital und Kapitalzins“; mit ausführlicher Kritik an Marx' Arbeitswertlehre und Ablehnung von Mengers Nutzungstheorie.[1]

  9. ⁦1884–1889⁩
    ⁦1884–1889⁩
    Ordentlicher Professor Innsbruck

    Ordentlicher Professor an der Universität Innsbruck bis 1889.[1]

  10. 1889
    1889
    „Positive Theorie des Kapitales“

    Erscheinen der „Positiven Theorie des Kapitales“ als zweiter Band von „Kapital und Kapitalzins“; Grundlage einer „österreichischen“ Kapital- und Zinstheorie und entscheidender Beitrag zur internationalen Reputation der Österreichischen Schule.[1]

  11. 1889
    1889
    Ministerialrat Finanzministerium

    Wechsel ans Wiener Finanzministerium als Ministerialrat; später Sektionschef.[15]

  12. 1895
    1895
    Finanzminister (1. Amtszeit)

    Erste Amtszeit als k. k. Finanzminister.[1]

  13. ⁦1897–1898⁩
    ⁦1897–1898⁩
    Finanzminister (2. Amtszeit)

    Zweite Amtszeit als k. k. Finanzminister 1897/98.[1]

  14. 1899
    1899
    Mitglied des Herrenhauses— ungefähr

    Berufung in das österreichische Herrenhaus.[13]

  15. ⁦1900–1904⁩
    ⁦1900–1904⁩
    Finanzminister (3. Amtszeit)

    Dritte und längste Amtszeit als k. k. Finanzminister.[1]

  16. ⁦1904–1914⁩
    ⁦1904–1914⁩
    Lehrstuhl Politische Ökonomie Universität Wien

    Ordentlicher Professor für Politische Ökonomie an der Universität Wien bis zum Tod 1914. Sein Privatseminar prägte u. a. Mises, Schumpeter und Otto Bauer.[1]

  17. ⁦1907–1911⁩
    ⁦1907–1911⁩
    Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften

    Vizepräsident der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien.[1]

  18. ⁦1911–1914⁩
    ⁦1911–1914⁩
    Präsident der Akademie der Wissenschaften

    Präsident der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien bis zum Tod.[1]

  19. 1914
    1914
    Tod

    Gestorben am 27. August 1914 in Kramsach, Tirol.[1]

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 3
  1. ⁦1876–1878⁩
    ⁦1876–1878⁩
    Bruno Hildebrand⁦(1812–1878)⁩ · Ältere Historische Schule

    Studierte 1876-1878 bei Bruno Hildebrand in Jena.[16]

  2. ⁦1876–1878⁩
    ⁦1876–1878⁩
    Karl Knies⁦(1821–1898)⁩ · Ältere Historische Schule

    Studierte 1876-1878 während einer Auslandsreise bei Karl Knies in Heidelberg.[16]

  3. ⁦1876–1878⁩
    ⁦1876–1878⁩
    Wilhelm Roscher⁦(1817–1894)⁩ · Ältere Historische Schule

    Studierte 1876-1878 zusammen mit Wieser bei Wilhelm Roscher in Leipzig.[16]

Beeinflusste · 13
  1. ⁦1884–1896⁩
    ⁦1884–1896⁩
    Karl Marx⁦(1818–1883)⁩ · Marxismus

    Unterzog die sozialistische Arbeitswertlehre von Karl Marx in „Die Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien“ (1884) einer ausführlichen und durchgängig ablehnenden Kritik und legte damit den Grundstein für die marxismuskritische Tradition der Österreichischen Schule.[1]

  2. ⁦1889–1889⁩
    ⁦1889–1889⁩

    Studierte 1884-1887 Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck unter anderem bei Eugen von Böhm-Bawerk; Böhm-Bawerk war zu dieser Zeit Professor in Innsbruck.[2]

  3. ⁦1900–1906⁩
    ⁦1900–1906⁩

    Studierte bei Eugen von Böhm-Bawerk und nahm an dessen Seminar an der Universität Wien teil; gemeinsam mit Menger einer der prägenden Lehrer für Mises' Hinwendung zur Österreichischen Schule.[9]

  4. ⁦1901–1906⁩
    ⁦1901–1906⁩

    Wandte sich während des Studiums in Wien unter dem Einfluss Eugen von Böhm-Bawerks vor allem der Nationalökonomie zu; Böhm-Bawerk war einer der prägenden akademischen Lehrer der Wiener Studienzeit.[3]

  5. ⁦1903–1909⁩
    ⁦1903–1909⁩

    Widmete sich nach seiner Promotion nebenbei Böhm-Bawerks Zinstheorie, gab die kleineren Schriften des von ihm verehrten Böhm-Bawerk heraus und erneuerte und erweiterte in seiner Habilitationsschrift die Kritik an David Ricardo.[18]

  6. ⁦1905–1906⁩
    ⁦1905–1906⁩
    Otto Bauer⁦(1881–1938)⁩ · Austromarxismus

    Otto Bauer nahm als Marxist am Privatseminar Böhm-Bawerks 1905-06 an der Universität Wien teil – eine seltene Gelegenheit der direkten Konfrontation zwischen österreichischer Schule und Austromarxismus.

  7. ⁦1905–1914⁩
    ⁦1905–1914⁩
    Otto Neurath⁦(1882–1945)⁩ · Wiener Kreis

    Otto Neurath, später Philosoph des Wiener Kreises, gehörte zu den Studierenden Böhm-Bawerks.[14]

  8. ⁦1905–1906⁩
    ⁦1905–1906⁩
    Rudolf Hilferding⁦(1877–1941)⁩ · Austromarxismus

    Rudolf Hilferding besuchte als prominenter Marxist 1905-06 das Privatseminar Böhm-Bawerks in Wien.[19]

  9. ⁦1908–1914⁩
    ⁦1908–1914⁩

    Studierte und promovierte 1914 an der Universität Wien bei Eugen von Böhm-Bawerk; Dissertation zur Geld- und Kreditwirtschaft mit mathematischem Ansatz.

  10. ⁦1909–1914⁩
    ⁦1909–1914⁩

    Wurde als sehr junger Student in Eugen von Böhm-Bawerks Privatseminar an der Universität Wien aufgenommen; mises.org bezeichnet Strigl als „einen der jüngsten Böhm-Bawerk-Schüler".[12]

  11. —
    —
    Henryk Grossmann⁦(1881–1950)⁩ · Marxismus

    Henryk Grossmann zählt laut Wikipedia EN-Infobox zu Böhm-Bawerks „notable students“.

  12. —
    —

    Schüler Eugen Böhm-Bawerks während dessen Innsbrucker Lehrtätigkeit; auf dieser Grundlage erhielt er 1889 die venia legendi für Nationalökonomie und wandte sich der Grenznutzenschule zu.[5]

  13. —
    —
    John Bates Clark⁦(1847–1938)⁩ · US-Grenzproduktivitätsschule

    Lieferte sich mit dem amerikanischen Ökonomen John B. Clark eine berühmte Debatte über Kapitalerhaltung und die Produktionsperiode.[9]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 7
  1. ⁦1872–1914⁩
    ⁦1872–1914⁩

    Wieser und Böhm-Bawerk waren Jugend- und Studienfreunde an der Universität Wien und zugleich Schwäger; 1880 heiratete Böhm-Bawerk Wiesers Schwester Paula. Die Beziehung war damit in mehrfacher Hinsicht ein lebenslanger Wegbegleiter.[9]

  2. ⁦1892–1897⁩
    ⁦1892–1897⁩

    Wurde 1892 als ordentlicher Professor an der Universität Innsbruck Nachfolger Eugen von Böhm-Bawerks; institutionelle Lehrstuhl-Kontinuitaet im Geist der Wiener Schule.[7]

  3. ⁦1895–1908⁩
    ⁦1895–1908⁩

    Als Privatdozent (1895–1908) und ab Oktober 1898 Ordinarius für politische Ökonomie an der k.k. Exportakademie im Palais Festetics gehörte Feilbogen zur engen Wiener Nationalökonomen-Szene um Böhm-Bawerk, Wieser und Philippovich. Die Mit-Übersetzung des Capitalzins-Anhangs 1903 setzt direkten Arbeitskontakt voraus.

  4. ⁦1895–1897⁩
    ⁦1895–1897⁩

    Sieghart diente ab 1894 im k.k. Finanzministerium, in dessen Steuerreform-Arbeit Böhm-Bawerk die treibende Kraft war, und wechselte 1897 ins Ministerratspräsidium — der Beginn seines Aufstiegs unter Körber (NDB Bd. 24, 2010, S. 353 f.).

  5. ⁦1905–1906⁩
    ⁦1905–1906⁩

    Schumpeter besuchte Böhm-Bawerks berühmtes Privatseminar an der Universität Wien gemeinsam mit dem jungen Mises (Aufgabenhinweis Pipeline-Briefing).

  6. ⁦1909–1914⁩
    ⁦1909–1914⁩

    Strigl wurde als sehr junger Student in Böhm-Bawerks Wiener Privatseminar aufgenommen – Mit-Teilnehmer waren u. a. Otto Bauer, Nikolai Bucharin, Ludwig von Mises, Otto Neurath und Joseph Schumpeter.[12]

  7. —
    —

    Setzte als subjektivistischer Werttheoretiker bei der Reform der direkten Personalsteuer gemeinsam mit Eugen von Böhm-Bawerk als leitenden Beamten die Steuerprogression praktisch um.

Eugen von Böhm-Bawerk im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN47 Belege · 7 Quellen
  • [13]Weiss (Hrsg.) 1924: Boehm-Bawerk Gesammelte Schriften, Bd. 2 (Vorwort)
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1880er
1881
Rechte und Verhältnisse vom Standpunkt der volkswirtschaftlichen Güterlehre
OriginalDeutsch
Rechte und Verhältnisse vom Standpunkte der volkswirthschaftlichen Güterlehre
OriginalDeutsch
1884
Kapital und Kapitalzins I: Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
  • Capital and Interest: A Critical History of Economical Theory
    OriginalEnglisch
1886
Positive Theorie des Kapitales
OriginalDeutsch
1889
Kapital und Kapitalzins II: Positive Theorie des Kapitals
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
1890er
1894
The ultimate standard of value
OriginalEnglisch
1896
Eugen von Böhm-Bawerk prüft in dieser 1896 erschienenen Streitschrift, ob der posthum veröffentlichte dritte Band von Marx' Kapital den im ersten Band angekündigten Widerspruch auflöst: dass sich Waren einerseits nach ihrer verkörperten Arbeit tauschen, andererseits gleich grosse Kapitale gleichen Profit abwerfen. Böhm-Bawerk referiert zunächst die Marxsche Wert- und Mehrwertlehre sowie die Theorie der Produktionspreise, dann zerlegt er vier Argumente, mit denen Marx die fortdauernde Geltung des Wertgesetzes behauptet, und kommt zum Schluss, der dritte Band verleugne den ersten. Im vierten Abschnitt führt er den Irrtum auf eine rein dialektische, von Erfahrung und psychologischer Analyse abgeschnittene Ableitung des Arbeitswertsatzes zurück. Ein Schlussabschnitt setzt sich kritisch mit Werner Sombarts Rettungsversuch auseinander, der den Marxschen Wert als blosse gedankliche Tatsache deutet.
Weitere Ausgaben
1900er
1903
Recent Literature on Interest
OriginalEnglisch
1920er
1921
KAPITAL UND KAPITALZINS. 2. Abteilung Positive Theorie des Kapitales
OriginalDeutsch
1926
KLEINERE ABHANDLUNGEN ÜBER KAPITAL UND ZINS. Der gesammelten Schriften
OriginalDeutsch
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Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1880er
1882
[Rezension zu Adolf Beer: Der Staatshaushalt Oesterreich-Ungarns seit 1868]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Albert E. Fr. Schäffle: Die Grundsätze der Steuerpolitik und die schwebenden Finanzfragen Deutschlands und Oesterreichs]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Carl Knies: Die politische Oekonomie vom geschichtlichen Standpunkte, Erste Hälfte]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Felix Hecht: Bankwesen und Bankpolitik in den süddeutschen Staaten 1819–1875]
OriginalDeutsch
[Rezension zu H. Eisenhart: Geschichte der Nationalökonomik]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Julian Goldschmidt: Deutsche Hypothekenbanken. Kritik und Reformvorschläge]
OriginalDeutsch
1883
[Rezension zu Adolph Samter: Das Eigenthum in seiner socialen Bedeutung]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Albert E. Fr. Schäffle: Der corporative Hilfscassenzwang]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Carl Theodor von Inama-Sternegg: Deutsche Wirthschaftsgeschichte, Erster Band]
OriginalDeutsch
[Rezension zu Georg Schanz: Englische Handelspolitik gegen Ende des Mittelalters]
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise