FOLIO I · DENKER · GEN. 03 · N° 076

Emil Perels

Werke
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Generation
3.
EP
FOL. 03 · N° 076 · Emil Perels
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Emil Perels wurde am 17. Juni 1880 in Wien geboren, als Sohn des Landtechnik-Professors Emil Perels (1837–1893) an der Hochschule für Bodenkultur und der Rosa Volkmar (1850–1882), die der Sohn früh verlor. Sein Bruder Ernst wurde Geschichtsprofessor in Berlin, seine Schwester Frida Becher von Rüdenhof Ärztin und Frauenrechtlerin. Perels studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien und promovierte 1904 zum Dr. iur. Obwohl von Ausbildung her Jurist, wandte er sich früh der ökonomischen Theorie zu. Er nahm am Seminar Eugen von Böhm-Bawerks teil und gehörte zu jenem engen Kreis junger Wiener, der ab dem 12. März 1908 unter dem Dach des Zentralvereins für Wohnungsreform regelmässig zur Diskussion ökonomischer Grundfragen zusammentrat. Mises selbst zählte den Kreis aus Karl Pribram, Else Cronbach, Perels und ihm selbst zur Urzelle dessen, was 1918 als Nationalökonomische Gesellschaft formell konstituiert wurde. Parallel arbeitete Perels in der Wiener Handelskammer und wirkte im Wissenschaftlichen Komitee für Kriegswirtschaft des k.u.k. Kriegsministeriums mit, dem auch Mises, die Pribram-Brüder und Othmar Spann angehörten. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Perels die Leitung der österreichischen Abrechnungsstelle, einer staatsnahen Behörde zur Abwicklung internationaler Reparations- und Schuldenfragen. Als er 1921 dort ausschied, folgte Ludwig von Mises auf seinem Stuhl nach, und Friedrich August von Hayek fand kurz nach seiner Promotion ebendort seine erste Anstellung. Im Hauptberuf war Perels Verwaltungsrat mehrerer österreichischer Unternehmen, Direktor der Gipswerke Schottwien-Semmering und Direktor des Österreichischen Credit-Instituts für öffentliche Unternehmungen und Arbeiten. Mit Mises verband ihn eine lebenslange persönliche Freundschaft, die sich in gemeinsamen Skitouren in den österreichischen Alpen niederschlug. Obwohl evangelisch A. B. getauft, galt Perels nach 1938 als „nicht-arisch“. Er verlor seine Bankdirektor-Stelle und fand noch eine Anstellung in der Finanzverwaltung der Evangelischen Kirche. Mit 58 Jahren inskribierte er im Sommersemester 1938 an der Philosophischen Fakultät, wurde aber bald vertrieben. Aus der Wohnung seiner Schwester in der Wickenburggasse 17 wurde er am 24./25. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 16. Oktober 1944 nach Auschwitz weiterverschickt, wo er ermordet wurde. Sein letztes Lebenszeichen war ein Brief aus dem Jahr 1943 an seine Schwester Frida.
Metadaten
17. Juni 1880
in Wien, Österreich-Ungarn
16. Oktober 1944
in Auschwitz, besetztes Polen
3. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1880
    1880
    Geboren in Wien

    Geboren am 17. Juni 1880 als Sohn des BOKU-Landtechnikers Emil Perels und der Rosa Volkmar.

  2. ⁦1898–1904⁩
    ⁦1898–1904⁩
    Studium Rechts- und Staatswissenschaften

    Studium an der Universität Wien, parallel früher Kontakt zum Böhm-Bawerk-Seminar.

  3. 1904
    1904
    Promotion zum Dr. iur.

    Promotion an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.

  4. ⁦1908–1918⁩
    ⁦1908–1918⁩
    Mitbegründer Mises-Perels-Kreis

    Ab 12. März 1908 regelmässige Diskussionszirkel mit Mises, Karl Pribram und Else Cronbach im Zentralverein für Wohnungsreform, Vorläufer der Nationalökonomischen Gesellschaft.

  5. ⁦1914–1918⁩
    ⁦1914–1918⁩
    Wissenschaftliches Komitee Kriegswirtschaft

    Mitglied des Wissenschaftlichen Komitees für Kriegswirtschaft am k.u.k. Kriegsministerium, zusammen mit Mises, Karl Pribram und anderen.

  6. ⁦1918–1921⁩
    ⁦1918–1921⁩
    Direktor der österreichischen Abrechnungsstelle

    Leitung der österreichischen Abrechnungsstelle nach dem Ersten Weltkrieg, später Nachfolger Mises, dort Erstanstellung Hayeks.

  7. ⁦1921–1938⁩
    ⁦1921–1938⁩
    Bankdirektor Credit-Institut für öffentliche Unternehmungen

    Verwaltungsrat mehrerer Unternehmen, Direktor der Gipswerke Schottwien-Semmering und des Österreichischen Credit-Instituts für öffentliche Unternehmungen und Arbeiten.

  8. 1938
    1938
    Entlassung und Berufsverbot

    Nach dem „Anschluss“ als „nicht-arisch“ klassifiziert, Verlust des Bankdirektor-Postens. Im Sommersemester 1938 noch einmal an der Philosophischen Fakultät inskribiert, dann von der Universität verdrängt.

  9. 1942
    1942
    Deportation nach Theresienstadt

    Am 24./25. September 1942 aus der Wohnung der Schwester in der Wickenburggasse mit Transport IV/11 nach Theresienstadt deportiert.

  10. 1944
    1944
    Ermordung in Auschwitz

    Am 16. Oktober 1944 mit Transport Er Nr. 1251 von Theresienstadt nach Auschwitz, dort ermordet.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 1
  1. ⁦1903–1914⁩
    ⁦1903–1914⁩

    Perels nahm am Wiener Privatseminar Böhm-Bawerks teil, wo er Mises und Schumpeter begegnete. Eine formale Promotionsbetreuung ist nicht belegt, da Perels Dr. iur. wurde.

Emil Perels im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

Topographie

Wirkungsorte

ARTIKEL · 5 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1900er
1908
Zur Frage der Arbeitslosenversicherung
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1910er
1912
Neuere handels- und zollpolitische Literatur
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1915
Die wirtschaftlichen Kriegsmaßnahmen in Oesterreich
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1919
Der Abbau des wirtschaftlichen Kampfrechts
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1920
Wirtschaftsrecht und Völkerbund
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