FOLIO I · DENKER · GEN. 03 · N° 062

Else Cronbach

Werke
3
Artikel
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Generation
3.
Porträt von Else Cronbach
FOL. 03 · N° 062 · Else Cronbach
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Else Cronbach kam am 25. Oktober 1879 in Berlin zur Welt und wuchs in einer Familie des Wiener Bürgertums auf. Als sie um die Jahrhundertwende ihr Studium der Nationalökonomie aufnehmen wollte, waren Frauen in Österreich an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät noch nicht zur regulären Immatrikulation zugelassen. Sie behalf sich mit dem für Frauen damals üblichen Weg: sie besuchte als Hospitantin Vorlesungen an der Universität Wien, unter anderem bei Eugen Philippovich von Philippsberg, dem Statistiker Karl Theodor von Inama-Sternegg, Friedrich Wieser und Eugen von Böhm-Bawerk, und musste den Doktorgrad an einer deutschen Universität erwerben. Die Promotion erfolgte in Freiburg im Breisgau, vermutlich 1907 — im selben Jahr erschien ihr bekanntestes Werk, „Die österreichische Spitzenhausindustrie. Ein Beitrag zur Frage der Hausindustriepolitik“. Die Studie ist bis heute eine zentrale Quelle zur Geschichte der k. k. Anstalt für Frauen-Hausindustrie in Wien und behandelt am Beispiel der Spitzenerzeugung die ökonomische und sozialpolitische Lage der weiblichen Heimarbeit in der späten Habsburgermonarchie. Mit dieser Arbeit gilt Cronbach als erste promovierte Österreicherin im Bereich der Staatswissenschaften. Nach der Rückkehr nach Wien arbeitete sie als Sekretärin der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer und übernahm ab 1911 zusätzliche Aufgaben im Gremium der Wiener Kaufmannschaft. Daneben unterrichtete sie an einer Schule für kommerzielle Frauenbildung und engagierte sich in sozialpolitischen Vereinen, vor allem zu Wohnungsfrage und Arbeiterschutz. Fachlich verschob sich ihr Schwerpunkt nach 1908 zunehmend von der Hausindustrie zur Zoll- und Handelsvertragspolitik, einem für die multinationale Donaumonarchie hochpolitischen Feld; 1912 verfasste sie für den Zentralverband österreichischer Kaufleute einen einflussreichen Bericht zur Vorbereitung der nächsten Handelsverträge. Cronbach gehört nicht zum eigentlichen Mises-Kreis oder Geist-Kreis — beide Zirkel entstanden erst nach ihrem Tod —, ist aber als Schülerin Philippovichs, Wiesers, Böhm-Bawerks und Inama-Sterneggs personell wie thematisch fest in der zweiten und dritten Wiener Generation verankert. Zusammen mit Helene Lieser und Stephanie Martha Braun zählt sie zu den ganz wenigen Frauen, die in der Wiener Nationalökonomie vor 1914 sichtbar wurden. Ihr früher Tod am 13. April 1913 in Wien — die Quellen bezeichnen ihn als „plötzlich“, ohne nähere Angabe — beendete eine Laufbahn, die nach Lage der Werkliste auf eine bedeutende Rolle in der österreichischen Handels- und Sozialpolitik zugesteuert war.
Metadaten
25. Oktober 1879
in Berlin, Deutsches Reich
13. April 1913
in Wien, Österreich-Ungarn
3. Generation
Lebensstationen

Stationen

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    Hospitantin Nationalökonomie

    Besuch von Vorlesungen an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien bei Philippovich, Inama-Sternegg, Wieser und Böhm-Bawerk; reguläres Studium für Frauen damals noch nicht möglich.

  2. ⁦null–1907⁩
    ⁦null–1907⁩
    Dr. rer. pol. Universität Freiburg

    Promotion an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, da österreichische Universitäten Frauen das Doktorat in Staatswissenschaften noch verwehrten. Erste promovierte Österreicherin im Fach Staatswissenschaften.

  3. 1907
    1907
    Sekretärin Handels- und Gewerbekammer

    Wissenschaftliche Sekretärin der Niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer in Wien; Schwerpunkt Zoll- und Handelsvertragspolitik.

  4. ⁦1911–1913⁩
    ⁦1911–1913⁩
    Gremium der Wiener Kaufmannschaft

    Tätig im Gremium der Wiener Kaufmannschaft; daneben Lehrtätigkeit an einer Schule für kommerzielle Frauenbildung und Engagement in sozialpolitischen Vereinen zu Wohnungsfrage und Arbeiterschutz.

  5. 1913
    1913
    Tod in Wien

    Gestorben am 13. April 1913 in Wien, im Alter von 33 Jahren. Die Quellen sprechen von einem „plötzlichen Tod“, ohne nähere Ursache.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 4
  1. —
    —

    Cronbach besuchte Philippovichs Vorlesungen zur Nationalökonomie an der Universität Wien als Hospitantin. Philippovichs sozialpolitische Ausrichtung dürfte ihr späteres Interesse für Hausindustrie und Arbeiterschutz mitgeprägt haben.

  2. —
    —

    Cronbach hörte den Statistiker und Wirtschaftshistoriker Inama-Sternegg in Wien. Sein historisch-statistischer Zugang spiegelt sich in ihrer empirischen Arbeit zur Spitzenhausindustrie wider.

  3. —
    —

    Cronbach besuchte Wiesers Vorlesungen an der Universität Wien.

  4. —
    —

    Cronbach hörte auch Böhm-Bawerks Vorlesungen in Wien und gehört damit personell zur dritten Generation der Wiener Schule.

Else Cronbach im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1900er
1907
Das landwirtschaftliche Betriebsproblem in der deutschen Nationalökonomie bis zur Mitte des XIX. Jahrhunderts
OriginalDeutsch
Die österreichische Spitzenhausindustrie. Ein Beitrag zur Frage der Hausindustriepolitik
OriginalDeutsch
1910er
1912
Bericht des Zentralverbandes österreichischer Kaufleute über die Stellung der Kaufmannschaft zur Vorbereitung der Handelsverträge
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 3 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1900er
1908
Zur Frage des landwirtschaftlichen Groß- und Kleinbetriebes
OriginalDeutsch
1910er
1910
Zur Frage einer internationalen Regelung der Arbeitsbedingungen in der Schifflistickereiindustrie. I. Gutachten
OriginalDeutsch
1912
Die neuere Gesetzgebung über die Heimarbeit unter besonderer Berücksichtigung des österreichischen Regierungsentwurfes
OriginalDeutsch
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