FOLIO I · DENKER · GEN. 03 · N° 061

Alfred Amonn

Werke
23
Artikel
113
Generation
3.
Porträt von Alfred Amonn
FOL. 03 · N° 061 · Alfred Amonn
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Alfred Amonn wuchs als Sohn des Brunecker Kaufmanns Johann Amonn und der Anna Seebacher in Südtirol auf, besuchte das k.k. Gymnasium „Vinzentinum“ in Brixen und maturierte 1902. Sein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften führte ihn über Innsbruck, München, Halle, Leipzig, Oxford und London nach Wien, wo er 1907 zum Dr. iur. et rer. pol. promoviert wurde. Im selben Jahr trat er als Assistent am Wiener Staatswissenschaftlichen Institut bei Eugen von Philippovich ein, dessen mit Edmund Bernatzik herausgegebene „Wiener Staatswissenschaftliche Studien“ 1911 auch seine Habilitationsschrift „Objekt und Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie“ aufnahmen. Die Habilitation 1910 öffnete eine bewegte Lehrlaufbahn: 1910 bis 1912 ausserordentlicher Professor in Freiburg in der Schweiz, 1912 bis 1918 Professor in Czernowitz, dazwischen 1913/14 Vertretung Joseph Schumpeters an der Universität Graz während dessen Austauschsemester an der Columbia University. 1920 folgte der Ruf als Ordinarius an die deutsche Universität Prag, 1926 bis 1929 eine Gastprofessur an der kaiserlichen Universität Tokio. 1929 übernahm Amonn in Bern den Lehrstuhl für theoretische Nationalökonomie und Finanzwissenschaften, den er bis zur Emeritierung 1953 hielt; er war zweimal Dekan und 1949/50 Rektor der Universität. Methodisch verfolgte Amonn das Programm einer logisch fundierten Objektbestimmung der Nationalökonomie und unterschied dazu scharf zwischen empirischem Erfahrungs- und konstruktivem Erkenntnisobjekt. Mit Carl Mengers methodologischer Trennung von Theorie und Geschichte sympathisierte er ausdrücklich, hielt aber Distanz zur psychologisch-subjektiven Werttheorie der älteren Wiener Schule und integrierte spätere Anregungen Walras' und Casselscher Knappheitsanalyse. Diese Synthese trug ihm wechselweise Kritik von Marxisten wie Isaak Rubin und von Sozialökonomen wie Sombart und Oppenheimer ein. In Bern wurde Amonn 1942 eingebürgert, war 1953 korrespondierendes Mitglied der Bayerischen wie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und prägte als Gutachter und Mitglied wirtschaftspolitischer Expertenkommissionen die Schweizer Wirtschaftspolitik bis weit über die Emeritierung hinaus. Zum 70. Geburtstag 1953 widmete ihm der engere Berner Kreis um Valentin F. Wagner und Fritz Marbach die Festschrift „Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik“. Er starb am 2. November 1962 79jährig in Bern.
Metadaten
1. Juni 1883
2. November 1962
3. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. ⁦1902–1907⁩
    ⁦1902–1907⁩
    Studium Rechts- und Staatswissenschaften

    Studium der Rechte und Nationalökonomie in Innsbruck, München, Wien, Halle, Leipzig, Oxford und London mit Schwerpunkt Wien.

  2. 1907
    1907
    Dr. iur. et rer. pol.

    Doppelpromotion zum Doktor der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien.

  3. ⁦1907–1910⁩
    ⁦1907–1910⁩
    Assistent bei Philippovich

    Assistent am Staatswissenschaftlichen Institut der Universität Wien bei Eugen von Philippovich bis zur eigenen Habilitation.

  4. 1910
    1910
    Habilitation Nationalökonomie

    Habilitation in Wien mit der Schrift „Objekt und Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie“, erschienen 1911 in den von Philippovich mitherausgegebenen „Wiener Staatswissenschaftlichen Studien“.

  5. ⁦1910–1912⁩
    ⁦1910–1912⁩
    Ausserordentlicher Professor

    Ausserordentlicher Professor für Nationalökonomie an der Universität Freiburg in der Schweiz.

  6. ⁦1912–1918⁩
    ⁦1912–1918⁩
    Professor Czernowitz

    Professor an der damals österreichischen Universität Czernowitz in der Bukowina.

  7. ⁦1913–1914⁩
    ⁦1913–1914⁩
    Vertretung Schumpeter, Graz

    Vertretung Joseph Aloys Schumpeters an der Universität Graz, während Schumpeter als österreichischer Austauschprofessor an der Columbia University in New York lehrte.

  8. ⁦1920–1926⁩
    ⁦1920–1926⁩
    Ordinarius deutsche Universität Prag

    Ordentlicher Professor für Nationalökonomie an der deutschen Universität (Karl-Ferdinands-Universität) in Prag.

  9. ⁦1926–1929⁩
    ⁦1926–1929⁩
    Gastprofessor kaiserliche Universität Tokio

    Drei Jahre Gastprofessur an der kaiserlichen Universität Tokio, prägende Wirkung in der frühen japanischen Wirtschaftstheorie.

  10. ⁦1929–1953⁩
    ⁦1929–1953⁩
    Ordinarius theoret. Nationalökonomie Bern

    Lehrstuhl für theoretische Nationalökonomie und Finanzwissenschaften an der Universität Bern bis zur Emeritierung 1953; Dekan 1934/35 und 1943/44.

  11. ⁦1949–1950⁩
    ⁦1949–1950⁩
    Rektor der Universität Bern

    Rektorat der Universität Bern im Studienjahr 1949/50.

  12. 1953
    1953
    Korr. Mitglied Bayerische und Österr. AdW

    Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

  13. 1962
    1962
    Tod in Bern

    79jährig verstorben am 2. November 1962 in Bern.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 1
  1. ⁦1907–1910⁩
    ⁦1907–1910⁩

    Amonn war ab 1907 Assistent am Wiener Staatswissenschaftlichen Institut bei Philippovich; seine 1910 verteidigte Habilitationsschrift erschien 1911 in den von Philippovich und Bernatzik herausgegebenen „Wiener Staatswissenschaftlichen Studien“. Faktisch akademischer Mentor in der Wiener Frühphase.

Alfred Amonn im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1910er
1911
Objekt und Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie
OriginalDeutsch
1915
Nationalgefühl und Staatsgefühl
OriginalDeutsch
1920er
1920
Die Hauptprobleme der Sozialisierung
OriginalDeutsch
1922
Sozialismus und Sozialisierung
OriginalDeutsch
1924
Planwirtschaft und Sozialisierung
OriginalDeutsch
Ricardo als Begründer der theoretischen Nationalökonomie
OriginalDeutsch
1926
Grundzüge der Volkswohlstandslehre. Erster Teil: Der Prozeß der Wohlstandsbildung (Die Volkswirtschaft)
OriginalDeutsch
1930er
1930
Das Lohnproblem. Gefahren der Lohnsteigerungen
OriginalDeutsch
1938
Volkswirtschaftliche Grundbegriffe und Grundprobleme
OriginalDeutsch
1940er
1942
Probleme der Kriegswirtschaft. Grundsätzliche Betrachtungen zur Wirtschaftspolitik im Kriege
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 113 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1910er
1910
Der Gutsbegriff in der theoretischen Nationalökonomie
OriginalDeutsch
1914
Die Probleme der wirtschaftlichen Dynamik
OriginalDeutsch
1915
Entgegnung [auf Werner Sombart, Objekt und Grundbegriffe der theoretischen Nationalökonomie]
OriginalDeutsch
1917
Eugen von Philippovich († 4. Juni 1917)
OriginalDeutsch
1918
Das Geldwesen im besetzten Rumänien
OriginalDeutsch
Robert Liefmanns „Neue Geldtheorie“
OriginalDeutsch
1919
Die Krise des Steuerstaates
OriginalDeutsch
Sozialisierung
OriginalDeutsch
1920er
1920
Robert Liefmann als nationalökonomischer Schriftsteller
OriginalDeutsch
1921
Das Ziel der Währungspolitik
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise